Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Zwillingsstern»von Eran Bar-Gil
Die oftmals verblüffende, geradezu sprichwörtliche Ähnlichkeit zwischen eineiigen Zwillingen und das daraus erwachsende, nahezu unerschöpfliche Potential an haarsträubenden Verwechslungssituationen hat in der Vergangenheit schon Stoff für so manche Filmkomödie und manchen Roman geliefert. Der junge israelische Autor und Musiker Eran Bar-Gil nähert sich diesem Thema in seinem wunderbaren Debütroman «Zwillingsstern» auf gänzlich andere Art und Weise, nämlich mit einem tief innerlichen, schmerzberührten poetischen Ernst, der den Leser erstaunlich schnell in seinen versierten erzählerischen Bann zieht: «Und dann überkam mich zum ersten Mal dieses schreckliche Gefühl, dass alles, was geschieht, schon einmal geschehen ist. Als betrachtete ich mich selbst von außen, in dem doppelten Bewusstsein, gleichzeitig ich und jemand anders zu sein.» Die Zwillinge Joni und Dan sind gleich nach der Geburt von ihrer Mutter verlassen und zur Adoption freigegeben worden. Sie wachsen in unterschiedlichen Familien auf, ohne von der Existenz des anderen zu wissen, aber mit einer ihnen im Heranwachsen immer schmerzlicher bewusst werdenden, jedoch durch das Schweigen der Adoptiveltern unerklärlich bleibenden inneren Leere, die sie zu Außenseitern macht: während Dan zu einem begabten Violinisten wird, offenbart Joni im Umgang mit Tieren ungeahnte Talente. Als sich die Zwillinge an einem ereignisreichen und für beide gleichermaßen beunruhigenden Tag zufällig begegnen, setzen sie, von den Adoptiveltern unbemerkt, einen allmählichen Prozess der inneren Befreiung und seelischen Heilung in Gang, der fünfzehn Jahre später, in einem weiteren für beide schicksalhaften Tag seinen stimmigen Abschluss findet. Bar-Gils hochspannender, überaus klug konzipierter Roman über das Mysterium der Zwillingsbruderschaft gewinnt einem scheinbar schon endlos variierten Thema durch seine konzentrierte, besonders einfühlsame und vor allem ernste Herangehensweise ganz neue Seiten ab. «Zwillingsstern» ist aber nicht nur ein Roman über innere Zusammengehörigkeit und die Kraft der Freundschaft, sondern auch ein Buch, das die Lebenswirklichkeit in Israel über einen Zeitraum von zwanzig Jahren in all ihren Facetten äußerst sensibel abbildet und deshalb zu Recht mit dem vom Verband der israelischen Verleger nur alle zwei Jahre vergebenen Bernstein-Preis ausgezeichnet wurde. «Zwillingsstern», aus dem Hebräischen von Beate Esther von Schwarze, erschienen bei Rowohlt, 335 Seiten, € 19,90 |