Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Der bedeutende Augenblick.Eine Retrospektive des epochalen Kriegsberichterstatters Jewgeni Chaldej in Berlin
Ab dem 9. Mai 2008 wird im Martin-Gropius- Bau Berlin die erste große Retrospektive des russischen Fotografen Jewgeni Chaldej gezeigt. Chaldej, oftmals als der «Robert Capa Russlands » bezeichnet, hat als Fotograf umfassend über den Zweiten Weltkrieg, den Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion, berichtet. Einige seiner Bilder sind weltberühmt und zu Ikonen der Fotografiegeschichte geworden. Bekannt geworden ist Jewgeni Chaldej jedoch nicht nur durch seine spektakulären Dokumentarfotografien des 2. Weltkrieges, wie jene inszenierte und zur Ikone gewordene Aufnahme eines Soldaten der Roten Armee, der die sowjetische Flagge auf dem Reichstagsgebäude hisst. Auch Chaldejs Fotografien, die während der Konferenz von Potsdam und im Kontext der Nürnberger Prozesse entstanden sind, prägen bis heute das Bild dieser Ereignisse maßgeblich. Die Retrospektive zeigt neben diesen historischen Aufnahmen bisher noch nicht veröffentliche Fotos aus dem Gesamtwerk Chaldejs sowie frühe Arbeiten aus den 30er Jahren bis hin zu seinem Spätwerk Ende der 80er Jahre. 1917 im Donezk-Gebiet in der Ukraine geboren, bekam Jewgeni Chaldej mit 13 Jahren seine erste Kamera. 1936 wurde er Fotoreporter bei der sowjetischen Nachrichtenagentur «TASS». Er begleitet den Zweiten Weltkrieg mit der Kamera seit dem 22. Juni 1941, dem Tag des Überfalls der deutschen Armee auf die Sowjetunion, und wurde Zeuge vieler Schlachten, vom Norden bei Murmansk bis ans Schwarze Meer. Jewgeni Chaldej erlebte als Soldat und Fotograf den Rückzug der deutschen Truppen und dokumentiert den Vormarsch der russischen Soldaten auf Belgrad, Budapest, Wien und schließlich Berlin. Mit Unterbrechungen arbeitete er bis in die siebziger Jahre für die «Prawda ». Er starb am 6. Oktober 1997. Ziel der Retrospektive ist es, das Gesamtwerk in repräsentativer Auswahl erstmals zugänglich zu machen. Ausgestellt werden mehr als zweihundert Originalaufnahmen. Jewgeni Chaldej bereiste als Fotoreporter der «TASS» auch die ganze Sowjetunion. Er fotografierte den Bau von Staudämmen in Sibirien, die Ölfelder von Baku und die Weizenernte in der Ukraine, wie auch die politischen Herrscher jener Zeit. Die Gesamtschau wird zeigen, wie das Werk Jewgeni Chaldejs auch das Spannungsverhältnis von Propaganda und Dokumentation widerspiegelt. In Essays des begleitenden Katalogs wird dieses Verhältnis kritisch untersucht. Zwischen freier Fotografie und Auftragsfotografie oszilliert das Werk Jewgeni Chaldejs. Die Fotografien Jewgeni Chaldejs sind biografisch, historisch und ästhetisch mit der deutschen Geschichte eng verbunden. Die Ausstellung hat das Ziel, einem breiten Publikum in Deutschland und der Ukraine diese Verbindung bekanntzumachen. Jewgeni Chaldej war Jude und immer wieder Opfer von Antisemitismus; sein Vater und drei Schwestern wurden 1941 von deutschen Soldaten ermordet. Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass Jewgeni Chaldejs Werk nicht unter Begriffen wie Propaganda oder Heroische Moderne zu subsumieren ist. Denn sein fotografischer Blick blieb stets auch auf das Leben einfacher Leute gerichtet. Alle Fotos von Jewgeni Chaldej stammen aus der Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer. Gezeigt werden in Ergänzung dazu Aufnahmen aus dem Bestand der Fotoagentur Soyuz, Moskau.
Die Ausstellung wird am 8. Mai um 19 Uhr durch Staatsminister Gernot Erler eröffnet und ist vom 9. Mai bis zum 28. Juli täglich außer dienstags von 10 bis 20 Uhr zu sehen im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen. www.chaldej.de
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