Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Bob, Dylan & ichI’m (not) there
Es gibt Filme, in die ich nur gehe, um die Reaktion zu sehen, die das Publikum macht. Der vorletzte hieß: «Das Leben der Anderen», gestern war ich in «I'm not there», dem Film über Bob Dylan. Auch ich habe «Blowing in the wind» gespielt, nicht die deutsche Fassung von Marlene Dietrich. Wenn ich in Englisch nicht weiter wusste, habe ich so getan, als ob. Dann besaß ich das Album «Concert for Bangladesh». Er nervte mit seinem näselnden Gesang, mit der schiefen Mundharmonika, ich fand Hendrix' Fassung von «All along the watchtower» besser wegen der Gitarre. Ein Lied sollte schnell zum Refrain kommen. Dylans Englisch hatte zu viele Worte, die Richtung sollte klar sein, die Gitarre härter, dann hat er beim Konzert in Berlin (Ost) nichts gesagt, alle waren enttäuscht, ich war nicht da, wahrscheinlich hätte mich sein damaliger Gitarrist mehr interessiert. Jahre später habe ich ihn das erste Mal live gesehen. Mutter fragte, ob die schwarz gekleideten Musiker um ihn mit Hüten auf dem Kopf alle Rabbiner wären, ich habe getanzt im Saal. Es ist unsinnig, die Botschaft zu interpretieren, geschweige denn, seine Biografie nachzuvollziehen, wir alle zerfallen in mehrere Personen, wir bleiben im Laufe des Lebens nicht dieselben, während nicht über seine Jüdischkeit spekuliert wurde, sah man ihn auf einmal zum Katholizismus konvertieren. Gut für ein nichtjüdisches Mehrheitspublikum, ich langweilte mich die ganze Zeit im Kino, wurde auch wütend, weil ich nicht mehr aus der Reihe rauskam, wartete schweigend, bis endlich der Film zu Ende war. Das Publikum schwieg ebenso. Es wäre vielleicht für Deutschland interessant, einen Film über Rio Reiser zu machen, über Wolf Biermann, der lebt ja (noch) genauso wie Bob Dylan, in Deutschland ist das Volkslied nahezu ausgelöscht, politische Lieder gab es in meiner Jugend meist von Singegruppen, die sangen immer im Chor, manchmal war es nett, wenn die Mädchen in der ersten Reihe große Brüste unter ihren FDJ-Blusen hatten, ansonsten waren Sänger immer so schrecklich bedeutungsvoll, sie nickten ihren Worten nach, hatten null Sex, eben völlig humorlos, Balladen, also musikalische Geschichten waren lang, das Ende immer dramatisch. In den letzten Jahren scheinen sie wie ausgestorben, eine Hochachtung aus dem Volk für die Barden, schwierig wegen der stark veränderten politischen Zeiten. Alles scheint total vergesslich. Also schaut man (wie immer) nach Amerika. Vor ein paar Jahren gab es einen anderen Film, in dem Dylan mitspielte (mit vielen Songs): «Masked and Anonymus». Er ist dort der Sohn eines Diktators, gleichzeitig der Rockstar. Der Film kam in Deutschland gar nicht erst in die Kinos. |