Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Hier bewegt sich wasIsrael ist Schwerpunkt auf dem diesjärigen Tanz- und Folkfestival in Rudolstadt
Alljährlich findet am ersten Wochenende im Juli im thüringischen Rudolstadt das bedeutendste Musikfestival Deutschlands für Weltmusik statt. Was relativ unschuldig vor nunmehr 53 Jahren, nämlich 1955, mit dem «Fest des deutschen Volkstanzes» und rund 110 einheimischen DDR-Tanzensembles in der Hoffnung auf ein «bald geeintes, friedliebendes und demokratisches Deutschland» begann, erhielt mit der Wende im Herbst 1989 alsbald ein neues Kleid. Bürgerbewegungen begannen, «das Tanzfest als ideologisch verkorkstes Jubelmeeting» zu geißeln. Im Juli 1991 schließlich fand das 1. Tanzund Folkfest neuer Prägung statt, damals noch in östlicher Unbefangenheit: Die Innenstadt war kaum renoviert, die Ludwigsburg unansehnlich - dafür kostete aber eine Dauerkarte für die gesamte Festivalzeit tatsächlich nur 15 D-Mark. Aus einem reinen Tanzfest wurde alsbald ein Tanz- und Folkfestival, mit Betonung auf internationaler Folk- und so genannter Weltmusik. Vom 4. bis zum 6. Juli 2008 findet es nun zum 18. Mal in neuer Prägung statt. Bereits 1993 begann man damit, Länderschwerpunkte zu setzen und aus einem bestimmten Land eine größere Anzahl von Musik- und Tanzgruppen einzuladen. Begann man 1993 mit Finnland, so gelangte man über Länder wie Südafrika (1995), Indien (1997) oder Griechenland (2004) schließlich nach Israel. Dazu sagt der Programmdirektor des Festivals, Bernhard Hanneken: «Wir suchen immer nach Ländern, bei denen wir aktuell das Gefühl haben, dort entwickelt, bewegt sich etwas. Dies ist bei Israel der Fall. Zudem war ein Land aus dem Vorderen Orient „dran".» Dabei waren Gruppen aus Israel oder dem Nahen Osten insgesamt bislang eher spärlich auf den bisherigen siebzehn Veranstaltungen vertreten. Zu nennen wären da lediglich Ya'ir Dal'al mit seinem Projekt «Al Ol» sowie letztes Jahr das Idan Raichel Project, gewissermaßen die «shooting stars» im israelischen Popbusiness und die Formation «Balkan Beat Box», die die Festivalleitung zwar weiterhin als aus den USA stammend einordnet, die vier Gründungsmitglieder sich aber auf Nachfrage ganz klar für «aus Israel» entschieden. Bei der Auswahl der israelischen Künstler setzte man in Rudolstadt nun eher auf «jung und unbekannt», da das Festival, wie sämtliche Projekte dieser Art, nur über ein beschränktes Budget verfügt, und im Falle Israels natürlich die Spesen höher ausfielen, als etwa bei einem Schwerpunkt „Frankreich" (2006). Hanneken: «Damit kamen also Noa, David Broza oder Chava Alberstein nicht in Frage.» Bereitwillig beteiligte sich am Festival die Botschaft des Staates Israels durch «einen kleineren, im Rahmen des Üblichen sonst eher höheren» finanziellen Beitrag, so auf Nachfrage die Aussage von Dan Golan, Leiter der Kulturabteilung der Botschaft, der es sich gleichzeitig nicht nehmen lassen möchte, persönlich in Rudolstadt vorbeizuschauen. Keinerlei Zusammenarbeit gab es nach Angaben Hannekens mit den diversen jüdischen Gemeinden in Deutschland, die etwa darin hätte bestehen können, der einen oder anderen Gruppe weitere Auftrittsmöglichkeiten vor oder nach dem Festival zu vermitteln. Allerdings hat die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, angesichts des gesetzten Schwerpunktes die Schirmherrschaft für dieses Festival übernommen.
