Entdecken, was der Mehrheit verborgen

Neues Bildungsangebot für jüdische Heranwachsende

 

Studieren in persönlicher Atmosphäre gehört im Tora-Kolleg zum Alltag. Foto:Tora-Kolleg

Ein weiteres Mal ergänzt Chabad Lubawitsch das jüdische Leben der Hauptstadt. Mit dem im März 2008 eingerichteten «Tora Kolleg Berlin - Bildungsprogramm für die jüdische Jugend» wird nun ein neues Angebot im Rahmen des internationalen geisteswissenschaftlichen Programms «Jüdische Tradition in der modernen Welt» angeboten.

Das Programm hat die Initiierung und Umsetzung von Projekten zum Ziel, die sich mit der Bildung und Identitätsfindung der jüdischen Jugend befassen. Außerdem soll die Selbstverwirklichung im späteren beruflichen Leben in den Staaten Europas befördert werden, um als Jude in ständiger Wechselwirkung mit dem eigenen Volk bewusst einen Platz in der modernen Gesellschaft zu finden. Auch Hilfestellung bei der Entdeckung des eigenen Führungspotentials werden angeboten, auf die Vermittlung des Allgemeinwissens auf einem sehr hohen Niveau wird außerordentlicher Wert gelegt. Freie Persönlichkeitsentwicklung sowie jüdische Moral und Sittlichkeit bilden für das Tora-Kolleg Berlin die Grundlage einer Erziehung zu unabhängigen Persönlichkeiten, die ein tiefes Verständnis der Wirklichkeit und eigenen Weltanschauung entwickeln. So gefestigt sollen die Absolventen in schwierigen Lebenssituationen standhalten, nicht verzweifeln sowie Werten und Traditionen treu bleiben.

Die allgemeine schulische Bildung der Teilnehmer des Programms findet in der Privaten Jüdischen Oberschule in Berlin statt. Dort haben die Teilnehmer die Möglichkeit, eine Realschule oder ein Gymnasium mit späteren Abiturperspektiven zu besuchen. Die Vorbereitung der Kolleg-Teilnehmer zur Aufnahme eines Studiums an einer deutschen Hochschule bildet einen Schwerpunkt der Arbeit des neuen Kollegs. Eine Besonderheit des Unterrichts ist neben dem Studium der Fünf Bücher Moses, der Prophetenbücher und der Schriften des Talmuds, auch die Auseinandersetzung mit der «geheimen Tora», der Hasidut. Als Wahlpflichtunterricht werden unter anderem «Einführung in die Kabbala» oder «Geschichte der Jüdischen Philosophie» angeboten, weitere Themenangebote sind das jüdische Erbe, Geschichte der Juden in Europa, Lebens- und Jahresablauf in der jüdischen Tradition, Iwrit, Psychologie sowie Methoden der jüdischen Erziehung. Dabei findet morgens der Unterricht in den allgemeinbildenden Schulfächern statt, nachmittags wird Freizeit zur Erholung oder zum selbstständigen Lernen eingerechnet, abends werden die Unterrichtsstunden zum Jüdischen Zyklus durchgeführt.

Ab August 2008 wird eine Ausbildung zum Umschreiber Heiliger Texte hinzukommen. Leiter dieses Projekts ist dann Rabbiner Josif Dan Chranovskiy aus Israel. Es wird auch geplant, die Ausbildung zum Mashgiach, zu einem Spezialisten für die jüdischen Speisegesetze, die Kaschrut, sowie zum Manager der jüdischen Bildungsprojekte oder zum Lehrer im Fachbereich Jüdische Tradition anzubieten.

Die Ausbildung am Tora-Kolleg berechtigt zur Teilnahme an einem sechsmonatigen Lernprogramm in einer Filiale der Akademie des Judentums «Tomchei Tmimim» in Frankreich, Israel oder den USA. Ein wesentlicher Teil des Ausbildungsprogramms sind regelmäßige Führungen und Ausflüge, sowohl in Berlin selbst aber auch deutschland- und europaweit. Dabei geht es unter anderem darum, «wunderschöne Sichten der Europäischen Kurorte zu genießen, mit Deinen eigenen Augen die Orte der berühmten geschichtlichen Ereignisse zu sehen und bedeutenden Vertretern sowie der jüdischen Kultur als auch der Weltkultur zu begegnen». Andererseits werden gelegentlich auch ein gemeinsamer Unterricht, Ausflüge und sonstige Veranstaltungen zusammen mit den Tora-Kolleg-Teilnehmern aus den Vereinigten Staaten organisiert.

Mittels eines Aufnahmeantrages und über ein persönliches Vorstellungsgespräch wird die Eignung für die Ausbildung am Tora Kolleg festgestellt. Sollte der Antrag positiv beschieden werden, wird den jungen Kollegstudenten nach der Aufnahme ein Stipendium gezahlt. Alle wohnen gemeinsam auf dem Gelände des Berliner Chabad-Zentrums im Zentrum der Stadt. Am Ende der Schulwoche wird der Vorbereitung und unmittelbaren Durchführung des Schabbats große Aufmerksamkeit geschenkt und am Sonntag können selbstverständlich die Familien zu Hause besucht werden.

Walter Soltau

 

Auf der Website www.tora-kolleg.de finden sich weitergehende Informationen

sowie die entsprechenden Antragsformulare.

 

 

«Jüdische Zeitung», Juni 2008