Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Juli 2008von Corina Teichert und Max Holtmann
1. Juli 1934 Sydney Pollack
Als Sydney Irwin Pollack am 26. Mai 2008 in Los Angeles starb, verglühte einer der letzten großen Sterne Hollywoods. Pollack, Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland, war einer der letzten Alleskönner des amerikanischen Filmgeschäfts: Ob vor oder hinter der Kamera, in Schauspielschulen oder Fernsehproduktionen, es gibt wohl keinen Bereich der Filmindustrie, den Pollack nicht kannte. Und es war mehr als Hollywood, es war der vielbeschworene amerikanische Traum vom Tellerwäscher zum Millionär, den Pollack verkörperte. Er wurde in Lafayette in Indiana geboren und wuchs in den Straßen des New Yorker Problemviertels Brooklyn auf. Nach Abschluss der High School absolvierte er ein Schauspielstudium an der renommierten New Yorker Neighborhood Playhouse, das er 1954 abschloss. 1958 heiratete Pollack Schauspielerin Claire Griswold mit der er drei Kinder hat. Er arbeitete zunächst als Assistent Sanford Meisners und übernahm später erste Rollen in Fernseh- und Broadway-Produktionen. Ab 1960 führte er bei Fernsehfilmen Regie und gab sein Debüt als Spielfilmregisseur mit «Stimme am Telefon», in dem er selbst auch als Darsteller mitwirkte. Darauf folgte das Südstaatendrama «Dieses Mädchen ist für alle», dessen Drehbuch der damals noch unbekannte Francis Ford Coppola geschrieben hatte. Mit dem Film «Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss» über das Elend im Amerika der Weltwirtschaftskrise erregte Pollack große Aufmerksamkeit und erhielt seine erste Oscarnominierung. Die Kritik an der antikommunistischen Hetzkampagne des Senators McCarthy in seinem Film «Cherie Bitter - So wie wir waren» mit Barbara Streisand und Robert Redford fiel der Zensur zu großen Teilen zum Opfer. Pollack wollte bei seinen Filmproduktionen erfolgreich sein, nicht sympathisch. Das verkörpern auch die Rollen, die er als Schauspieler übernahm. Er spielte mit sichtlicher Freude Bösewichte. Mit «Die drei Tage des Condors» schuf er 1975 einen der bekanntesten Politthriller aller Zeiten und katapultierte Robert Redford endgültig in den Rang eines Weltstars. Dass er allerdings auch das Genre des bildgewaltigen Gefühlskinos beherrschte, bewies Pollack 1985 mit «Jenseits von Afrika». Der Film gewann sieben Oscars und spielte das Dreifache seiner Produktionskosten ein. Zu seinen größten kommerziellen Erfolgen zählt die Verfilmung des John-Grisham-Bestsellers «Die Firma» 1993. Sein letzter großer Coup als Regisseur gelang ihm 2005 mit «Die Dolmetscherin», in dem Nicole Kidman die Hauptrolle spielte.
3. Juli 1883 Franz Kafka
«Richtiges Auffassen einer Sache und Missverstehen der gleichen Sache schließen einander nicht vollständig aus.» Dieser Satz stammt aus Franz Kafkas bekanntestem Werk «Der Prozess» von 1925. Doch beschreibt diese Aussage auch die zahllosen Deutungsversuche von Kafkas Dichtung. Kafka wurde als Sohn des Kaufmanns Hermann Kafka und dessen Frau Julie, geb. Löwy, in Prag geboren. Nach dem Abitur an einem humanistischen Staatsgymnasium, das er 1901 mit «befriedigend» bestand, begann er noch im selben Jahr sein Studium an der Karl-Ferdinand-Universität zu Prag. Nachdem er ein Semester Germanistik und Kunstgeschichte studiert hatte, wechselte er zum Jurastudium, das er 1906 abschloss. In dieser Zeit lernte er auch seinen engsten Freund Max Brod kennen, der Kafkas literarische Begabung erkannte und den Kontakt zum Leipziger Rowohlt Verlag vermittelte. Nach kurzer Anstellung bei einer privaten Versicherungsgesellschaft arbeitete Kafka von 1908 bis 1922 in der «Arbeiter-Unfall- Versicherungsanstalt für das Königreich Böhmen». In der versicherungstechnischen Abteilung tätig, hatte er direkten Einblick in die katastrophal gefährlichen Arbeitsbedingungen der zeitgenössischen Industrie. Kafka entwickelte einige Vorschläge zur Unfallverhütung. Von seiner Versicherungsfirma als «unersetzliche Fachkraft» reklamiert, wurde Kafka im Ersten Weltkrieg nicht an die Front eingezogen. Seine Arbeitssituation als langweilig und bedrückend empfindend begann er sich immer intensiver um seine literarische Produktion zu kümmern. Nach einem Aufenthalt im Sanatorium aufgrund einer Lungenerkrankung 1911, veröffentlichte er 1912 mit «Betrachtung» sein erstes Buch, eine Sammlung von 18 kurzen Prosastücken. 