Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Kooperation für die ZukunftDeutschland und Israel verbindet mehr als die Geschichte
Man habe ein neues Kapitel in den deutsch-israelischen Beziehungen begonnen, sagte Kanzlerin Angela Merkel bei ihrem Israel-Besuch vom 16. bis 18. März, und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Sechzig Jahre nach der Schoa befinden sich kaum noch Opfer, oder Täter, unter uns. Die «besondere historische Verantwortung» ist vielen Deutschen der zweiten und dritten Generation zum lästigen Schlagwort geworden, die Zuweisung von Schuldgefühlen wegen des Völkermords, den die Nationalsozialisten an den Juden begangen hatten, erzeugt Antagonismen. Merkel hat erkannt, dass es an der Zeit ist, die bilateralen Beziehungen auf neue Beine zu stellen. Sie hat keine Angst gehabt, in Israel in die Vergangenheit zu blicken, aber in ihren Reden und mit der historisch zu nennenden Regierungskonsultation weist sie in die richtige Richtung, die Zukunft. Im Gegensatz zu den Argumenten der misstrauischen Nörgler hat Deutschland durch die Staatsverträge mit Israel mehr gewonnen als verloren. Nach zwei Weltkriegen, die von Deutschland ausgingen, war die Aussöhnung mit den Opfern der kürzeste und moralischste Weg zurück in die Familie der Völker. Selbst bei kleinlicher Buchhaltung bleibt die Summe der Wiedergutmachung geringer als die Beute, die die Nazis bei ihren Opfern machten. Auch in den heutigen Beziehungen gewinnt Deutschland vom engen Verhältnis zu Israel. Der Profit resultiert dabei nicht nur das den wirtschaftlichen Beziehungen, mit einem Handel in Höhe von jährlich 3,42 Milliarden Euro, bei denen deutsche Unternehmen doppelt so viel nach Israel exportieren wie umgekehrt; oder von den israelischen Investitionen in Deutschland, die mit über 600 Millionen Euro im Jahr gleich eine Größenordnung höher sind als der Geldfluss von Deutschland nach Israel. Deutschland genießt vor allem Dank des besonderen Vertrauensverhältnisses zu allen Beteiligten des Nahostkonflikts eine Sonderrolle in der internationalen Diplomatie. Der Gewinn liegt dabei natürlich nicht nur auf deutscher Seite: Die Israelis brauchen Berlin als Vermittler in Nahost, als Wegbereiter und Fürsprecher in internationalen Foren und in der EU. Mit dem frischen Kooperationsvertrag der Regierungen erhält das neue Verhältnis die gesündeste Grundlage für zwischenstaatliche Beziehungen. Es regiert nicht der reuevolle oder moralisierende Blick in die Vergangenheit, sondern beidseitiger Nutzen und Kooperation ebenbürtiger und gleichgesinnter Partner stehen im Mittelpunkt. Die Zusammenarbeit im Bereich der Umwelt- und Wassertechnik hat dabei Beispielcharakter: Beide Länder haben in diesem Bereich weltweit führende Technologien entwickelt. Anstatt zu konkurrieren, wollen Berlin und Jerusalem künftig kooperieren und gemeinsam - beispielsweise in Afrika - Entwicklungshilfe leisten. Die Länder ergänzen sich auch in vielen anderen Bereichen: Israel will von Deutschland Qualitätskontrolle und solides Fachwissen lernen, während Deutsche vom Einfallsreichtum und der Risikobereitschaft der Israelis profitieren können. Die Kanzlerin will künftig den Austausch auf allen Ebenen fördern: nicht nur Wissenschaft, Militär und Technik, längst werden auch wieder die deutsche Kultur und Sprache in Israel geschätzt. Damit ist für das neue Kapitel in den deutsch-israelischen Beziehungen ein solides und gesundes Fundament gelegt. Merkel hat in einem historischen Schritt die Weichen für die engen Beziehungen Nachkriegsdeutschlands mit Israel, der einzigen westlich ausgerichteten Demokratie des Nahen Ostens, gestellt. Sie stützen sich nicht mehr auf die tragische Geschichte, sondern auf eine vielversprechende Zukunft. |