Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Das Ministerium für besondere Fälle»von Nathan Englander
Selten ist ein Autor schon vor dem Erscheinen seines Debütromans derart einhellig von Kritik und Publikum seines Heimatlandes gefeiert worden wie der New Yorker Spross aus jüdisch-orthodoxem Hause Nathan Englander. Als personifizierte «Zukunft der amerikanischen Literatur» und als einer von «Zwanzig Autoren für das 21. Jahrhundert» war Englander nach dem Erscheinen seines eigentlichen literarischen Einstands, dem während seines fünf Jahre währenden Versuchs einer Alija in Israel entstandenen Erzählungsband «Zur Linderung unerträglichen Verlangens», gelobt worden. Tatsächlich darf der 1970 geborene Autor als prominenter Glücksfall gerade auch für den spezifisch jüdischen Literaturkanon gelten, reflektiert er doch in seinen Geschichten mit äußerst wachem Blick für das nicht selten komisch-absurde Detail und in großer sprachlicher Virtuosität jüdischen Alltag an den unterschiedlichsten Orten auf der ganzen Welt. Mit seinem ersten Roman «Das Ministerium für besondere Fälle» bleibt Englander dieser Linie treu, geht aber mit seinem Porträt eines «jüdischen Hurensohns» und seiner Familie in der Zeit der Schreckensherrschaft der argentinischen Militärjunta gleichzeitig weit über einen rein folkloristischen Ansatz hinaus, denn das, was seinen jüdischen Protagonisten im Verlauf der zunehmend unwirklicher erscheinenden Handlung passiert, ist Tausenden von argentinischen Nichtjuden ebenfalls zugestoßen: sie sind von den Schergen der Soldateska verschleppt und ermordet worden. Ja, tatsächlich: eine regelrechte politische Einstellung habe er sich mit diesem Roman erschrieben, bekennt der ehemalige Jeschiwa-Student Englander lakonisch. «Das Ministerium für besondere Fälle» ist ein bemerkenswert reifes Buch von allgemeingültiger Aussagekraft, das den Leser dank seiner sublimen erzählerischen Mittel und seiner feinen Beobachtungsgabe sofort in seinen Bann schlägt und das trotz seines hohen literarischen Anspruchs glänzend zu unterhalten vermag.
«Das Ministerium für besondere Fälle», aus dem Amerikanischen von Michael Mundhenk, erschienen bei Luchterhand, 447 Seiten, 19,95 Euro |