Der Zeitenfänger

Der israelische Autor Assaf Gavron ist der legitime Erbe Emile Zolas

 

Tabubrecher ohne Pathos: Assaf Gavron. Foto: Luchterhand Verlag

Exakt dreiundzwanzig Minuten und achtzehn Sekunden dauert das Interview mit dem israelischen Schriftsteller Assaf Gavron. Er befindet sich derzeit auf Lesereise durch Deutschland für seinen aktuellen Roman «Ein schönes Attentat» und nimmt sich nach der Lesung am 17. Juni im Mainzer «Haus am Dom» diese Zeit für ein Interview. Zeit, die Eitan Einoch, der israelische Protagonist seines Romas, der als «Zeitingenieur » für eine Tel Aviver Firma immer auf der Suche nach «toten Sekunden» ist, um Firmengewinne zu erhöhen und vermeintlich Zeit zu gewinnen, nicht hätte. Dass Gavrons israelischer Protagonist die dreiundzwanzig Minuten und achtzehn Sekunden als vertan ansehen würde, ist selbstredend. Albert Einstein sagte einmal, dass Gleichungen wichtiger für ihn seien, weil Politik für die Gegenwart sei, eine Gleichung jedoch für die Ewigkeit. Dieser Gedanke Einsteins kann in abgewandelter Form für das literarische Prinzip Gavrons stehen, der Texte für die Ewigkeit schreiben möchte: «Klar gibt es Zeitungen, aber als Schriftsteller fängt man auf besondere Weise den Moment ein, eine Zeit, eine Periode. Darin liegt die Macht des Schreibenden begründet. Ein Roman hat eine längere Lebensdauer als ein Zeitungsartikel. » Gavron durchdringt in seinem neuen Roman den Moment, seziert ihn und nimmt sich die Zeit, hinzuschauen - auf die geistige Verfassung des gegenwärtigen Israels.

 

Ein normaler Israeli

Gavron, der Autor und Sänger der israelischen Indiepunk-Band Hape Ve Hatlafajim, zu Deutsch «Maul und Klauen», wurde 1968 in Israel geboren. Er wuchs nahe Jerusalem in einer säkularen Umgebung auf. Seine Eltern emigrierten vor seiner Geburt aus Großbritannien nach Israel. Das soziale Umfeld seiner Kindheit bezeichnet der heute 40-jährige als sehr englisch, gebildet und politisch eher links orientiert. Es ist etwas Anderes, so Gavron, in den 50er und 60er Jahren aus der zivilisierten westlichen Hemisphäre an diesen «verrückten und primitiven Ort» zu kommen. Eine Thematik, die er auch in seinem aktuellen Roman aufgreift. Die meisten Juden, die zu der Zeit nach Israel kamen, waren Juden, die keine andere Wahl hatten. Sie kamen, um zu überleben. Entweder waren es Überlebende der Schoa aus Osteuropa oder sie kamen als politisch und wirtschaftlich Diskriminierte aus den arabischen Ländern und dem Maghreb. Die Motivation der Elterngeneration, die aus England, Frankreich oder den USA kommend, ein weniger komfortables Leben wählte, etikettiert Gavron als die Suche nach etwas Exotischem. Ihr intellektuelles und finanzielles Kapital nutzten sie, um «etwas aus dem Nichts aufzubauen: eine Familie. Ein Geschäft. Einen Staat. Sie nannten das Zionismus», ist der bittere Kommentar der Erzählerstimme. Gavrons Generation ist vor dem Hintergrund dieser zionistischen Ideologie aufgewachsen. Aber eben in Israel geboren: «Ich bin wirklich als Israeli aufgewachsen. Ein normaler Israeli.» Ein normaler Israeli, jedoch mit der familiärbedingten besseren Herkunft aus dem intellektuellen aschkenasischen Establishment.

