Klagen von Schoa-Überlebenden gegen die Jewish Claims Conference sind an der Tagesordnung. Foto: dpa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verhandlungssache

 

Weltweit leben immer noch zehntausende jüdische Holocaustüberlebende. Die Jewish Claims Conference (JCC) wurde 1951 gegründet, um ihre Rechte auf Entschädigungen zu vertreten. Die nichtstaatliche Organisation hat im Lauf der Jahre Milliardensummen für die Opfer verhandelt - doch jetzt steht sie unter Verdacht, sich selbst bereichert zu haben. Noch ist unklar, ob dieser Vorwurf gerechtfertigt ist. Eine mangelnde Transparenz der Geschäftsabläufe wurde ihr im Bericht einer unabhängigen israelischen Buchhaltungsfirma vorgeworfen. Daneben werden jedoch noch weitere Anschuldigungen laut. Überlebende und Nachkommen ziehen regelmäßig gegen die JCC vor Gericht. Sie klagen, die JCC behindere die Rückerstattung jüdischen Eigentums an die rechtmäßigen Erben und verwende Gelder nicht für ihren eigentlichen Zweck, nämlich Holocaustüberlebenden einen komfortablen Lebensabend zu bescheren.

Eine israelische Organisation hat sich nun mit der Bitte an den Bundesrechnungshof gewandt, eine Untersuchungskommission gegen die JCC einzuleiten, nicht zuletzt wegen möglicher Unregelmäßigkeiten in der Buchführung. Dem Bundesrechnungshof sind Schwierigkeiten in der Überprüfung der Organisation bekannt. Selbst ein Mitarbeiter der JCC gab zu, dass bei der Buchführung möglicherweise Fehler gemacht wurden, wenn auch nicht willentlich. Der Bundesrechnungshof lässt sich jedoch Zeit mit der Angelegenheit und sagte gegenüber der «Jüdischen Zeitung»: «Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.» Auch aus Sicht der JCC besteht wenig Grund, diese Debatte fortzuführen. Schließlich hat sie erst im Juni weitere Millionen an Entschädigungssummen mit der Bundesrepublik ausgehandelt. Dazu kommen mehr als 25 Abkommen zur Entschädigung von Holocaustüberlebenden seit den 1950er Jahren. Aus Sicht der Organisation ist die Kritik auf Missverständnisse zurückzuführen oder auf Gegner, die ihr schaden wollen. Das wiederum empört viele Überlebende und Nachkommen. Für sie werden ihre Schicksale immer mehr zur reinen Verhandlungssache.

 

«Jüdische Zeitung», Juli 2008