Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Hin zu einem Gesetz des FriedensAbraham Geiger Preis 2008: Prinz Hassan bin Talal plädiert für ein Miteinander
Staatsminister Markus Söder konnte am 4. März in Berlin eine ungewöhnliche Besucherschar empfangen. Über 400 prominente Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft, darunter zahlreiche Mitglieder des deutschen Hochadels und des diplomatischen Corps, Vertreter der Kirchen und der jüdischen Gemeinschaft waren anlässlich der Auszeichnung von Prinz Hassan bin talal von Jordanien mit dem Abraham Geiger Preis 2008 in die Bayerische Vertretung gekommen. Das Abraham Geiger Kolleg, das erste Rabbinerseminar in Feutschland nach der Schoa, ehrt mit diesem mit € 10.000,- dotierten Preis alle zwei Jahre Persönlichkeiten, die sich um den Pluralismus verdient gemacht haben - ein Stichwort, das der Preisträger in seiner Dankesrede sogleich aufgriff: «Um es mit den Worten von Imam Shatibi zu sagen: ;Nu'adhem al-juwaame' wa nahtarem al-furooq'- wir betonen die Gemeinsamkeiten und respektieren gleichzeitig die Unterschiede. Ich rede hier keinesfalls Gegenüberstellungen oder einer Synthese das Wort. Ich bevorzuge es, durch Analogieschlüsse zu lernen, was Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit erfordert, nicht nur hin-, sondern auch zuzuhören. Wir alle haben - Gott weiß - genug Monologe über den Dialog ertragen.» Zuvor hatte der Bundesminister des Inneren, Wolfgang Schäuble, Prinz Hassan bin Talal ausführlich gewürdigt. «Ihr Wort hat Gewicht», sagte er an ihn gewandt. «Kaum einer kennt sich mit dem Zusammenleben von Muslimen, Christen und Juden in Theorie und Praxis so gut aus wie Sie». Und weiter: «Persönlichkeiten wie Abraham Geiger und Prinz El Hassan bin Talal machen uns vor, wie ein fruchtbarer Dialog zwischen Islam, Judentum und Christentum aussehen kann. Nur wenn uns dieser Austausch gelingt, werden unsere Gesellschaften offen sein für Zuwanderer anderer Religionen, Kulturen und Ethnien in ihrer Mitte.» «Unsere Verantwortung ist es heute, dass dieser Artikel und die gesamte internationale Menschenrechtsgesetzgebung allgemein und vorurteilslos angewendet werden», entgegnete Prinz. «In diesem Geist nehme ich diese Auszeichnung heute entgegen. Als Muslime, Juden und Christen unterliegen wir alle dem gemeinsamen Erbe des spirituellen Dienstes unter ein und demselben Gott. Leider teilen wir auch die Sünde der Abweichung von den wahren Grundlagen des Glaubens. Ironischerweise untergraben viele Personen in dem Bemühen, die Traditionen und Sitten unserer gemeinsamen Zivilisation zu bewahren, die Grundfesten, auf denen sie aufgebaut wurde. Die Kinder Abrahams sind von ihrem Weg abgekommen.»
