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Er wollte kein Denkmal seinJerusalems legendärer Bürgermeister Teddy Kollek ist tot
JERUSALEM - Am 2. Januar, im Alter von 95 Jahren, ist Teddy Kollek gestorben. 28 Jahre lang, von 1965 bis 1993, hatte er das Amt des Bürgermeisters von Jerusalem bekleidet - und kaum ein Politiker in Israel erwarb sich einen solch legendären Ruf wie er. Geboren wurde Theodor «Teddy» Kollek am 27. Mai 1911 in Nagyvázsony am damals noch österreichisch-ungarischen Plattensee. Seine Eltern, überzeugte Zionisten, gaben ihm seinen Namen zu Ehren Theodor Herzls. Kindheit und Jugend verbrachte Kollek in Wien, 1934 wanderte er nach Palästina aus und gehörte zu den Begründern des Kibbuzes Ein Gev. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg diente er dem zukünftigen Staat, erledigte verschiedene Aufgaben im Ausland und organisierte auch Waffenlieferungen für die «Hagana». Während des Kriegs dann war Kollek in der Mission von «Sohnut» in Europa unterwegs, um möglichst viele Juden vor der Vernichtung zu retten. In einem persönlichen Gespräch überzeugte er Adolf Eichmann, 3.000 jüdische Jugendliche aus Konzentrationslagern zu entlassen. Nach der Gründung des Staates Israel arbeitete er schon bald unter David Ben Gurion in der Regierung. 1965 wurde Kollek als Kandidat von Ben Gurions Partei «Rafi» zum Bürgermeister von Jerusalem gewählt. Und stets versuchte er, ein Bürgermeister für Juden und Araber, für religiöse und weltliche Einwohner der Stadt gleichermaßen zu sein, auch nachdem er 1967 zum Stadtoberhaupt des vereinigten Jerusalems wurde. Seitdem haben sich Einwohnerzahl und Fläche der Stadt verdoppelt. Eine konsequente Neustrukturierung der Kommunalverwaltung führte zu einer umfassenden Entwicklung der Stadt. Wichtige Gründungen wie das Israel-Museum und das Jerusalemer Theater fielen in seine Amtszeit. Dank Teddy Kollek sieht Jerusalem heutzutage so aus, wie es aussieht. Gescheiterte Wiederwahl 1993 war Kollek 83 Jahre alt. Auf den Druck seiner Umgebung hin kandidierte er erneut für das Amt des Bürgermeisters. Diesmal gewann jedoch Ehud Olmert die Wahl. Kollek hatte mit den Stimmen der Araber und der Orthodoxen gerechnet, doch die Araber gingen nicht zur Wahl, und die Religiösen ergriffen mehrheitlich für Olmert Partei. Kollek wollte den Arabern viel Verantwortung übertragen, aber Olmert inszenierte sich erfolgreich als Kämpfer für ein einheitliches und unteilbares Jerusalem. Kollek hat seine politischen Ansichten nie verborgen. 2001 sagte er in einem Interview: « Der Konflikt zwischen uns und den Palästinensern wird noch fünf Generationen dauern. Es liegen bereits 53 Jahren seit der Gründung Jerusalems hinter uns, aber wir befinden uns immer noch im Kampf für Unabhängigkeit und Bildung der Stadt». In einem anderen Interview erklärte Kollek der Zeitung «Kol Ha'ir», dass es eine Lösung wäre, sich von den arabischen Vierteln loszusagen. Bereits 1991 hatte er seine Position verdeutlicht: «Gleich nach dem Sechstagekrieg sagte Ben Gurion, dass es praktisch keine Chance auf Frieden mit den Arabern gibt. Sie sind ein mutiges und stolzes Volk und werden keinen Frieden schließen. Wir müssen alles zurückgeben - außer Jerusalem. Jerusalem ist das Herz des jüdischen Volkes. Das war seine Position. Und während der Zeit habe ich gelernt, seine Vision der politischen Perspektive zu schätzen. Ich akzeptiere seine Position». Teddy Kollek war es auch, der Naomi Shemer bat, ein Lied für das Musikfestival 1967 zu schreiben. «Goldenes Jerusalem» wurde die Hymne der Stadt. Kollek wollte 1998 zusammen mit seiner Frau, nach 58 Jahren glücklicher Ehe, in ein Altersheim ziehen. Er sagte der Zeitung «Jerusalem»: «Das ganze Gerede über das „goldene Alter" ist Quatsch. Es liegt kein Gold darin. Es ist nicht schön, alt zu sein. Das ist schlimm. Man kann nicht mehr alles tun. Kennen sie die Anekdote über zwei Juden, die spazieren gehen, und einer fragt den anderen: - „Kannst du dich noch daran erinnern, wie wir hinter den Mädels hergelaufen sind?" - „Ja, ich erinnere mich, aber warum haben wir das getan?" Das schlimmste ist, allein alt zu werden. Hier haben wir noch Glück.» Kollek war nicht glücklich darüber, dass das Fußballstadion in Jerusalem seinen Namen trägt: «Ich hasse es, dass es „Teddy" heißt. Ich hatte keine Chance, das zu ändern, da es die Entscheidung jener Frau war, die den ganzen Bau finanziert hat. Wenn ich höre „wir gehen zum Teddy" oder „die spielen im Teddy", fühle ich mich sehr unwohl. Auch der Botanische Garten sollte meinen Namen tragen, ich habe heftig protestiert und die Eröffnungszeremonie wäre beinahe ausgefallen.» «Ich möchte kein Denkmal sein», meinte