Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Die Zimtläden»von Bruno Schulz
Der herausragende galizisch-jüdische Sprachkünstler und Maler Bruno Schulz (1892-1942) hat sein phantastisch- erzählerisches Meisterwerk «Die Zimtläden» zu einer Zeit geschaffen, die nicht dazu angetan war, den strahlenden Ruhm seines Schöpfers über die Grenzen seiner polnischen Muttersprache hinaus zu verbreiten, geschweige denn, um ihm durch Übersetzungen in andere europäische Sprachen, eine weitere dringend benötigte Einnahmequelle zu verschaffen. Obwohl es zahllose begeisterte prominente Fürsprecher wie den deutschsprachigen galizischen Großschriftsteller Joseph Roth gab, dauerte es nach seiner Erschießung auf offener Straße durch einen Gestapo-Schergen, nicht weniger als siebzehn Jahre bis 1959 ein erster seiner faszinierenden Texte in französischer Sprache erscheinen konnte. Eine erste gefeierte, aber nicht ganz unproblematische, weil sehr freie deutsche Übersetzung erschien zwei Jahre später im Hanser-Verlag, der nun das verlegerische Wagnis einer Neuübersetzung durch die vielfach ausgezeichnete Übersetzerin Doreen Daume auf sich genommen hat. Es ist freilich schwer für einen der polnischen Sprache nicht mächtigen Leser, die besondere Werktreue und sprachliche Virtuosität der Neuübersetzung angemessen zu würdigen. Ohne jeden Zweifel ist Doreen Daumes Übersetzung auf wunderbare Weise dazu geeignet, sich der Faszination des «mythischen Wetterleuchtens » der «Zimtläden», wie Schulz sein Werk in einem deutschsprachigen Exposee selbst charakterisierte, anzunähern. In jeder Hinsicht in der Literaturgeschichte singulär, lassen sich die in allen nur erdenklichen Schattierungen des Farbspektrums kunterbunt oszillierenden, Inhalt und Form in wild mäandernden Satzkonstruktionen auf geniale Art und Weise in Übereinstimmung bringenden Erzählungen, mit denen der Autor nicht weniger als einen umfassenden literarischen Mythos seines kleinstädtischen jüdischen Kindheitsmilieus geschaffen hat, außer der zielgerichteten Nähe zum Werk Franz Kafkas am ehesten mit Begriffen aus anderen Kunstgattungen charakterisieren: der tief im ostjüdischen Alltag verwurzelten Phantastik der Malerei Marc Chagalls, der Lautmalerei der Musik Ravels und Debussys oder des frühen Strawinskys sowie - scheinbar widersprüchlich - der Expressivität der Werke Alban Bergs und Alban Schönbergs. Aber selbst diese Vergleiche schaffen nur einen unzureichenden Eindruck der atmosphärischen Schönheit und inhaltlichen Tiefe der engstens miteinander verbundenen Erzählungen der «Zimtläden». «Die Zimtläden», aus dem Polnischen und mit einem Nachwort von Doreen Daume, erschienen bei Hanser, 230 Seiten, € 21,50 Florian Hunger |