Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Erneuerung der jiddischen LiteraturIn Paris erscheint ein neues Literaturmagazin in Mameloschen
Der ershter numer funem literarishn zhurnal Gilgulim iz shoyn aroys! Am 8. April wurde in Paris im Haus der jiddischen Kultur, der Bibliothèque Medem, eine neue literarische Zeitschrift vorgestellt. Das Magazin «Gilgulim», das den Untertitel «Métamorphoses littéraires» trägt und jährlich erscheinen soll, ist ausschließlich jiddischsprachigen Erzählungen und Gedichten von Autoren aus aller Welt gewidmet. Bei der Präsentation in Paris erläuterten der Redakteur Gilles Rozier und der Sprachwissenschaftler Yitskhok Niborski das Konzept von «Gilgulim», während die jungen jiddischsprachigen Schauspieler Macha Fogel und Hershl Grant Texte aus dieser ersten Ausgabe vortrugen. Gilles Rozier, der Redakteur von «Gilgulim», wurde 1963 in La Tronche geboren. Er studierte zunächst Management (BWL), begann 1985 Jiddisch zu lernen und absolvierte seine Abschlussprüfung zur jiddischen Literatur bei seiner Mentorin Rachel Ertel. Seit 1994 ist Direktor der Bibliothèque Medem in Paris. Zu Hause spricht der verheiratete Familienvater inzwischen Französisch und Jiddisch. Gilles Rozier hat eine Reihe von jiddischsprachigen Gedichten in literarischen Magazinen wie «Di pen» (Oxford), «Yerusholaimer almanakh» (Jerusalem) and «Toplpunkt» (Tel Aviv) veröffentlicht und schreibt auch Erzählungen auf Französisch. In der ersten Ausgabe von «Gilgulim» finden sich Beiträge von: Ayzik Bargteyl (Russland), Rivke Basman Ben-Haim (Israel), Sholem Berger (USA), Lev Berinski (Israel), Berish Goldshtein (USA), Henri Lewi (Frankreich), Isroel Nekrasov (Russland), Yitskhok Niborski (Frankreich), Mikhoel Felsenbaum (Israel), Thomas Soxberger (Österreich), Alexander Spiegelblatt (Israel) und Velvl Tchernin (Israel). Neun der Autoren sind mit Gedichten vertreten; von Alexander Spiegelblatt ist die Kurzgeschichte «Rakhmil ‚Pepete-Mobele'» dabei, von Ayzik Bargteyl sind es drei Fabeln. Bemerkenswert ist, dass hier auch Texte der Weltliteratur in jiddischer Übersetzung veröffentlicht worden sind: ein Gedicht von Garsilaso de la Vega sowie «Enjoy the Years of Your Youth» von Luis de Gongora y Argote in der Übertragung von Yitskhok Niborski, drei Gedichte von Konstantinos Kavafis in der von Thomas Soxberger. Mit sechs Gedichten von Leyb Naydus (1890-1918) wird auch der literarischen Tradition Tribut gezollt. Schon die Biographien der Beitragenden sind voller interessanter Wendungen. Rivke Basman Ben-Haim etwa, die aus Litauen stammt und nach der Befreiung 1947 nach Palästina kam, war bereits 1948 Mitbegründerin von «Yung-Yisrael», einer Gruppe junger jiddischsprachiger Schriftsteller, zu der Avrom Sutzkever, Shloyme Vorzoger, Tzvi Eisenman und Rokhl Fishman gehörten. Sie lebt heute in Herzliya und schreibt nach wie vor Gedichte. Der Journalist und Schriftsteller Lev Berinski, der aus dem rumänischen Bessarabien stammt, in Smolensk studierte und Deutschlehrer wurde, lebt inzwischen ebenfalls in Israel. Er hat sich in Deutschland bei mehreren Stipendienaufenthalten und Lesereisen einen Namen gemacht; sein Poem «Luftblumen» etwa beschäftigt sich mit dem deutsch-jüdischen Verhältnis heute. Die Beiträger machen auch deutlich, wie lebendig das Jiddische heute in Nordamerika ist: so wurde Barry Goldstein in den 1940er Jahren in New York geboren, Sholem Berger 1973 in Washington D.C. Und so wie Gilles Rozier selbst sind auch nicht alle seiner Autoren nicht mit Jiddisch als Mameloschen, als Muttersprache, groß geworden: der Österreicher Thomas Soxberger etwa, der 1965 als Sohn nichtjüdischer Eltern geboren wurde, hat über die österreichische Mundart zum Jiddischen gefunden. Er hat anfangs an der Universität Wien, dann in Oxford Jiddisch gelernt, und es war sein Jiddischdozent Gennadi Estraykh, der ihn dazu ermunterte, ein erstes Gedicht in der Zeitschrift «Di pen» zu veröffentlichen. Diese erste Ausgabe «Gilgulim» ist dank der Unterstützung der Rothschild Foundation zu Stande gekommen. Für die Zukunft braucht es nicht nur finanzielles Engagement, sondern auch weitere Autoren und - vor allem - Leser. Hartmut Bomhoff
Wer das aktuelle Exemplar von «Gilgulim» beziehen will, findet dazu Informationen auf der Website www.gilgulim.org . Information Jung Yiddish bei Limmud am Werbellinsee Zu den Künstlern, die vom 16.-18. Mai bei Limmud am Werbellinsee dabei sind, gehört auch Mendy Cahan. Er wurde 1963 in Antwerpen geboren und hat das Jiddische seit seiner Kindheit im Ohr. Cahan studierte an der Hebräischen Universität in Jerusalem Philosophie und Jiddisch, ist Direktor des Instituts für Jiddisch an der Universität von Vilnius und Gründer von «Jung Yiddish», eine Organisation, die jiddische Kulturzentren in Jerusalem und Tel Aviv betreibt. Am Jiddisch-Comeback in Israel haben heute insbesondere junge Leute im Alter von 20-40 Jahren Anteil: Mameloschen wird quasi zur Kinderloschen. Inzwischen begreifen auch Waschechte in den Fünfzigern, dass es ein Fehler war, Jiddisch als Ausdrucksform von 1.000 Jahren kultureller Entwicklung in Europa aufzugeben. «Jiddisch ist unsere Geschichte », sagt Cahan. «Wir sind nicht gleich nach Ibn Givrol und dem Rambam zu Kibbuzniks geworden.» Sein aktuelles Album «Der Yiddish Express» gehört zu den Favoriten der jungen Jiddisch-Szene, und Mendy Cahan wird sicherlich auch beim Limmud- Wochenende am Rande von Berlin beweisen, was für ein mitreißender Entertainer er ist. www.limmud.de
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