Simches in der Berliner City

Sefarden bringen Torarolle in die Synagoge Teferit Israel ein

 

Berlins Gemeindeältester Isaak Behar. Foto:Arkadi Shafirov

Ein großes Fest sollte es werden - und wurde es auch! In brütender Sommerhitze, am heißesten Tag des Monats Juni, einem Sonntag, wurde in der Sefhardischen Synagoge in der Berliner Passauer Strasse eine neue Torarolle eingebracht. Es war schon ein aufregender Moment als die Männer und Frauen, Alten und Kinder des sephardischen Ritus der hauptstädtischen Gemeinde laut singend, tanzend, klatschend und betend, mit Fackeln in der Hand und Bonbons werfend, für einige Minuten die Straße neben dem KadeWe beinahe vollständig blockierten, um die neue Torarolle in das Gebäude zu bringen, in dem der Synagogenraum seit zwei Jahren in einer großzügigen Wohnung untergebracht ist. Die wenigen Passanten der am Sonntagnachmittag für gewöhnlich ruhigen Straße blieben stehen und sahen dem Ritual interessiert zu. Rouven Jakubov, Rabbiner der sefardischen Synagoge, hatte die letzten fünf Buchstaben noch in der Wohnung des Spenders, Vitali Mor, geschrieben und die Rolle damit vollendet, die zuvor ein knappes halbes Jahr in Israel gefertigt worden war.

Unter den etwa einhundert Teilnehmern der Einbringung auch Gemeindevorsitzende Lala Süsskind in Begleitung ihres Mannes Arthur. Sie wünschte der sefardischen Synagoge «eine gute Zukunft» und appellierte zugleich an den Zusammenhalt aller Juden, egal welcher religiösen Ausrichtung. Der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung, Michael Joachim, rief zu einer erhöhten Spendenbereitschaft auf und bezeichnete die sefardische Synagoge als integralen Bestandteil der Einheitsgemeinde. Ebenfalls zu Gast: der ehemalige Kultusdezernent der Gemeinde, Maw Haymov, in dessen Amtszeit die Synagoge wiedergegründet wurde; Gemeindeältester Isaak Behar und Gabbai Maurice Elmaleh, auf deren Initiative die Neugründung zurückgeht, sowie als Gast von Chabad Lubawitsch Rabbiner Yehuda Teichtal.

Bislang mussten die sefardischen Beter, die sich seit dem Jahr 2000 regelmäßig treffen, ohne eigene Torarolle auskommen. Auch die Bestuhlung des Betraumes der Synagoge Teferit Israel ist unzureichend. Nun plant die Gemeinde über Mittel der Stiftung Deutsche Klassenlotterie eine komplett neue Lösung: Den Umzug in andere Räumlichkeiten, da die Sicherheit des Synagogenraumes mitten in der belebten City laut einem Gutachten des Landeskriminalamtes ohnehin nicht mehr optimal gewährleistet werden könne.

Johann L. Juttins

«Jüdische Zeitung», Juli 2008