Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Linie und Fläche, Farbe und FormZu Besuch bei Barbara Weil in Port d’Antratx
Mitte Juli ist es genau zehn Jahre ist her, dass Barbara Weil ein Fax an Nina und Daniel Liebeskind in Berlin schickte: «I'm happy, honored and thrilled with your interest in designing my gallery work space.» 2003 wurde das Atelierund Galeriehaus, das Daniel Liebeskind für Barbara Weil entworfen hatte, auf dem früheren Tennisplatz der Künstlerin in Port d'Andratx auf Mallorca eröffnet: das vierte Gebäude des Architekten, das auch fertiggestellt worden ist. «Mnemonic Cartwheels» nannte der Architekt seine Version eines zeitgemäßen Künstlerateliers: Zitat des Systems konzentrischer Kreise, das der 1233 in Palma de Mallorca geborene Philosoph Ramon Llull zur Erklärung der Welt entwickelt hatte. Barbara Weil selbst ist eine internationale Künstlerin: eine Amerikanerin aus Chicago mit ungarisch-jüdischen Wurzeln, die seit über 30 Jahren auf Mallorca lebt. «Wie ihre Biographie zeigt auch ihre Kunst internationale, multikulturelle Spannweite: Sie nimmt Botschaften des europäischen Expressionismus und Surrealismus, des amerikanischen abstrakten Expressionismus, von mediterranen Farben und Licht auf, und formt daraus einen individuellen Ausdruck », schreibt Hans Jessen auf die Bitte hin, Barbara Weil kurz zu charakterisieren. «Kein simpler Mix von Stilrichtungen und -ismen, sondern kreative Konsequenz, die in völlig authentischen Arbeiten mündet. Ihre Kunst hält sich nicht an traditionelle Kunstkategorien: Sie ist Zeichnerin, Malerin, Plastikerin - viele ihrer Werke heben die Trennlinie zwischen Bild und Skulptur auf», sagt der Redakteur von Radio Bremen. «Linie, Fläche, Farbe, Form verbinden sich zu Statements, die in eigenständiger künstlerischer Sprache Lebenserfahrungen einer internationalen Künstlerin zum Ausdruck bringen.» Der neue Expressionismus von Barbara Weil, der in ihren zwei- und dreidimensionalen Werken aus Fiberglass und Autolack zum Ausdruck kommt, tritt in ein aufregendes Spannungsverhältnis mit der dramatischen Baukunst von Libeskind ein. Wie würden sich die Arbeiten von Weil wohl im Berliner Libeskind- Bau ausnehmen, im Jüdischen Museum?
Letztes Jahr hat Barbara Weil anlässlich des Europäischen Tages der Jüdischen Kultur auch im Xesc-Forteza-Theater von Palma ausgestellt. «Als ich das erste Mal nach Mallorca kam, 1967, schien mir hier jeder jüdisch zu sein. Aber sind wir nicht alle Semiten? Das Leben im katholischen Spanien erwies sich dann als eigentümlich mit all den christlichen Feiertagen. Einmal, als man in der Semana Santa, also zu Ostern, die Reliquien aus der Kirche holte, bereitete ich zur gleichen Zeit zu Pessach Lammbraten mit bitteren Kräutern für meine Familie vor», erinnert sich die Künstlerin. «Ich dachte, ich könnte möglicherweise einen Zugang zur sefardischen Welt hier finden, doch es war schwierig, eine Beziehung zu den Conversos herzustellen. Mir wurde immer wieder gesagt, dass die Malorquiner grundsätzlich antisemitisch eingestellt wären. Ein große Freude war für mich 1989 die Ausstellung ‚The Legends of Washington Irving' [auf Deutsch‚ Erzählungen von der Alhambra'], denn Irving schilderte 1829 das friedliche Zusammenleben von Juden, Christen und Moslems, die sogenannte Convivencia. Was meine Verbindung zum Europäischen Tag der Jüdischen Kultur betrifft, so lud mich Jacqueline Tobias letztes Jahr ein, einige Gemälde und Skulpturen auszustellen. Sie ist die Gründerin des Instituto De Relaciones Culturales Baleares- Israel und hat mich mit der europäischjüdischen Initiative bekannt gemacht. Es hat sie übrigens gut 20 Jahre gekostet, bis sie ihr Institut mit Hilfe der Regierung in Palma einrichten konnte. Was die weiteren Pläne betrifft, so ist es möglich, dass mein Sohn Jimmy Weinstein zum Europäischen Tag der Jüdischen Kultur ein Konzert gibt. Er spielt Jazz, ist Percussionist und Komponist.» Und wie geht es ihr mit Libeskinds Gebäude vis-à-vis ihres Wohnhauses in Port d'Andratx? «Ich kann hier gut arbeiten und frei atmen.» |