Lauder in Berlin

Zwei Investitionsprojekte im Blick

 

Der US-amerikanische Unternehmer Ronald S. Lauder hat seine Investitionsabsicht am Flughafen Berlin-Tempelhof bekräftigt. Die Investorengruppe habe ihr Projekt nie aufgegeben, sondern die Aktivitäten nur ruhen lassen, da «der Senat die Unternehmer nicht willkommen» geheißen habe, sagte Lauder Mitte März in Berlin. Er glaube nach wie vor daran, dass Projekt realisieren zu können: «Langsam aber sicher wird es so kommen», betonte er.

1987 hatte Lauder die Ronald S. Lauder Foundation gegründet, über die er seitdem jüdische Bildungseinrichtungen in 16 Ländern finanziert. Darunter befindet sich auch das Jüdische Lehrhaus in der Berliner Brunnenstrasse, die erste Jeschiva in Mitteleuropa seit dem Holocaust. Der Unternehmer ist unter anderem Träger des Berliner «Raoul-Wallenberg-Preises» für Verdienste um die Wiederbelebung jüdischen Lebens. Nun zeigte sich Lauder «tief enttäuscht» von der Einstellung des Regierenden Bürgermeisters gerade dieser Stadt, Klaus Wowereit: «Ich habe noch nie einen Politiker erlebt, der sich vom Business abwendet», erklärte er. Der Wirtschaftsstandort Berlin brauche diesen Flughafen dringend für Wachstum und Arbeitsplätze. Wenn Tempelhof jedoch geschlossen würde, sei dies eine mögliche Ursache dafür, dass es für Berlin kein Wirtschaftswachstum gebe und die Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau bleibe.

Ronald ist der Sohn der legendären Kosmetikkonzern- Gründerin Estée Lauder und hat jahrelang im mütterlichen Weltkonzern selbst die Geschäfte geführt. Als Investor gemeinsam mit Fred H. Langhammer hat er vor mehr als zwei Jahren ein Konzept zur Nutzung des Innenstadtflughafens vorgestellt: In Tempelhof sollte ein Gesundheitszentrum mit medizinisch orientiertem Hotel und Kongresssälen entstehen. Der Flugbetrieb sollte für Geschäfts- und Ambulanzflieger fortgesetzt werden. Investitionen in Höhe von 350 Millionen Euro waren vorgesehen, 5.000 feste Arbeitsplätze könnten entstehen. Der Senat lehnt bis heute das Projekt kategorisch mit der Begründung ab, dass selbst ein eingeschränkter Flugbetrieb in Tempelhof den Bau des Großflughafens BBI in Schönefeld gefährden würde.

Lauder traf auch mit der neu gewählten Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süsskind, zusammen. Wie Süsskind vor der Repräsentantenversammlung der Gemeinde Mitte März berichtete, habe sie ihm dabei unter anderem auch die Probleme um das ehemalige AHAWA-Gebäude in der Auguststrasse vortragen können, bei dem noch nicht alle Restitutionsfragen zwischen der Gemeinde und der Jewish Claims Conference geklärt seien. Lauder, der einem weltweiten Führungsgremium der Conference angehöre, habe zugesichert, seinen Einfluss dahingehend geltend zu machen, diese Fragen zu klären.

Ob sich Lauder auch bei der zwingend notwendigen Rekonstruktion des inzwischen fast ruinösen Gebäudes engagiere, würde bei einem nächsten Zusammentreffen angesprochen werden können, zu denen sich beide bei künftigen Berlin-Besuchen Lauders verständigt hätten. Eine solche Finanzspritze käme der Hauptstadtgemeinde nicht ungelegen: Dach- und Deckenbalkensanierung, Fensterverschluss und Vandalismusschutz, Feucht- und Schwammsanierung müssten unverzüglich begonnen werden, so eine Anweisung des Senats aus dem letzten Jahr, nachdem die Gemeinde ihre denkmalpflegerische Verantwortung für den Gebäudekomplex über Jahre negiert hatte. Die erforderlichen Mittel mussten im Haushalt zusätzlich freigemacht werden.

Lutz Lorenz

«Jüdische Zeitung», April 2008