Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Im Internet gefundenFight-Club: Broder vs. Niggemeier
Auch ein Schlagabtausch unter Medienschwergewichtlern geht häufig nicht über die Qualität von Schulhofprügeleien hinaus. So erniedrigten und beleidigten sich unlängst «Spiegel»-Autor Henryk M. Broder und «Bildblog»-Gründer Stefan Niggemeier. Anlass war ein Blog-Eintrag Niggemeiers unter dem Titel «Gehirnfasten mit Henryk M. Broder». Hier hatte er einige sachliche, wenn auch kleinliche Fehler in zwei Broder «Spiegel»-Polemiken aufgespürt und Broder antiislamische Hysterie vorgehalten. Dieser hatte in dem Artikel über eine vermeintliche Unterwerfung der Zürcher Polizei unter den Islam abgelästert. Niggemeier stellte diesbezüglich einiges klar. Dass es aber Broder auf sachliche Fehler ohnehin nicht mehr ankommt, beweist seine Blog-Replik mit dem Titel «Schweinchen Schlau ermittelt», wo er seine Fehler eher lustlos einräumte. Das wiederum ist ein Indiz dafür, dass Broder islamophobische Stimmung schürt. Bereits der erste Satz seiner Replik zeigt, dass er sich nicht mehr die Mühe macht nachzudenken: «Stefan Niggemeier ist ein „Medienjournalist". Das klingt wie „Sättigungsbeilage" oder „Speisegaststätte"». Broder hält den Begriff «Medienjournalist» also für einen Pleonasmus und nicht für eine Spezifizierung eines zugegebenermaßen lästigen Jobs. Denn Niggemeier schaut ständig fern und liest «Bild» und schreibt lange Artikel über die, die eigentlich durch Nicht-Achtung geächtet werden müssten. Anstatt Niggemeier gezielt auszukontern, wütet Broder unkontrolliert drauflos: «Wie wir alle wissen, gibt es bis heute keinen Hinweis darauf, dass Hitler die Endlösung der Judenfrage persönlich befohlen hat. (...) Ebenso fehlt es an objektiven Quellen, die zweifelsfrei belegen, dass der Massenmord an den Armeniern wirklich stattgefunden hat und nicht von Franz Werfel imaginiert wurde. Es könnte sein, dass es sich dabei nicht um Erfindungen handelt, aber das letzte Wort in solchen Mediengeschichten müssen wir Sesselpupsern und Korinthenkackern wie Niggemeier überlassen». Das ist unterhalb der Gürtellinie und diese Treffer zählen nicht. Im Boxen nennt man so jemanden «Stinker». Und Broder stinkt nur noch rum. Kritiker sind für ihn schnell «Hobby-Antisemiten, Judenreferenten und alternative Sesselpupser». Die «tageszeitung» bezeichnet er «Kinderstürmer aus Kreuzberg». Broder jedoch war es, der sich im August 2005 auf einem «Pro-westlichen Heimatabend» mit Konsorten des rechten Internetforums «Politically Incorrect» traf. Inzwischen hat er sich zwar von dieser paranoiden Verbindung distanziert; in seinem «Spiegel»-Beitrag «Wehe, wen der Muezzin stört» entwirft er allerdings seine Schreckensvision einer islamischen Weltherrschaft im Jahre 2067. Fast ist man geneigt, ihm beizupflichten: Wer will schon fünf Mal täglich den Muezzin rufen hören, wo schon die Kirchenglocken bei ungünstigen Windverhältnissen allzu laut donnern. Während Broder mit allen publizistischen Bandagen der Diskriminierung kämpft, ist Niggemeier in seinem Privat-Blog eher ein «Medium», da er in die nüchternen Sachberichte nur hin und wieder Spitzen einstreut wie: «An manchen Stellen wird der vielfache Zirkelschluss so überzeugend, dass ich wetten würde, dass Broder selbst am Ende die Dinge glauben würde, die er selbst erfunden hätte.» Das echte Bashing hingegen wird den Kommentaren des Blogs überlassen, wo das Brodersche Beleidigungslevel jedoch nur selten erreicht wird. Broder hat eine bedauerliche Wandlung vom großmäuligen Stilisten zum ressentimentgesteuerten Ätzer durchgemacht. Statt klarer Gedanken sind es primitive Reflexe, die in beinah jedem seiner Sätze gegen ihn verwendet werden können. Seine Spezialdisziplin ist der hinkende Vergleich: «Wenn alle Menschen zur gleichen Zeit in ihre Autos steigen würden, käme der Verkehr zum totalen Stillstand.» So wetterte Broder im «Tagesspiegel» gegen die Demokratisierung durch das Internet, da die Teilnahme potentiell Aller an der Meinungsbildung insgesamt «doof» mache. Dabei hat sich Broder selbst vor kurzem im «Spiegel» zum Dieter-Bohlen-Fürsprecher promoviert. Das unterbietet sogar noch das Niveau, auf das er ohnehin schon abgestürzt ist. Es hat etwas Vergebliches. Ein älterer Mann will fortwährend provozieren und mischt doch nur Mediendreck auf. Niggemeier mischt mit, liefert aber eindeutig mehr Inhalt. Doch man muss ihm den Vorwurf machen, dass er nicht hart genug ins Gericht geht. Dass er sich Kontrahenten nur gekonnt auf Distanz hält. Etwa so wie Wladimir Klitschko, der seine Siege durch taktische Klugheit und nicht durch glanzvolle Angriffe erringt. Niggemeier ist im Clinch mit Broder nur Sieger nach Punkten, nicht durch K.O. |