Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]()
«Ehrensachen»von Louis Begley
Mit seinem jüngsten Roman «Ehrensachen» schlägt der große spätberufene Louis Begley, geboren 1933 als Ludwig Beglejter, einen großen Bogen zu seinem bedeutenden 1991 erschienenen Erstlingswerk «Lügen in Zeiten des Krieges», in welchem er seine Kindheitserlebnisse im von den Nazis besetzten Polen schilderte. «Ehrensachen» spielt Anfang der 1950er Jahre in Harvard, wo Begleys Protagonist und Alter Ego, der in Krakau geborene Henry White in seinen neuen Mitbewohnern und Kommilitonen Sam und Archie Freunde fürs Leben findet. Henry träumt, um den Preis der Verleugnung seiner jüdischen Wurzeln und des Verlusts seiner unmittelbaren familiären Bindungen den amerikanischen Traum. Er wird, wie sein literarischer Schöpfer, dank eines Stipendiums an einer Elite-Universität studieren und als Anwalt in einer exklusiven Kanzlei Karriere machen. Dabei ist seine jüdische Abstammung eher für seine beiden der amerikanischen Oberschicht zugehörigen Freunde ein Thema als für ihn selbst, denn er fühlt sich in fataler Selbsttäuschung «nicht jüdischer als ein geräucherter Schweineschinken». Begley verfolgt die Lebenswege der drei Freunde über mehrere Jahrzehnte, sein Roman ist geprägt von einem lakonischen, weisen Skeptizismus, der viel über die Person des Autors selbst zu enthüllen scheint. Erst am Ende des Buches, nachdem er mit seinem bisherigen Leben gebrochen hat, kann Henry von sich selbst sagen: «Zum erstenmal bin ich ganz und gar ich selbst.» Louis Begley hat einen sehr versierten, geschmeidig erzählten und philosophisch reifen Roman zum ewig jungen Thema der jüdischen Identität geschrieben, der fast nahtlos an sein Hauptwerk «Lügen in Zeiten des Krieges» anknüpft und auf diese Weise einen weiteren Glanzpunkt in seinem bisherigen Werk setzt.
«Ehrensachen»
|