Eine grenzenlose 10-Tage-Feier

Norderstedt feiert Israels 60. Geburtstag

 

 

Am 14. Mai 1948 rief David Ben-Gurion in Tel Aviv den Staat Israel aus. Zuvor hatten die Vereinten Nationen der Gründung zweier Staaten zugestimmt, eines israelischen und eines palästinensischen. Israel nutzte die Chance. Die arabischen Nachbarn griffen den jungen Staat noch in der gleichen Nacht an. Heute herrscht Frieden zwischen Jordanien und Israel, Ägypten und Israel, und zumindest aus diesem Bewusstsein heraus kann der kleine Staat im Nahen Osten, der nicht zuletzt aufgrund des Holocausts entstanden ist, in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiern. Auch in Deutschland wird der 60. Geburtstag Israels begangen - auch in Norderstedt.

Der Norderstedter Kulturträger «Chaverim - Freundschaft mit Israel» hat vom 4. bis zum 14. Mai ein umfangreiches Programm zusammengestellt. Höhepunkt ist das Abschlusskonzert mit dem bekannten israelischen Klavier-Duo Gil Garburg und Sivan Silver, das bereits vor zwei Jahren Triumphe in Norderstedt feierte.

«Chaverim» feiert jedoch nicht nur den 60. Geburtstag Israels. Sondern auch den zehnten Geburtstag des Vereins. «Chaverim» wurde am gleichen Datum wie Israel gegründet - 50 Jahre später am 14. Mai 1998. Seitdem hat der Verein eine Fülle von Veranstaltungen in Norderstedt initiiert und durchgeführt, beispielsweise das international beachtete Länderprojekt «Israel kulturell - Leben zwischen Gestern und Morgen » im Jahr 2002 mit der Stadt Norderstedt. Der Kulturträger «Chaverim» widmet sich nicht nur der Freundschaft mit Israel. Der Verein will auch die Erinnerung an sechs Millionen vom Hitler-Regime ermordeter europäischer Juden wachhalten und dafür Sorge tragen, dass sich Deutschlands dunkelstes Kapitel, der Holocaust, nicht wiederholen kann. Daher bittet der Verein regelmäßig zu Gedenkfeiern zur Reichs-Pogromnacht am 9. November und zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar an die KZ-Gedenkstätte Wittmoor am Fuchsmoorweg in Norderstedts Ortsteil Glashütte. Gerade jetzt zum 75. Jahrestag der Errichtung des KZs am 31. März 1933 wurde am 31. März 2008 eine Informationstafel an der KZGedenkstätte aufgestellt.

Ein großes Projekt ist die Anpflanzung eines «Norderstedt-Walds» im Wald deutscher Länder in der Negev-Wüste in Israel. Jede Norderstedterin und jeder Norderstedter kann im Norderstedt-Wald Bäume pflanzen, Bäume für den Norderstedt-Wald verschenken und mit dem Pflanzen an ein Ereignis erinnern. Ein Baum kostet nur zehn Euro, und die Pflanzung wird beurkundet. Diese Bäume eignen sich bestens als Geschenk, beispielsweise zur Geburt, Taufe, Konfirmation, Schulentlassung, zum Geburtstag, zu Jubiläen und vielen Anlässen mehr.

 

Programm

Sonntag, 4. Mai, 11 Uhr, Festsaal am Falkenberg:

Europatag im Haus am Langenharmer Weg 90. «Chaverim» verkauft gespendete Blumen zugunsten des Norderstedt-Walds. Auf der Bühne werden israelische Tänze aufgeführt. Alternativ singt ein Klezmer-Chor. Eintritt frei.

 

Montag, 5. Mai, 19.30 Uhr, Foyer der Tri- Bühne und Gang vor der Rathaus-Galerie: Vernissage zur Ausstellung «Blumen für den Frieden» mit Werken der israelischen Künstlerin Nira Schwartz aus Haifa und zur Ausstellung mit Fotografien «Gesichter Israels» von Heike Linde-Lembke vor der Rathaus-Galerie und im Foyer der TriBühne, Rathausallee 50 (Eingang Rathaus). Eintritt frei. Die Bilder und Fotografien sind bis 6. Juni zu sehen.

 

Dienstag, 6. Mai, 19.30 Uhr, Buchhandlung am Rathaus, Rathausallee 44:

 Der Autor und hebräisch-arabische Übersetzer Markus Lemke liest in der Buchhandlung am Rathaus aus dem neusten Roman des israelischen Autors Ron Leshem «Wenn es ein Paradies gibt», in dem Leshem die Auswirkungen eines Bomben-Attentats auf einen Bus in Tel Aviv auf die betroffenen Menschen als Roman erzählt. Das Buch ist bereits unter gleichem Titel verfilmt worden. Der Film wurde bei der Berlinale ausgezeichnet. Eintritt 5 Euro.

 

Mittwoch, 7. Mai, 19.30 Uhr, Foyer der TriBühne, Rathausallee 50:

Lesung und Theater mit Christa Heise-Batt, Autorin und Norderstedts Erste Kulturpreisträgerin, und dem Norderstedter Amateur-Theater in der Ausstellung im Foyer der TriBühne. Das Amateur-Theater wurde bereits 1947 vom dem jüdischen Holocaust-Überlebenden Alfred Stern gegründet. Christa Heise-Batt liest «Literatur von Christa Heise-Batt bis Etgar Keret» , Heiko Tank und Rolf Gravemeyer vom Norderstedter Amateur-Theater führen den Sketch «Lamento für einen jungen Schauspieler» des israelischen Autors Ephraim Kishon auf. Regie: Benita Brunnert. Eintritt 7 Euro.

 

Donnerstag, 8. Mai, 10 bis 18 Uhr, Rathaus- Passage und Rathaus-Markt:

ILI-Tag (I like Israel): Der Israel-Tag wird weltweit veranstaltet. In Norderstedt präsentieren sich auf Einladung von «Chaverim» in der Passage des Rathauses Norderstedt israelische Organisationen wie der Jüdische Nationalfonds, der israelische Importeur «Weine und mehr Ron Rieß», das Israelische Reisebüro Shlomo Almagor aus Hamburg und der Silberfuchs-Verlag Hamburg-Kayhude mit dem neuen Hörbuch «Israel erleben». «Chaverim » informiert über den «Norderstedt- Wald». Höhepunkt: Um 11 Uhr lassen 200 Norderstedter Grundschulkinder 1.000 Luftballons fliegen als Friedensgruß an israelische Kinder.

 

Mittwoch, 14. Mai, 20 Uhr, Festsaal am Falkenberg

Den festlichen Abschluss der Israel-Woche in Norderstedt gestaltet das israelische Klavier- Duo Gil Garburg und Sivan Silver an zwei Flügeln im Festsaal am Falkenberg. Das Duo trat bereits in vielen großen Häusern der Welt und beim Schleswig-Holstein Musik-Festival auf. Auf dem Programm stehen Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Franz Liszt und Ludwig van Beethoven. Moderiert wird das Konzert von dem Musikwissenschaftler Rüdiger Herrmann, der auch die Konzertreihe Cognito in der TriBühne begleitet. Karten zu 11, 14 und 18 Euro gibt es im Vorverkauf, unter Telefon 040/30987123 und unter www. tribuehne-programm.de im Internet.

Heike Linde-Lembke

«Jüdische Zeitung», April 2008