Victoria Hanna: Bis heute ist den Eltern Hannas wahrscheinlich nicht bewusst, dass ihre Tochter öffentlich auftritt - nicht nur ist ihr Vater ein Rabbiner, die Familie zählt sich zu den Orthodoxen Jerusalems, so dass «Victoria Hanna» nichts anderes als ein Künstlername ist, letztlich auch sein muss. Nichtsdestotrotz setzt sie das familiäre Erbe insofern fort, indem sie religiöse Texte in hebräischer Sprache, verbunden mit theatralischen Elementen, Videos, Sprechtexten und akustisch-elektronischer Musik, einem nichtreligiösen Publikum zum Besten gibt. Sie selbst sieht ihre Kunst als gleichzeitig spirituell und experimentell, heilig und zeitgenössisch, während einige Kritiker von «hebräischem Electrotrance» sprechen. Izabo: Ein israelisches Rockquartett, das 2003 sein erstes Album mit dem Titel «Die Spaßmacher» herausbrachte. Derzeit einer der führenden Rock-live-acts in Israel, übrigens ganz im Gegensatz zum bisher gültigen Dogma, man könne als Unterhaltungskünstler in Israel nachhaltigen Erfolg nur in hebräischer Sprache haben: Disko, Psychodelia und Arabica werden in englischer Sprache präsentiert, irgendwie ein Stück Led Zeppelin auf israelisch. Yasmin Levy: Das Besondere an der 27-jährigen Israelin aus Jerusalem ist, dass sie auf Ladino singt, ein spanisches Derivat, das die Juden Spaniens und deren Nachkommen seit ihrer endgültigen Vertreibung 1492 im Wesentlichen beibehielten. Levy schafft es, mediterrane Einflüsse mit dem Flamenco Andalusiens und den über 500 Jahre alten Liedern der Juden Spaniens zu vermischen, musikalische maurische (d.h. islamische) und jüdische Relikte in unser Jahrhundert zu übertragen. Romantische Gedichte und Weisen, verteilt auf mittlerweile drei Alben, meist begleitet von Ud, Darbuka und Violine. Sameer Makhoul & Itamar Doari: Der Absolvent der Jerusalemer Musikakademie gilt in Israel als einer der führenden Udvirtuosen und stammt aus dem galiläischen Peki'in. Makhoul verbindet in seiner Musik traditionelle arabische Klänge mit denen türkischer und andalusischer Musik. Sein erstes und bislang einziges Album mit dem Titel «Fußabdrücke» erschien 2004 in Tel Aviv unter dem auf Ethnomusik spezialisierten Label «Magda». In letzter Zeit arbeitet er mit dem jüdischen Rahmentrommler Itamar Doari zusammen, der ebenfalls in Rudolstadt mit dabei sein wird. Amal Murkus: Aus dem galiläischen Kufr Yasif stammend, ist sie wie Makhoul eine Vertreterin der arabischen Minderheit Israels, die immerhin an die 20 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Ihre Lieder sind von palästinensischem und arabischem Erbe beeinflusst, aber auch von westlichem Pop, und drücken in Musik und Text ihren Kampf gegen die Marginalisierung arabischer Kultur aus. Murkus ist einer der wenigen arabischen Künstler Israels, die mit ihren bisherigen drei Alben und Livekonzerten auch in den jüdischen Kreisen Israels Anerkennung findet, was womöglich einer der Gründe sein kann, dass islamistische Gruppierungen ihre Konzerte immer wieder auch vor israelisch-arabischem Publikum durch Gewaltandrohungen verhindern möchten. In Rudolstadt wird sie nicht nur von ihrem festen Ensemble, sondern auch von den «Thüringer Symphonikern Saalfeld- Rudolstadt» begleitet. Sheva: Dieses Septett ist sicher in einem Atemzug zu nennen mit Gruppen wie Essev Bar oder Gayah: Alles Vertreter einer Weltmusik, die dann zur Partymusik wird, wenn in den Auditorien die Sitzplätze obsolet werden und die Musik gewissermaßen zum Mittanzen verpflichtet. Da in den Liedtexten der Gruppe die Thematik «Friede» ein zentrales Thema einnimmt, ist es nur konsequent (jedoch andererseits im musikalischen Ethnobereich Israels überhaupt nichts Außergewöhnliches), dass der Schlagzeuger von Sheva (für die Zahl 7 stehend) der arabischen Minderheit Israels angehört. Biblische Motive und mystisch-spirituelle Elemente ergänzen das breite Spektrum der 1996 gegründeten Band, die bis dato bereits vier Alben veröffentlichte, das letzte mit dem Titel «live in Australia». Tizmoret: Eher unbekannt ist dieses Septett, das sich lediglich «Orchester» nennt. Laut Eigenwerbung spielen sie nicht nur die Hochzeitsmusik der Juden und Roma Osteuropas, sondern nehmen auch Anleihen an «orientalischem Salsa», jüdischen liturgischen Gesängen, irakischer und türkischer Musik. Heraus kommt eine durchaus sehr funkige, jazzige und druckvolle Melange, wie das bis dato einzige Album «Volksorchester », eingespielt zwar bereits 2003, erschienen aber erst 2006, belegt. Der Bassist Naor Carmi spielte übrigens in der letzten Formation der wesentlich bekannteren «Bustan Abraham». Volkstanz Mate Yehuda: Aus dem westlich an Jerusalem angrenzenden Regionalbezirk «Mate Jehuda» kommt ein Volkstanzensemble, das sofort sämtliche Kriterien der Veranstalter erfüllte: Live-Musiker und ein Tanzensemble, das ein breites Spektrum der Multikultur Israels abbildet. Rund 45 Aktive werden vor Ort ein Zentrum für ethnischen Volkstanz einrichten, um die (Tanz-)Traditionen einiger der fast unzähligen ethnischen Gruppen Israels zu pflegen, dieses Mal mit Gruppierungen folgender fünf Ethnien, die in Formationen zwischen sechs bis zehn Tänzern auftreten werden: den jeweils jüdischen Marokkanern, Kurden, Jemeniten und Cochinim (Indien) sowie den israelischen Arabern. Auf der Schlussveranstaltung am Sonntag ist auf der Hauptbühne am Marktplatz ein großes, gemeinsames, israelisches Finale geplant. |