Mit dem Schreiben hat Assaf Gavron erst spät begonnen. Fremd war ihm der Literaturbetrieb jedoch nicht, da auch sein Vater und sein Cousin als Journalisten und Schriftsteller arbeiten. Als Kind habe er kleine Geschichten geschrieben, doch nie darüber nachgedacht, sein Talent zum Beruf zu machen: «Ich mochte es, zu schreiben, und meine Freunde mochten die Geschichten, die ich Ihnen erzählte und die Briefe, die ich Ihnen schrieb. Als Schriftsteller habe ich mich allerdings nie gesehen.» Mit Mitte Zwanzig begann er, für Zeitungen zu schreiben. Sein Cousin fragte ihn zwar des Öfteren, ob er denn nicht Lust hätte fiktionale Texte zu schreiben, doch Gavron war unsicher. Eines Tages kam er nach Hause, setzte sich an den Schreibtisch und schrieb sein erstes Buch «Moving». Die Idee für seinen aktuellen Roman «Ein schönes Attentat», im Original heißt das Buch «Attentatskrokodil», entstand zur Zeit der Zweiten Intifada. Assaf Gavron spürte, dass er eine unbequeme Wahrheit erzählen musste: «2002 war eine schwierige Zeit in Israel. Jeder war paranoid. Irgendwann saß ich im Bus, schaute mich um, und ich begann diese seltsamen Gedanken zu haben, die zum ersten Kapitel meines Romans wurden. Die Busfahrt des Eitan, der als Einziger einen Terroranschlag überlebt.»

 

Unfähigkeit zur Empathie

Foto: Luchterhand Verlag

In «Ein schönes Attentat» beschreibt Assaf Gavron als Ich-Erzähler in zwei parallel verlaufenden Erzählsträngen die Geschichte des Tel Aviver Geschäftsmannes Eitan Einoch und des palästinensischen Attentäters Famih Sabih. Der fortwährende Perspektivenwechsel ermöglicht dem Leser, ein umfassendes Bild der psychologischen Profile der beiden Protagonisten zu erhalten. Der Zyniker Eitan überlebt kurioserweise drei Selbstmordanschläge nacheinander und wird so zum Liebling der israelischen Medien. Im Zuge der Handlung entgleitet dem sonst so kontrollierten Eitan sein Leben, wie er es bis dahin kannte. Indessen liegt sein charakterliches Alter Ego, Famih, der bei dem Versuch, die Ikone Eitan umzubringen, schwer verletzt wurde, im Koma. Eingeschlossen in der hermetisch abgeschlossenen Welt seiner körperlosen Existenz, bleibt ihm nichts als die geistige Aktivität. Während vor dem Krankenhaus Demonstranten das Abschalten der lebenserhaltenden Maschinen verlangen, zwingt Famih sich an das Vorher zu erinnern. So erfährt der Leser von ihm in Rückblenden die autobiographischen Voraussetzungen, die ihn zum Attentäter werden ließen.

Die literarisch verwobenen Topoi Zeit, Leben und Tod sind die zentralen Leitmotive des Romans: «Das Konzept der Zeit ist wichtig in meinem Roman. Der frappierende Unterschied von Zeitkonstrukten zeigt sich anhand von Famih und Eitan. Der Tel Aviver, der keine Zeit hat und für eine Firma arbeitet, die Sekunden spart. Und dann Famih, der Palästinenser, der keine Freiheit hat, keinen Staat, keine Arbeit und kein Geld. Das Einzige, was er hat, ist ein Überfluss an Zeit. Ich mag die Szene, in der Famih eine Ameise beobachtet, die schneller als er den Checkpoint überquert.» Gavron stellt zwei Empfindungen von Zeit gegenüber, die das Befinden und den Zustand beider Gesellschaften, der israelischen und der palästinensischen, fassbar machen. Israels Endzeitstimmung, der rastlose und zugleich sture Alltag, wird durch Eitans Innensicht deutlich. Famihs von der Außenwelt abgeschlossene Existenz hingegen steht für die Isolierung Palästinas und seiner Bewohner, deren komatöse Handlungsunfähigkeit und deren letztes Asyl: ihren freien Geist. Durch die virtuose Verknüpfung der beiden Erzählstränge und die Konfrontation der zwei extrem auseinanderklaffenden Interpretationen von Zeit auf inhaltlicher und stilistischer Ebene, offenbart die Fiktion, was, in die israelische Wirklichkeit eingelagert, das Denken und Handeln der Menschen letztlich dominiert: die Unfähigkeit zur Empathie. Fast meint man ein Abbild der Gesellschaft des sozialdarwinistischen und dekadenten Fin de siècle am Vorabend des Ersten Weltkrieges wiederzuerkennen, das zwischen Aufbruch und Zukunftsangst, Leichtfertigkeit und Endzeitstimmung einer unheilvollen Zukunft entgegensteuerte.

