Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Finsternis»von Simone van der Vlugt
Der Verbleib der Bundeslade aus dem Jerusalemer Tempel gehört zu den großen Rätseln der Menschheitsgeschichte. Da sich aber aus archäologischer Sicht nicht einmal eine auch nur annähernd verbindliche Aussage treffen lässt, ob dieser sagenumwobene Kultgegenstand überhaupt jemals existiert hat, würde heute kaum ein seriöser Archäologe es wagen, mit einer neuen Theorie an die Öffentlichkeit zu gehen. Aus dem unerschöpflichen Repertoire abseitiger Spekulationen über Funktion und Aufenthaltsort der Bundeslade bedient sich in ihrem neuen Roman die holländische Schriftstellerin Simone van der Vlugt, die sich zunächst mit zahlreichen hochgelobten historischen Jugendbüchern einen Namen machen konnte und zuletzt mit zwei spannenden Psychothrillern für erwachsene Leserinnen auch in Deutschland Überraschungsbestseller verbuchen konnte. Ihr neues Buch «Finsternis» ist vor allem stilistisch interessant, da es der erste Verschwörungsthriller für ein vorwiegend weibliches Publikum ist. Birgit, ein überzeugter Single, lernt eines Abends den Reiseschriftsteller Jef kennen. Nach einer verheißungsvollen ersten Nacht und einem ebenso vielversprechenden gemeinsam verbrachten Tag bricht plötzlich das Chaos in das Leben der erfolgreichen Immobilienmaklerin ein, denn ihr Liebhaber wird von einem geheimnisvollen, zu allem entschlossenen Mörder verfolgt, der möglicherweise auch für das spurlose Verschwinden seines Vaters verantwortlich ist, einem allseits belächelten Archäologen vom Format eines Erich von Däniken, der in einem altägyptischen Grab auf die Spur der verschollenen Bundeslade gestoßen zu sein scheint. Gemeinsam machen sich die beiden frisch Verliebten auf eine gefährliche Reise, die sie unter anderem nach Ägypten, auf den Berg Sinai und ins französische Chartres führt. Das ist nicht nur spannend geschrieben, sondern bietet auch ein erheblich höheres Maß an Romantik als in diesem Genre sonst üblich ist. Wer mit den beiden Protagonisten zu glauben geneigt ist, dass auch antike Kulturen schon zu technischen Höchstleistungen in der Lage gewesen sein könnten, wird an der überraschenden Auflösung des Geheimnisses um die Bundeslade seine Freude haben. Und am Ende erweist sich alles als längst nicht so ernst wie etwa bei Dan Brown, denn wichtiger als die Integrität eines religiösen Symbols ist schließlich doch das Überleben des menschlichen Individuums.
«Finsternis», aus dem Niederländischen von Eva Schweikart, erschienen bei Diana, 366 Seiten, 19,95 Euro |