Buchcover

«Die Kohle-Saga»

von Rafael Seligmann

 Nach seinen erfolgreichen Romanen über jüdisches Leben in Deutschland und seinem zuletzt erschienenen zeitgeschichtlichen Sachbuch «Hitler. Die Deutschen und ihr Führer» hat Rafael Seligmann (geboren 1947) mit seinem vom RAG-Konzern als Weihnachtsgeschenk für seine Mitarbeiter mitfinanzierten Buch «Die Kohle-Saga» einen aufschlussreichen «Tatsachenroman» (so der Untertitel) als Chronik der Geschichte des industriellen Bergbaus im Ruhrgebiet von 1884 bis 1969 vorgelegt. Dabei war es dem Autor vor allem wichtig, die wirtschaftliche Abhängigkeit nicht nur des Ruhrgebiets, sondern ganz Deutschlands vom Kohlebergbau auch vor dem Hintergrund der großen militärischen Konflikte des 20. Jahrhunderts aufzuzeigen. Es war Seligmanns Idee, diese Chronik als Roman und nicht als Sach- oder Geschichtsbuch zu konzipieren. So ist die «Kohle-Saga» vor allem die Geschichte des Leszek Bialowon geworden, der aus Oberschlesien zu Fuß nach Herne wanderte, um sein Glück als Kumpel im Kohlebergwerk «Shamrock» zu versuchen. Der Leser begleitet ihn und seine Familie durch die großen allgemeinen Katastrophen des letzten Jahrhunderts bis zum Niedergang des Kohlebergbaus ebenso wie durch die «kleinen» persönlichen Schicksalsschläge und Tragödien. So verläuft die umfassende Spaltung Deutschlands der Nazizeit auch mitten durch die Familie Bialo, wie sie sich inzwischen nennt. Rafael Seligmann ist ein hochkonzentriertes Porträt einer Epoche gelungen, das freilich teilweise darunter leidet, dass viele Entwicklungen aufgrund der Fülle des Stoffs nur im Schnelldurchlauf erzählt werden können. Trotzdem ist die «Kohle-Saga» gerade in einer Zeit, da die große Zeit des «Reviers» fast nur noch in humoristischen Anekdoten und Klischees beschworen wird, ein wichtiger und wirklich lesenswerter literarischer Beitrag, um diese Zeit wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. Eine Fortsetzung des Romans ist bereits fast fertiggestellt, eine Verfilmung nicht unwahrscheinlich.

Florian Hunger

«Die Kohle-Saga»
Hoffmann & Campe, 363 Seiten
19,95 Euro

«Jüdische Zeitung», Februar 2007