1914 verlobte er sich mit Felice Bauer, trennte sich aber noch im selben Jahr wieder von ihr. Nach seiner zweiten Verlobung mit ihr im Juli 1917 löste er die Verbindung im Dezember endgültig. Im September 1917 wurde bei Kafka Lungentuberkulose diagnostiziert und er zog zu seiner jüngsten Schwester Ottilie nach Zürau. 1922 erschien seine Erzählung «Das Schloss». Kafka zog 1923 zusammen mit seiner Verlobten Dora Diamant nach Berlin, wo er bis 1924 lebte. Sein sich rapide verschlechternder Gesundheitszustand, die Inflation und die politischen Unruhen im Deutschen Reich veranlassten ihn, nach Prag zurückzukehren. Am 3. Juni 1924 starb Franz Kafka im Sanatorium in Kierling bei Wien. Obwohl er verfügt hatte, seine literarische Hinterlassenschaft restlos und ungelesen zu verbrennen, veröffentlichte Max Brod 1925 postum den Roman «Der Prozeß» und in den kommenden Jahren «Amerika», sowie weitere Fragmente, Briefe und die Tagebücher seines Freundes. Literaturkennern wie Walter Benjamin oder Kurt Tucholsky war Kafka bereits in den 1920er Jahren ein Begriff. Weltweit bekannt wurde Kafkas Werk erst nach dem Zweiten Weltkrieg, zunächst in den USA und Frankreich, in den 1950er Jahren dann auch im deutschsprachigen Raum. Eine wichtige Frage in den unterschiedlichen Interpretationsansätzen zu seinem Werk nimmt der Einfluss der jüdischen Religion und Kultur auf sein Werk ein. Von Gershom Scholem wurde Kafka eher der jüdischen als der deutschen Literaturgeschichte zugeordnet.
7. Juli 1897 Marc Chagall
Moishe Zakharovich Shagalov wurde in Liosno bei Witebsk im heutigen Weißrussland geboren. Der Sohn eines orthodox-religiösen Arbeiters wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, lediglich das beherzte Engagement der Mutter ermöglichte ihm eine klassische Schulbildung, die den meisten Juden im zaristischen Russland der Jahrhundertwende verwehrt war. Als Schüler des Malers Jehuda Pen führte ihn sein Weg 1907 nach St. Petersburg, wo ihn die dortige Kunstakademie zunächst ablehnte. Von der Kaiserlichen Gesellschaft zur Förderung der Künste aufgenommen, verließ er diese bereits 1908 wieder, um sein Studium an der Swansewa-Schule fortzusetzen. Hier begeisterte er sich erstmals für moderne Malerei. Mit der Unterstützung eines Gönners wagte Chagall 1910 den Aufbruch nach Paris. Die Metropole, damals das Zentrum geistigen Umbruchs in Europa, verfehlte ihre Wirkung auf den jungen Mann nicht. Angestiftet durch die Ausdrucksstärke und Farbenfreude der Bilder von Matisse, van Gogh und Gauguin erhielt Chagall jene Impulse, die ihn später zu einem der wichtigsten Maler des 20. Jahrhunderts werden ließen. Von Berlin aus, wo im Frühling 1914 seine erste Einzelausstellung stattfand, begab er sich auf den Weg in die russische Heimat. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs machte ihm die Rückkehr nach Paris oder Berlin unmöglich. Chagall entwickelte sich in dieser Zeit zum Anhänger der bolschewistischen Revolution in Russland. Sein Beitrag zum gesellschaftlichen Umbruch war die Gründung einer modernen Kunstschule in seiner Heimatstadt Witebsk. Nach politischen Konflikten kehrte Chagall 1922 erst nach Berlin, später nach Paris zurück. Die erste Einzelausstellung in New York 1926 verschaffte dem Künstler internationale Popularität. Darüber hinaus sicherte ihn ein Vertrag mit dem Kunsthändler Bernheim auch finanziell ab. Von dem Verleger Vollard erhielt Chagall 1930 den Auftrag zur Illustration von Bibelmotiven. Zum ersten Mal reiste er nun nach Palästina. Die Begegnung mit dem «Land der Väter» hinterließ großen Eindruck auf Chagall: «Nirgendwo sieht man so viel Verzweifelung und so viel Freude; nirgends ist man so erschüttert und so glücklich zugleich beim Anblick dieses tausendjährigen Haufens von Steinen und Staub