Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Die Vereinigung jiddischer Polizisten»von Michael Chabon
Wenn die mittlerweile mit nicht weniger als vier Oscars ausgezeichneten, mit multiplen künstlerischen Talenten gesegneten Coen-Brüder sich daran machen, einen Stoff zu verfilmen, der nicht aus ihrer eigenen schräg-kreativen Denkfabrik stammt, dann muss der solcherart geadelte Autor der betreffenden Vorlage ohne Zweifel einen ganz besonders raffinierten Plot ausbaldowert haben. Und «Die Vereinigung jiddischer Polizisten» ist in der Tat ein in jeder Hinsicht bemerkenswertes Buch, dem allein schon durch seinen ungewöhnlichen Titel das Interesse jedes neugierigen Lesers sicher sein dürfte. Der umtriebige amerikanische Kolumnist und Romancier Michael Chabon führt uns mit seinem bizarrkomischen Kriminalroman tief in das schwarze Herz einer fiktiven nordamerikanischen jüdischen Utopie. Für sechzig Jahre war der Distrikt Sitka im Süden Alaskas ein Musterbeispiel jüdischer Selbstverwaltung: Überlebende des Holocausts und ihre Nachkommen haben hier nach dem Zusammenbruch des Staates Israel im Jahr 1948 ein florierendes osteuropäisches Schtetl im metropolitanen Großformat geschaffen, wo die Handys «Shoyfer» heißen und die Pistolen «Sholem». Mit dem baldigen Ablauf des Überantwortungsvertrages steht Sitka allerdings die Rückkehr unter amerikanische Souveränität bevor und den Juden der Stadt möglicherweise erneute Vertreibung und Heimatlosigkeit. Auch der melancholische, unter der selbstverschuldeten Trennung von Frau und Kind leidende Detektiv Meyer Landsmann steht mit der Auflösung der jüdischen Polizeibehörde vor einer ungewissen persönlichen Zukunft. Sein letzter Fall führt ihn vom tristen Schauplatz des Verbrechens, einem Zimmer derselben schäbigen Absteige, wo auch er seine freudlose Existenz fristet, zu den altvorderen verschlagenen Gründungsvätern der Stadt, zu ultraorthodoxen Sektenführern mit radikalen Plänen und zu jüdischen Schachgroßmeistern. Michael Chabon hat einen von skurrilen Einfällen nur so funkelnden Serie-noir-Roman geschrieben, der zwar nicht ganz ohne einige selbstverliebte Längen auskommt, aber der den Leser mit einem wahren Feuerwerk von intelligenten Späßen für seine Geduld reich belohnt
«Die Vereinigung jiddischer Polizisten», aus dem Amerikanischen von Andrea Fischer, erschienen bei Kiepenheuer &Witsch, 422 Seiten, 19,95 Euro
|