Buchcover

«Die windige Stadt»

von Adam Langer

Der auf sehr vielseitige Weise talentierte amerikanische Bühnenschriftsteller, Journalist und Filmproduzent Adam Langer, geboren 1967 in Chicago, konnte schon vor zwei Jahren mit seinem Debütroman «Crossing California», der Chronik eines vor allem von der schwarzen und jüdischen Mittelschicht bewohnten Stadtviertels in seiner Heimatstadt, einen veritablen Überraschungserfolg bei der deutschen Literaturkritik verbuchen. Das Interesse des deutschen Publikums war zwar im Vergleich zur Reaktion der Fachwelt deutlich geringer, trotzdem gab es kaum einen Leser, der sich nicht begeistert über dieses mit leichter Hand entworfene, glänzende Porträt der Jugendzeit einer Generation der heute Vierzigjährigen äußerte. Mit seinem soeben erschienenen zweiten Buch «Die windige Stadt», einem «Roman in fünf Sphären», die hintersinnig-ironisch etwa «Eruv», «Breirot» oder «Alija» betitelt sind, fügt Langer seiner Chicago-Saga einen zweiten, unabhängig vom ersten zu lesenden, Band hinzu, der als Fortsetzung in etwa dort einsetzt, wo «Crossing California» endete, nämlich zu Beginn der 1980er Jahre. Die fünf dem Leser bereits vertrauten Hauptpersonen der «Windigen Stadt» stehen am Anfang ihres Lebens als Erwachsene und suchen mit wechselhaftem Glück und an der Seite wechselnder Partner ihren Platz im Leben. Ihre verschlungenen, sich aber immer wieder überkreuzenden Wege führen sie nach New York und Los Angeles, nach Berlin und Prag, aber auch nach Cape Canaveral, den Schauplatz des Columbia-Unglücks. Adam Langer gelingt auch in seinem neuen Roman das Kunststück, den Leser auf sehr wohltuende und humorvolle Art und Weise zu unterhalten und gleichzeitig seine literarischen Ambitionen und seine sprachlich-gestalterischen Fähigkeiten auf höchstem Niveau zu entfalten. «Die windige Stadt» ist auch all jenen dringend zu empfehlen, die «Crossing California» nicht gelesen haben.

Florian Hunger

«Die windige Stadt»
aus dem Amerikanischen von Grete Osterwald
Rowohlt, 496 Seiten
24,90 Euro

 

«Jüdische Zeitung», Februar 2007