Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Zähl nicht die Stunden bis zur Ewigkeit»von Danny Scheinmann
Welche unglaublichen Schätze von Geschichten mitunter in der Vergangenheit unserer schweigsamen Väter und Großväter schlummern, beweist der angesehene britische Bühnenschauspieler Danny Scheinmann in seinem Debütroman auf überraschend einfühlsame und wesentlich unprätentiösere Art und Weise als der schwülstige deutsche Titel befürchten lässt. Ein tragischer persönlicher Verlust veranlasste den jungen Autor vor einigen Jahren dazu, seine Familiengeschichte näher zu erforschen, wobei er auf die wunderbare Geschichte seines Großvaters Moshe Scheinmann stieß, der im Ersten Weltkrieg aus der russischen Gefangenschaft floh und sich im Verlauf von drei Jahren zu Fuß von Sibirien bis in sein galizisches Heimatdorf Ulanow durchschlug, beseelt und getrieben allein vom Eheversprechen seiner Jugendliebe Lotte. Knapp zwanzig Jahre später war es lediglich Moshes ältester Sohn, der Vater des Autors, der dem Nationalsozialismus mittels eines Kindertransports nach England entkommen sollte. Der literarische Debütant hat offenkundig keine Angst vor Pathos - die wesentliche Aussage seines Buches lautet: Liebe ist die wesentliche ureigene menschliche Antriebskraft, sie vermag jede Art von Unheil zu überwinden, auch den Tod, selbst wenn sie nicht in letzter Konsequenz erwidert wird - oder wie der Talmud sagt: «Für jede Liebe, so sie von einem Ding abhängt, gilt: hört das Ding auf, hört auch die Liebe auf. So sie aber nicht von einem Ding abhängt, gilt: sie höret nimmer auf.» In dieser Kernaussage besteht auch der wesentliche Lernprozess des eigentlichen Protagonisten des Romans, des jungen Biologen Leo, der auf einer Südamerikareise die Liebe seines Lebens bei einem tödlichen Unfall verliert und dadurch selbst jeglichen Lebensmut einbüßt. Erst die bereits erwähnte Geschichte seines Großvaters hilft ihm, sich den Herausforderungen seines Lebens erneut zu stellen. Was Danny Scheinmanns Roman so schwer fassbar macht, ist sein mitunter etwas aufdringlicher Wille zur literarischen Lebenshilfe, der die Originalität der Handlung zuweilen ein wenig in den Hintergrund rücken lässt. Letztlich ist diese Geschichte in der Geschichte aber von so großer Qualität, dass sie die Schwächen des Buches allemal aufwiegt.
«Zähl nicht die Stunden bis zur Ewigkeit», aus dem Englischen von Franca Fritz und Heinrich Koop, erschienen bei Pendo, 415 Seiten, 19,90 Euro |