Das American Jewish Committee übergab zwei Torarollen

 

Eugene Dubow und Andrew Baker (l.) 1998.

Vor zehn Jahren, am 9. Februar 1998, eröffneten Eugene Dubow (im Foto links) und der damalige Europa-Direktor Rabbiner Andrew Baker in Berlin das erste europäische Büro des American Jewish Committees (AJC). Anlässlich der Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen dieses Berliner Büros übergab das AJC nun am 12. März im Rahmen eines Gala-Dinners im Jüdischen Museum historische Torarollen an die Jüdische Gemeinde Schwerin und an die Liberale Jüdische Gemeinde Hamburg. Die Schenkung erfolgte «in Anerkennung des Wachstums der jüdischen Gemeinschaft und als eine symbolische Unterstützung für die jüdischen Gemeinden », so das AJC.

Die Gebetsrollen wurden ursprünglich von den traditionsreichen jüdischen Gemeinden in Rumänien vor mehr als 100 Jahren verwendet. Durch den Holocaust und die spätere Auswanderung vieler Juden nach Israel hat sich die Zahl der Gläubigen und Gemeinden in Rumänien dramatisch verringert. Nachdem im vergangenen Jahr mehrere rumänische Torarollen für das Gemeindeleben nicht mehr benötigt wurden, wurden sie zunächst zur Menorah-Stiftung nach Jerusalem geschickt. Dort wurden sie aufwändig restauriert. Die ersten Rollen begleiteten nun im März den Oberrabbiner von Rumänien, Rabbiner Menachem Hacohen, und das AJC Board of Governors auf ihrem Flug von Israel nach Berlin, wo sie ihrer neuen Bestimmung übergeben wurden. Die Schenkung dürfte eine der ersten Initiativen des American Jewish Commitees sein, die unmittelbar liberal ausgerichteten jüdischen Gemeinden in Deutschland zugute kommt.

Das American Jewish Committee - nicht zu verwechseln mit dem American Jewish Congress oder dem American Jewish Council - war 1906 von mehrheitlich deutschstämmigen Juden und unter maßgeblicher Beteiligung des Reformrabbiners Judah Leon Magnes gegründet worden. Seit 1949 unterhält es enge Beziehungen zu Deutschland. Die Eröffnung des Berliner Büros 1998 steht in dieser Kontinuität. Es ist nach seinen Stiftern, Lawrence und Lee Ramer, benannt und wurde zunächst von Eugene Dubow geleitet. Seit 2000 ist die Journalistin Deidre Berger die Direktorin des Büros. Die Schwerpunkte der Lobbyarbeit liegen nach eigenen Angaben in der Stärkung der transatlantischen Beziehungen, der Pflege der deutsch-israelischen Beziehungen, der Beobachtung und Bekämpfung von Antisemitismus und Extremismus, sowie der demokratischen Bildung und Förderung des Integrationsprozesses. Der breiten Öffentlichkeit wurde das AJC im Dezember 1999 bekannt, als Deidre Berger in Zusammenhang mit der Zwangsarbeiterentschädigungsfrage eine erste Liste zahlungsunwilliger Firmen veröffentlichte und somit den Weg für die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft bereitete. Vor der Berliner OSZE-Antisemitismus- Konferenz 2004 rief das Berliner AJC-Büro ein NGO-Forum ins Leben, das, wie Deidre Berger gegenüber der Presse sagte, «die Konferenz beeinflussen sollte». Mitte März hat das AJC nun ein Programm für demokratische Bildung, «Hands Across the Campus» vorgestellt, das vom AJC in den USA und für amerikanische Schüler entwickelt wurde. Mit Unterstützung der Bundesregierung und des Berliner Senats konnte das Programm als Kooperationsprojekt mit dem Landesinstitut für Schule und Medien LISUM Berlin-Brandenburg vor fünf Jahren in diesen beiden Bundesländern adaptiert werden.

JZ

«Jüdische Zeitung», April 2008