Kollek zu dem Kult um seine Person. Einen großen Unterschied machte Kollek zwischen sich und seinem Nachfolger Ehud Olmert aus: «Die ganze Zeit habe ich dem Volk gedient, und er heißt nur Stadtmeister und Führer». Der unbekannte Kollek Alle wissen, dass Teddy Kollek in all seinen 28 Jahren Amtszeit als Bürgermeister Jerusalems eifriger Beschützer und Erbauer dieser Stadt war. Weniger bekannt ist, dass Kollek sich seit 1940 über mehr als 50 Jahre hinweg auch mit anderen, nicht weniger wichtigen Dingen beschäftigte, die für den Staat Israel von nicht minder schicksalhafter Bedeutung waren - er pflegte geheimdienstlich-strategische Beziehungen zwischen Washington und Jerusalem. Während alle Ministerpräsidenten Israels es für eine große Ehre hielten, vom amerikanischen Präsidenten im Weißen Haus empfangen zu werden, zog Teddy Kollek es vor, ins Stabquartier des CIA in Langley zu fahren. Dort besprach er mit seinen amerikanischen Kollegen die Tagesordnung dieser Visiten. Es war Teddy Kollek, der diese Form der Beziehungen zwischen Israel und den USA, die auch noch heute existieren, festlegte und bestimmte. Es begann alles mit dem Zweiten Weltkrieg, als die Amerikaner in Italien landeten. Teddy kam mit der jüdischen Expeditionsbrigade als Beauftragter der «Sohnut»nach Italien. 1944 lernte er einen jungen Offizier des Geheimdienstes, James Engelton, der damals den amerikanischen Geheimdienst in Italien leitete, kennen. Die beiden freundeten sich an. Teddy bot ihm einen guten Deal an: Die sich in Italien aufhaltenden Mitarbeiter der «Sohnut» würden zusammen mit der amerikanischen Armee nach Europa vorrücken, die dort überlebenden Juden retten und sie anschließend nach Erez Israel bringen. Die Amerikaner würden ein Auge zudrücken, und die jüdische Brigade würde sich dafür selbst um die finanziellen und technischen Details kümmern. Damals war die jüdische Brigade Bestandteil der britischen Armee. So waren Fahrer der englischen Militärtransporter Juden, die aus Israel kamen. Sie sollten von Amerikanern Benzin, Ersatzteile und unbegrenztes Fortbewegungsrecht bekommen, um die Möglichkeit zu haben, die überlebenden Juden aufzusammeln und sie in die italienischen Häfen zu bringen, von wo die Schiffe nach Israel abfuhren. Als Gegenleistung für die Hilfe machte Teddy Kollek Engelton ein Angebot, das dieser nicht ablehnen konnte: Der Geheimdienst der «Sohnut», deren Chef Teddy Kollek war, versprach den Amerikanern alle greifbaren Informationen über das sowjetische Geheimdienst-Netz in Europa und im Nahen Osten; außerdem versprach er, eigene Leute in diese Netze einzuschleusen und die auf diesem Weg ermittelten Informationen an die Amerikaner weiter zu leiten. 1946 kehrte James Engelton nach Amerika zurück, und Teddy Kollek nach Jerusalem, aber ihre Freundschaft haben sie beibehalten. Engelton arbeitete weiter in der Zentrale des Geheimdienstes, der sich bald in eine mächtige Organisation mit dem Namen CIA verwandelte. Teddy Kollek kehrte nach Jerusalem zurück. Dort bekam er zusammen mit Reuven Shiloah und Ehud Abriel von David Ben-Gurion die Erlaubnis, die bereits vorhandenen Beziehungen zum amerikanischen Geheimdienst weiter zu pflegen und zu sichern. Diese Geheimdienstbeziehungen waren immer eines der größten Geheimnisse in den strategischen Beziehungen zwischen Israel und den USA. Teddy Kollek persönlich führte James Engelton und andere amerikanische Agenten ins Labyrinth des russischen Geheimdienstes, einem der gefährlichsten, die 1950 bis 1960 in Europa, im Nahen Osten und in den USA agierten. Es genügt zu erwähnen, dass es Teddy Kollek war, der den Amerikanern das wahre Gesicht des Doppelagenten Kim Philby zeigte und ihn als Spion in den Diensten Moskaus entlarvte. Kollek enthüllte den Amerikanern auch das Zentrum der Sowjetspionage in Europa und im Nahen Osten und wies auf das Spionage-Netz hin, dem Guy Burgess, Donald McLean und George Blake angehörten. Teddy Kollek deckte auch den sowjetischen Spion Israel Ber auf, der in der nahen Umgebung von David Ben Gurion eingeführt wurde. Die brillante Idee, ein jüdisches Geheimdienst-Netz in den Ländern des Warschauer Paktes zu schaffen, war ebenfalls von Kollek. Kostbare Informationen, die von Juden des kommunistischen Blocks kamen, gelangen nun nach Jerusalem und Washington. Eben deswegen war James Engelton bei der CIA nicht nur für Spionageabwehr, sondern auch für Kontakte mit dem israelischen Geheimdienst zuständig. Diese Verbindung wurde von Engelton durch Teddy Kollek unterhalten. Über seine zweite Arbeit hat Kollek nie erzählt und sie auch nie in seinen Büchern erwähnt. Er ließ die Erinnerungen nur selten im Kreis ihm besonders vertrauter Leute zu. |