Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «In den Vereinigten Staaten von Afrika»von Abdourahman A. Waberi
Die literarische Gattung der Parodie ist heute in Deutschland trotz einer seit der Zeit des Barock und dem berühmten «Lalebuch» eines anonymen Verfassers als Parodie auf Thomas Mores Utopia-Roman beachtlichen Tradition allenfalls noch in der allerkleinsten möglichen Form vertreten, etwa als satirische Glosse in Zeitschriften wie der «Titanic» oder dem «Eulenspiegel». Da sich unsere Gesellschaft weitestgehend über den eher bescheidenen Informationsgehalt von Bildern definiert, hat folgerichtig das Fernsehen die Aufgabe übernommen, der Gesellschaft einen satirischen Zerrspiegel vorzuhalten. Dass das einer extremen Verflachung eines einst überaus reichen Genres gleichkommt, ist nur allzu verständlich: eine Parodie ist letztlich immer von der Qualität ihres Objekts und von dem Grad der Bildung ihrer Rezipienten abhängig. Umso erfreulicher, wenn ein zeitgenössischer Autor nun das der Mode zuwiderlaufende Wagnis eingeht, einen überaus ambitionierten parodistischen Roman vorzulegen, den jeder Leser ganz offensichtlich als Satire auf den relationslosen, selbstgefälligen Hedonismus unserer Gesellschaft verstehen kann, der aber auch eine bestechend fundierte kritische Analyse des auf verhängnisvolle Art und Weise fehlgesteuerten Verhältnisses zwischen sogenannter Erster Welt und den bis heute unterprivilegierten sogenannten Entwicklungsländern insbesondere Afrikas bietet. In den imaginären «Vereinigten Staaten von Afrika» im gleichnamigen Roman des am Wellesley College bei Boston lehrenden Anglisten Abdourahman A. Waberi aus Burkina Faso ist alles anders, als wir es aus unserer alltäglichen Lebenswirklichkeit kennen: Auf dem hochentwickelten afrikanischen Kontinent herrscht grenzenloser ungebremster Wohlstand, während der Rest der Welt, besonders das hoffnungslos rückständige und von militärischen Konflikten zerrissene, aidsverseuchte erbärmliche Europa in bitterer Armut dahinvegetiert. Die junge Künstlerin Maya, die als eine der wenigen Afrikaner Mitleid mit den ungeliebten Elendsflüchtlingen aus dem Norden hat, macht sich auf eine gefährliche Reise nach Paris, um ihre unbekannten familiären Wurzeln zu erkunden. «In den Vereinigten Staaten von Afrika» ist eine aberwitzige Satire voller feinsinniger Anspielungen, die dem westlichen Leser auf frappierende Art und Weise vor Augen führt, dass seine privilegierten Lebensumstände nicht auf einem wie auch immer gearteten Verdienst beruhen. «In den Vereinigten Staaten von Afrika» aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Katja Meintel, erschienen in der Edition Nautilus, 159 Seiten, € 16 |