«Kreuzzug gegen das Land des Mahdi»

von Winston S.Churchill

 

Der Name Winston Churchills (1874-1965) ist im politischen Gedächtnis der meisten Menschen heute fast ausschließlich mit seinen beiden Amtszeiten als britischer Premierminister, insbesondere als Gegenspieler Hitlers verbunden, und nur die wenigsten erinnern sich noch daran, dass derselbe Mann im Jahr 1953 für seine zahlreichen politischen und historischen Sachbücher den Nobelpreis für Literatur zugesprochen bekam. Die bibliophile Andere Bibliothek im Eichborn-Verlag bietet uns nun (nach einem seit Mai in der FAZ eingerichteten Vorabdruck) die willkommene Gelegenheit, den Schriftsteller Winston Churchill anhand einer ersten deutschen Ausgabe seines ersten wirklichen Bestsellers aus dem Jahr 1899 wiederzuentdecken, einer stilistisch brillanten und in seiner Analyse überaus bestechenden Zusammenfassung des englisch-ägyptischen «Kreuzzuges gegen das Land des Mahdi», der Rückeroberung des Sudan in den Jahren 1896 bis 1898 mit Hilfe modernster, den traditionellen Reiterarmeen des militärischen Gegners hoffnungslos überlegener Waffentechnik. Zuvor hatte Mohammed Ahmed, ein nach unserer heutigen Definition bis «militanter Fundamentalist», der für sich in Anspruch nahm, als Mahdi (=Messias) von Gott gesandt worden zu sein, um auf dem gesamten Gebiet des Osmanischen Reiches einen islamischen Gottesstaat zu errichten, im Jahr 1885 seine unter ägyptischer Verwaltung stehende Heimat, insbesondere Khartum, unter seine Kontrolle gebracht und den britischen Gouverneur Charles George Gordon grausam töten und öffentlich zur Schau stellen lassen. Nach dem Willen des britischen Oberbefehlshabers Herbert Kitchener hätte der unbequeme, für seine offene, kritische Haltung bekannte Offizier und Journalist Churchill gar nicht an diesem Feldzug teilnehmen sollen. Tatsächlich scheute sich der spätere Premierminister in der ersten Fassung seines Buches nicht, Verfehlungen der Militärführung öffentlich anzukreiden - in späteren Versionen eliminierte er diese Passagen allerdings eigenhändig. Der fleißige Herausgeber und Übersetzer Georg Brunold hat die verschiedenen Textvarianten der einzelnen britischen Ausgaben sorgfältig miteinander verglichen und dem Text der Urausgabe ein sehr erhellendes Vorwort vorangestellt, das insbesondere auf die offensichtlichen Parallelen zu unserer Zeit eingeht, wie sie schon in der deutschen Übersetzung des im Original wesentlich unspektakulärer klingenden Titels «The River War» anklingen.

 

«Kreuzzug gegen das Reich des Mahdi», aus dem Englischen von Georg Brunold, erschienen in der Anderen Bibliothek bei Eichborn, nummeriert und limitiert, 456 Seiten, 34 Euro.

Florian Hunger

«Jüdische Zeitung», Juli 2008