Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Wenn ich einen Wunsch frei hätte...»von Deborah Ellis
«Kindermund tut Wahrheit kund» besagt ein gern zitiertes altes Sprichwort, dessen simple Aussage fast schon zu trivial erscheint, um tatsächlich wahr sein zu können. Dabei trifft gerade dieses Sprichwort oft umso besser den Kern eines Missverhältnisses im allgemeinen Sprachgebrauch, desto weiter ein bestimmter gesellschaftlicher Konsens davon abweicht, was man für «die Wahrheit» halten könnte. Dass aber Kindermund ebenso häufig lediglich die Lügen ihrer erwachsenen Eltern kundtut, beweist ein sehr engagiertes Jugendbuch über Kinder im Nahostkonflikt der kanadischen Friedensaktivistin und vielfach ausgezeichneten Schriftstellerin Deborah Ellis sehr eindrücklich. «Wenn ich einen Wunsch frei hätte...» ist das Ergebnis einer mehrwöchigen Reise der Autorin nach Israel und in die besetzten Gebiete, während der sie Gelegenheit hatte, Kinder von beiderseits des Stacheldrahtzauns im Alter zwischen acht und achtzehn Jahren zu ihren Lebensumständen, Träumen und Erwartungen an die Zukunft zu befragen. Das Schöne an diesen zum Teil in der Tat sehr geradlinigen, mitunter auch beängstigenden, von den Meinungen der Erwachsenen manchmal erstaunlich unabhängigen, aber immer ungeschönt wiedergegebenen kindlichen Lebensäußerungen ist die vom Leser zwischen den Zeilen unmittelbar nachzuvollziehende Entwicklung zum eigenständigen Denken, zur Fähigkeit zu lernen und sich eine eigene, individuelle Meinung zu bilden. Dabei spielt natürlich der Aspekt der Begegnung die wichtigste Rolle, das physische Kennenlernen der jeweils anderen Seite, denn es ist besonders erschreckend nachzuvollziehen, wie viele Kinder übereinstimmend erklären, noch nie einem Altersgenossen der Gegenseite persönlich begegnet zu sein. «Denken macht sanft» besagt ein anderes, weniger bekanntes Sprichwort - und tatsächlich ist dies die einzige Hoffnung, die Deborah Ellis in ihrem Buch, vielleicht etwas zu optimistisch, aber mit der störrischen Beharrlichkeit des überzeugten Friedenskämpfers, anbietet: dass künftige Generationen aus der Geschichte ihrer Völker andere, weniger radikale Schlüsse ziehen werden und furchtlos aufeinander zugehen. «Wenn ich einen Wunsch frei hätte...», aus dem Englischen von Birgit Schmitz, mit Illustrationen von Daniela Kulot und einem umfangreichen Anhang von Helga Dieter erschienen bei Campus, 191 Seiten, € 16,90 |