Wedeln im Pulverschnee. Foto: dpa

Schnee gut, alles gut

Wintersport in Israel

 

TEL AVIV - Zakopane in Polen oder die Hohe Tatra in Slowenien, ja sogar der Feldberg im Schwarzwald sind Wintersportgebiete, die jedem deutschen Skifahrer geläufig sein dürften. Wer aber kennt den Hermon am nördlichen Zipfel der Golanhöhen in Israel? Wohl kaum jemand, denn das Heilige Land mag für heiße Sommer und sakrale Stätten bekannt sein, nicht aber wegen seiner Skipisten.

Anfang des Monats eröffnete das einzige israelische Skirevier seine Pforten und der Ansturm war - wie immer - enorm. Und dies, obwohl nur ein halbes Jahr vergangen ist, seitdem im Norden Israels eher an Flucht als an Wintersport gedacht wurde. Nun tummeln sich hier Israelis anderthalb Meter von der syrischen Grenze entfernt - und scheren sich nicht um die aufkeimenden Gerüchte, dass die Golanhöhen im Zuge eines möglichen Friedensvertrages an Syrien übergeben werden könnten. Sie vergnügen sich hier, als wären sie in den Schweizer Alpen - dennoch ist es ein wenig anders, denn von Après-Ski oder Einkehrschwung kann hierzulande mitnichten die Rede sein, handelt es sich doch eher um ein angenehmes winziges Gebiet, dessen Stärken anders gelagert sind. Und um ehrlich zu sein, wird es hier ein Weltcup-Rennen in absehbarer Zeit nicht geben. Die Nachteile des mediterranen Skigebiet sind schnell aufgezählt: die Pisten sind nicht besonders anspruchsvoll und die weiße Pracht wegen der relativ hohen Temperaturen und der oft stark scheinenden subtropischen Sonne schwer und nass. Man muss schon Glück haben oder sehr gut planen können oder kurz nach einem Schneesturm anreisen, wenn man gute Schneequalitäten erleben möchte. Und frieren, wie man es nie von diesem Breitengrad gedacht hätte. Auch wer zur späten Morgenstunde anreist, kann schon mal wegen übervoller Parkplätze abgewiesen werden.

Aber der 1971 erstmals geöffnete Park hat Reize, wie sie in den Alpen nicht zu finden sind: das milde Klima gestattet es allen Klein-Tombas, ihrem Hobby im T-Shirt nachzugehen, und die relative Nähe zu Tel Aviv erlaubt dann doch relativ viel Spontanität bei der Planung. Zu den Vorteilen gehört auch die Aussicht vom höchsten Berg Israels: In 2.040 Metern Höhe ist der Blick auf die Naftalieberge im Westen, den Libanon im Norden und Syrien im Osten zu jeder Jahreszeit atemberaubend. Und ein nicht mindergroßes Plus der Anlage ist, dass aus keinen Lautsprecherboxen nervender Alpenmix dröhnt, was den Aufenthalt in der einzigen Skihütte des Ressorts mehr als erholsam macht.

Freundlich am Lift. Foto: dpa

Darüber hinaus besitzt der israelische Schneeberg auch noch einige Kuriositäten: das Liftpersonal ist freundlich. Raue Umgangstöne und schroffe Befehle, wie man es von helvetischen und österreichischen Wärtern gewohnt ist, sind rar. Und wie im ganzen Land sind auch hier die Soldaten allgegenwärtig - aber Ski fahrend. Da Israel - wer hätte es gedacht - eine kleine Gebirgsjägertruppe besitzt, benutzen diese im Nahen Osten wohl einzigartigen Armeealpinisten, zusammen mit den Besuchern den Berg als ihre Manöverfläche. Schaut man diesen in weißen Tarnkleidern gehüllten bei ihren ersten Fahrversuchen zu, stellt sich die Frage, was bei dieser Truppe abschreckender wirkt. Das militärisches Können oder die Pflug-Technik bei Skifahren. Und wenn in der Alpenregion auf vielen Kuppen ein Herrgottswinkel aufgestellt ist, so sieht man in dieser Region an jeder strategischen Stelle einen Wachturm.

Itzik Tsuela, einer der Ressortleiter, weiß zu berichten, dass im Eröffnungsjahr, nicht mehr als sieben Brettlfahrer die Hänge unsicher gemacht haben. «Heute haben wir rund 70.000 eingetragene und ebensoviel nicht eingetragene Skifahrer in Israel. Während unserer gesamten Saison haben wir rund 350.000 Gäste». Davon betätigt sich aber nur ein Drittel tatsächlich wintersportlich. «Der Rest sind Besucher, die einfach nur Freude am Schnee haben», sagt Tsuela. Die Saison am höchsten Berg Israels dauert meist drei Monate, obwohl die Wintersportsaison in den letzten Jahren wesentlich kürzer ausgefallen und ist. «Der Boden ist sehr karstig, das Grundwasser fließt schnell ab und macht die Installation von Schneekanonen unmöglich, da wir kein entsprechendes Wasserreservoir anlegen können», erklärt Tsuela. Dies hat selbstverständlich Einfluss auf die Schneequalität, wobei einige Pistenraupen für relativ gute Präparation sorgen.

Amnon Nachmias, Sprecher der israelischen Parkaufsicht, führt schmunzelnd weiter aus, dass der Grund für nur eine einzige Schneekanone in Israel die relativen hohen Temperaturen sind. Auf die Frage, inwieweit die Sportaktivitäten das Verhältnis zwischen Mensch und Natur aus dem Gleichgewicht bringen, antwortet Didi Kaplan, Chefbiologe der Parkaufsicht, «dass der Schaden zwar groß aber lokal ist. Der größte Schaden wird dem Boden und der Fauna zugefügt, da die Kanten für einen großen Abrieb sorgen. Der Tierwelt wird jedoch nichts angetan, da zur Schneezeit, alle Tiere in geringere Höhen ziehen und dort mit den Besuchern nicht in Kontakt kommen». Obwohl das Hermon-Naturreservat groß ist und die Besucher sich nur auf eine Region des Berges konzentrieren, ist Kaplan dennoch der Meinung, dass es trotzdem nicht gerechtfertigt sei, dass hierzulande Ski gefahren werde. «Besonders dann nicht, wenn man der Passion an einem Ort nachgeht, in dem die Natur einzigartig in ganz Israel ist.»

Auch wenn trotzdem viele Israelis an den Wochenenden den Berg besuchen - Alpinsport bleibt im Heiligen Land ein Kuriosum

Wolf Spindel

 

Informationen auf Hebräisch und Russisch unter:

http://www.skihermon.co.il

 

«Jüdische Zeitung», Februar 2007