Die Innenwelt des palästinensischen Protagonisten darzustellen und damit die emotionale Dimension seines Charakters zu erfassen, war sicherlich das schwierigere Unterfangen während des Schreibprozesses. Gavron wollte Famih genau wie Eitan erlebbar in seinem Alltag machen. Unterstützt wurde er dabei von zwei Palästinensern, die an der Universität von Gaza Hebräisch unterrichteten. Ihnen gab er die Version der palästinensischen Stimme zu lesen und erhielt Informationen darüber, wie sich junge Araber in den verschiedensten sozialen Situationen verhalten: im Café mit Freunden, im Umgang mit Frauen und im Beruf. «Ihre Anerkennung meines fiktionalen Charakters Famih war unglaublich wichtig für mich und für den Prozess der Veröffentlichung », schildert mir Gavron die Arbeit.

Die Abwesenheit von Mitgefühl und die Unkenntnis über den scheinbaren Feind sind die Triebfedern des Romans. Assaf Gavron war schon zu Beginn des Schreibprozesses klar, dass er für beide Stimmen, die israelische und die palästinensische, ein Sprachrohr sein musste: «Sonst wäre die Geschichte lückenhaft, unvollständig erzählt.» Ihm gelingt es, die Leerstellen im Leser zu erzeugen, nämlich dann, wenn jener sich das Fehlen der eigenen Empathie für die andere Seite eingestehen muss. Der menschliche Blick auf einen palästinensischen Attentäter, die Erforschung der Befindlichkeiten des Feindes war und ist ein gewagtes Unterfangen in Israel. Darüber hört man in Israel nichts. Das eigene Leid und die eigene Biographie machen es scheinbar unmöglich, das namen- und gesichtslose Leid des palästinensischen Nachbarn sehen zu wollen: «Vor zehn Jahren war das noch anders. Es gab mehr Verbindungen zwischen uns. Palästinenser arbeiteten in Israel und Israelis bewegten sich frei in der Westbank und im Gazastreifen, doch mit dem Bau der Mauer wurde aus der mentalen Trennung dann noch eine physische. Für die junge Generation von heute ist es schlimmer als für meine. Es ist nicht nur das Fehlen von Empathie, es ist das Fehlen von Allem. Aber ich denke auch, dass Israel mehr dafür verantwortlich ist, denn Israel hat mehr Macht.»

 