Prinz Hassan beließ es in seiner auf Deutsch gehaltenen Dankesrede für den Preis, der ihm vom Vorsitzenden des Kuratoriums des Abraham Geiger Kollegs, Josef Joffe, und vom Stifter des Preisgeldes, Karl-Hermann Blickle, übergeben worden war, nicht bei schönen Worten: «In den ersten Jahren dieses neuen Jahrtausends hat die Menschheit eine Welt geschaffen, in der von egoistischen Politikern und aufgebrachten Massen die Unterschiede zelebriert werden. In diesem Zeitalter des inhaltslosen Geredes und der Schönfärberei sind wir weniger geneigt zu glauben, dass es in der Geschichte unserer Völker noch mehr Gemeinsamkeiten gibt als Kampf und Trennung. Unsere gemeinsamen Traditionen können uns jedoch noch so viel mehr lehren. [...] In der Tat hat mich mein tief empfundenes Bewusstsein für unser gemeinsames Erbe veranlasst, zu einer Anerkennung der moralischen und philosophischen Autorität der heiligen Stätten und Städte aufzurufen. Die religiöse Autorität muss über die weltliche erhoben werden. Die zivilisatorischen Bindungen, die in uns allen gegenüber diesen einzigartigen Bauwerken bestehen, müssen zu der Forderung führen, dass diese nicht zu Faustpfändern in politischen und ideologischen Kämpfen werden dürfen». «Jede Religion zelebriert das Konzept der‚Wahrheit' im Glauben. Doch für jeden aufgebrachten Gläubigen, der sich nicht die Zeit genommen hat, um seiner Seele Nahrung zu geben und sein spirituelles Erbe zu untersuchen, verliert die Wahrheit ihre Bedeutung, und die Gewalt wird sanktioniert. Gewalt und Glauben sind für Juden und Muslime unvereinbare Gegensätze, und durch eine Entstellung des Glaubens gerechtfertigte Gewalt ist vielleicht die größte Bedrohung für den Frieden in unserer Region und unserer Welt.» «In einem neuen, bereits durch tragische Konflikte gezeichneten Jahrhundert müssen wir uns den Glauben an unsere Fähigkeit bewahren, die unzähligen Schwierigkeiten, mit denen wir konfrontiert sind, zu bewältigen. Uns steht ein Erbe der Hingabe und Entdeckung zur Verfügung, das uns durch diese dunkleren Tage geleitet. [...] Wir leben in einer Welt, die immer mehr durch das Gesetz des Krieges geprägt wird, das einer zum Schweigen gebrachten Mehrheit kaum Zugeständnisse einräumt. Mit der Hilfe unserer kollektiven Weisheit - der Anthropologie des Wissens - können wir jedoch, wie ich hoffe, alle unseren Beitrag leisten, um, mit den Worten von Hersch Lauterpacht, ein Gesetz des Friedens zu schaffen, das die Beziehungen zwischen Staaten und Menschen regelt, um eine positive Position im Kontext unseres Glaubens nicht nur in Bezug auf den einzelnen Menschen, sondern auch auf unsere kollektive Verantwortung zu bestimmen, und um im Rahmen der Globalisierung Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu gewährleisten, die zu gegenseitiger Zusammenarbeit, Weltoffenheit und letztlich zu Konvivialität führen.» Zu Beginn der Festveranstaltung hatten neben dem Hausherrn, dem bayerischen Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Bevollmächtigten des Freistaats Bayern beim Bund, Markus Söder, auch der Kultusdezernent des Zentralrats der Juden in Deutschland, Nathan Kalmanowicz, und der Sprecher des Koordinierungsrates der Muslime in Deutschland, Bekir Alboga, die Gäste begrüßt. Zwei Tage nach der Verleihung des Abraham Geiger Preises besuchte Prinz Hassan bin Talal auf Einladung des Koordinierungsrates, der sich aus Vertretern von DITIB, Islamrat, dem Verband der Islamischen Kulturzentren und dem Zentralrat der Muslime in Deutschland zusammensetzt, die Berliner Sehitlik-Moschee, wo er vom DITIB-Präsidenten Sadi Arslan empfangen wurde. Bei der Unterredung im Anschluß an das Mittagsgebet traf Prinz Hassan auch mit Rabbinerin Dalia S. Marx (Jerusalem), die derzeit an der Universität Potsdam unterrichtet, sowie mit Rabbiner Jonah Sievers (Braunschweig) als Vertreter der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschlands zusammen.«Wir freuen uns sehr über die Begegnung mit den Prinzen», so Bekir Alboga. «Er ist ein großer Fürsprecher des Dialogs der Kulturen, insbesondere zwischen Judentum und Islam.» |