littérature engagée

1898 führte die Veröffentlichung von «J'accuse...!», dem Brief des französischen Romanciers Emile Zola in der Zeitung «L'Aurore», zur Wiederaufnahme des Gerichtsprozesses in der Dreyfus-Affäre. Im Laufe der Verhandlungen wurde damals der wegen Landesverrats zu Unrecht angeklagte jüdische Offizier Alfred Dreyfus, von einem französischen Gericht zunächst freigesprochen und dann rehabilitiert. Ob Gavron sich denn heute als Vertreter einer solchen littérature engagée sehe, die ihre erste Verkörperung in eben jenem französischen Romancier erfuhr? Die schriftstellerische Intervention in öffentliche Angelegenheiten ist für Gavron ein wichtiges Mittel, um die israelische Gesellschaft und die Menschen außerhalb Israels, die seine Bücher lesen, wachzurütteln. Auch wenn er den Einfluss des Schriftstellers und des geschriebenen Romanwortes bei der gegenwärtigen medialen Sintflut geringer als um das Jahr 1900 einschätzt, so glaubt er doch daran, dass man als Mensch die Pflicht hat, sein Talent für Dinge einzusetzen, an die man glaubt: «Meine Stimme als Autor und Musiker wird in Israel und in anderen Teilen der Welt gehört und es ist mir ein großes Anliegen die Dinge auszusprechen, die mir wichtig sind und vor allem den Palästinensern meine Stimme zu leihen, so wie in meinem letzten Roman. Das wird in Israel nicht viel getan.» Er sehe sich aber auch nicht als Repräsentant einer neuen Generation israelischer Schriftsteller. Er sei ein kritischer Intellektueller, der aus einer politisch linken Position heraus schreibt und sich mit seiner gedanklichen Arbeit dem öffentlichen Engagement verpflichtet habe. Damit folge er letztlich solchen Autoren wie Amos Oz, David Grossmann und Abraham B. Jehoshua nach, so Gavron, die als Künstler und als Intellektuelle öffentlich für eine Annäherung zwischen Israelis und Palästinensern eintreten. Schon Jehoshua habe palästinensische Charaktere in seinen Texten beschrieben: «Ich habe nichts erfunden. Nur, dass ich über die Intifada, die Selbstmordattentäter schreibe, das ist neu.» Gavron geht tatsächlich viel weiter als seine schreibenden Kollegen in Israel. Er tastet sich mit «Ein schönes Attentat» soweit vor, wie es einem jüdischen Israeli wohl überhaupt möglich ist und bricht mit der empathischen Beschreibung der Innensicht des palästinensischen Attentäters Famih ein israelisches Tabu.

 

Reaktionen auf Tabubruch

Gavron ist seit dem Erscheinen der deutschen Erstausgabe von «Ein schönes Attentat » schon ein paar Mal in Deutschland gewesen, um aus seinem Roman zu lesen. Die Reaktion der deutschen und insgesamt der europäischen Leserschaft unterscheide sich doch sehr von der der Israelis, erzählt der Autor. Nach dem Erscheinen seines Romandebüts «Moving», in welchem er junge Israelis in den USA portraitierte, die in Umzugsfirmen arbeiten, übertrafen sich die Rezensenten mit Lobeshymnen. «Und mein erster Roman», so beteuert Gavron, «war bestimmt nicht besser als mein aktueller.» Auf «Ein Schönes Attentat» reagierten die Kritiker und die Leser sehr gemischt. Es sei eben ein heißes Eisen, meint Gavron, denn viele Israelis möchten nicht an die Zeit der vielen Anschläge erinnert werden. Sie begriffen ihm nach nicht die Notwendigkeit der Auseinandersetzung. In Israel empfinden es vor allem rechtskonservative Leser als problematisch, dass er dem Leser bewusst einen Blick auf das menschliche Portrait eines palästinensischen Attentäters gewähre. Der Literaturwissenschaftler Ofer Dines von der Universität Tel Aviv beschreibt die Häme, der sich Gavron in Israel ausgesetzt fühlt, treffend: «In Literatenkreisen gilt Gavron er als „nicht gelungener Witz".» Eine Lesermeinung aus Palästina ist indessen kaum vorhanden, was zum Einen an dem sehr kleinen Literaturbetrieb dort liegt und zum Anderen an der noch fehlenden Übersetzung des Romans. Bislang gab er das Buch einigen palästinensischen Israelis zu lesen, die ihn bestärkten, da sie alle ausnahmslos den Charakter Famihs als glaubwürdig einschätzten. Eine breitgefächerte Reaktion palästinensischer Leser könnte vielleicht anders aussehen: «In Israel ist das sehr komplex. Ein Palästinenser aus Gaza, der Westbank, Israel oder Jerusalem haben in mancher Hinsicht nicht viel gemeinsam.»

Die europäische Reaktion, insbesondere die deutsche ist sehr positiv, wie auf den einzelnen Stationen der Lesereise, anhand der Verkaufzahlen und der sehr guten Rezensionen deutlich wird. Im nächsten Jahr wird der Roman in weiteren großen europäischen Buchmärkten erscheinen, in Italien und den Niederlanden. Mittlerweile wurde Assaf Gavron zweimal als Autor im Rahmen von Veranstaltungen des Auswärtigen Amtes eingeladen. Unter der Schirmherrschaft des Auswärtigen Amtes und des DFB traf am 6. Mai 2008 die sogenannte Writers League aus Israel und Deutschland im Berliner Olympiastadion aufeinander, um einen Brückenschlag zwischen Fußball und Literatur zu vollziehen. Bevor am Abend im Deutschen Theater verschiedene Texte der Autoren in beiden Sprachen vorgelesen wurden, maßen die israelischen und deutschen Wortakrobaten ihr Können zunächst in einem Freundschaftsspiel miteinander. Gavron, der die Rolle des Organisators und Kapitäns der israelischen Autoren-Fußballnationalmannschaft übernahm, las aus «Ein schönes Attentat». Frank-Walter Steinmeier, begeisterter Leser israelischer Literatur, wie er mir auf dem Empfang im Deutschen Theater erzählte, freute sich auf die Lesereihe im Auswärtigen Amt, auf der Assaf Gavron am 28. Juni als Gastautor auftrat. Dass es zwischen dem deutschen Außenminister und dem israelischen Autor politische Sympathien zu geben scheint, zeigt Gavron nicht zuletzt auf seiner hebräischsprachigen Internetnetseite, wo der Besucher ein Bild der beiden lächelnden Männer mit dem Kommentar, dass dies (vielleicht) der neue Kanzler sei, findet.

 

Plädoyer für Zweiseitigkeit

Die größte Herausforderung für die israelische Politik heute ist, die Mauer abzubauen, meint Gavron. Denn ein Ende der Okkupation sei gleichbedeutend mit einer Stärkung der moralischen Position und der Argumentationsgrundlage Israels. Ein politisches Unterfangen, das zumindest spielerisch in dem von Gavron mitentwickelten Computerspiel «Peacemaker», das den Nahost- Konflikt simuliert, geübt werden kann. Auf gesellschaftlicher Ebene müsse für ein friedvolles Zusammenleben, freilich die Mauer in den Köpfen abgebaut werden: «Die Beschäftigung mit dem palästinensischen Charakter hat meine Haltung zum Konflikt nicht geändert sondern vielmehr bestärkt. Es ist so unglaublich wichtig, die andere Seite kennenzulernen und die Perspektive eines Palästinensers einzunehmen. Insbesondere die eines palästinensischen Terroristen. Man muss ihn als humanes Wesen darstellen, um seine Beweggründe nachvollziehen zu können. » Assaf Gavron stutzt, dann fügt er hinzu: «Ich weiß, ich sage es und es hört sich an wie ein Klischee. Ich glaube eigentlich nicht daran, dass die Mauer in den Köpfen verschwindet. Ich weiß nicht warum ich es sage. So bin ich eben. Die meisten Leute in Israel und in Palästina möchten in Ruhe und Frieden leben. Dennoch gibt es sehr viel Hass und Verdächtigungen auf beiden Seiten. Es wird sehr schwierig sein, das zu überwinden. Der Optimist in mir ist schwerer zu finden, aufgrund der vielen Barrieren. Vielleicht liegt darin meine persönliche Herausforderung - nach dem Positiven zu suchen.»

Als Romanautor ist ihm neben seinem politischen Engagement wichtig, die ihn umgebende Welt bisweilen unbeschwert und mit Humor zu betrachten. Die Erinnerung sollte nicht nur die Tränen und das Sterben, die Paranoia und die Depression portraitieren. Deshalb finden sich in Gavrons Texten viele Momente voll Skurrilität, die es vermögen Augenblicke der Tragik auszuhebeln und den Leser Atem schöpfen zu lassen, um ihm auf diese Weise Raum zur Reflektion zu geben. Als engagierter Literat, als Chroniker des Moments, als Zeitenfänger fühlt sich Gavron dazu verpflichtet: «Ich persönlich bin ein wenig wie Eitan - ich habe nie genug Zeit für all die Dinge, die ich tun möchte. Ich versuche es, so gut es eben geht, zu managen.»

Karola Kallweit

«Jüdische Zeitung», Juli 2008