in Jerusalem, in Sefad, auf den Bergen, wo Propheten über Propheten begraben liegen», beschrieb der Künstler in seiner 1931 erschienenen Autobiographie seine Reiseerlebnisse. Darin spiegelt sich auch seine tiefe Religiosität wider. Nach der «Machtergreifung» Hitlers bekam Chagall auch in Frankreich die Folgen des Antisemitismus zu spüren, 1937 wurden seine Werke in Nazi-Deutschland als «entartete Kunst» gebrandmarkt. Im christlichen Motiv der Kreuzigung Jesu Christi fand Chagall den Ausdruck seiner Bestürzung und Fassungslosigkeit angesichts der Vorgänge in Europa. Lediglich durch Fürsprecher des New Yorker «Museum of Modern Art» entging er der Auslieferung an die Nazis durch das Vichy-Regime. Er erreichte 1941 das amerikanische Exil. 1957 wurde in Haifa das Chagall-Haus eingeweiht. In den folgenden Jahrzehnten fanden weltweit Ausstellungen seiner Werke statt, außerdem erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und prestigeträchtige Aufträge, wie die Gestaltung der Kathedralenfenster in Metz und Reims, das Mosaik der First National Bank in Chicago oder die Wandfelder der Knesset in Jerusalem. Marc Chagall starb am 26. März 1985 im französischen Saint-Paul-de- Vence. Die Mischung aus religiöser Symbolik und Heiterkeit machen ihn zu einem der bekanntesten, auch dem breiten Publikum zugänglichen Maler des 20. Jahrhunderts.
9. Juli 1887 Margarete BerentMargarete Berent war eine deutsche Juristin und die erste Rechtsanwältin Preußens. Als Kind eines Geschäftsmanns wuchs sie in Berlin auf und machte nach ihrem Abitur am Königstädtischen Realgymnasium, 1906 ihr Lehrerinnenexamen für Mittlere und Höhere Mädchenschulen. In den folgenden Jahren war sie als Lehrerin tätig. Von 1910 bis 1913 studierte sie in Berlin und Erlangen Rechtswissenschaften und promovierte über die «Zugewinngemeinschaft der Ehegatten» magna cum laude. Da zu dieser Zeit Frauen in Preußen zu den juristischen Staatsprüfungen und Vorbereitungsdiensten nicht zugelassen waren, erlangte sie ihre juristische Ausbildung und Praxis auf andere Weise. So arbeitete sie in verschiedenen Anwaltsbüros in Berlin, in der Rechtsschutzstelle in Charlottenburg und als juristische Hilfskraft bei AEG. Nachdem Frauen seit 1919 in der Weimarer Republik dann zum Staatsexamen zugelassen wurden, legte sie im Dezember desselben Jahres das Referendarexamen mit der Note «gut» ab. Nach einem Referendariat und dem Zweiten Staatsexamen öffnete sie im März 1925 ihr eigenes Anwaltsbüro in Berlin. Sie wurde damit zur ersten Rechtsanwältin Preußens. «1933 war die Anwaltskanzlei meine Existenzgrundlage. Ich hatte mich erfolgreich mit meiner Kanzlei etabliert und mein Einkommen machte es mir möglich, schnell auszureisen. Ich muss noch hinzufügen, dass ich das Vertrauen, Prestige und die wachsende Anerkennung genoss», schrieb sie in den 1950er Jahren rückblickend. Am 19. Juni 1933 wurde sie als Jüdin aus der Rechtsanwaltskammer ausgeschlossen und begann noch im gleichen Jahr für die Zentrale Wohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin und Köln zu arbeiten. Erst im November 1939 verließ sie Deutschland und reiste über die Schweiz und Italien nach Chile aus, wo sie ihren Lebensunterhalt als Lehrerin verdiente. Als sie ein Visum erhielt, zog sie im August 1940 nach New York. Nach einem erneuten Jurastudium - ihr Studium in Deutschland wurde in den USA nicht anerkannt - konnte sie 1949, nun schon 63 Jahre alt, wieder als Rechtsanwältin tätig werden. Margarete Berent setzte sich zeitlebens als Anwältin für Frauenrechte ein. So war sie Mitglied in einigen Frauenverbänden, wie dem Jüdischen Frauenverband. Ihre Dissertation von 1914 war 1958 eine der Grundlagen bei der Umgestaltung des ehelichen Güter- und Erbrechtes in der Bundesrepublik Deutschland.
24. Juli 1890 Selma SternSelma Stern war eine der ersten deutschen Historikerinnen. Sie gab der jüdisch-deutschen Geschichtsschreibung entscheidende Impulse. Stern wurde 1890 als Tochter eines jüdischen Arztes in Kippenheim bei Baden- Baden geboren. In Baden-Baden besuchte sie, als erstes Mädchen überhaupt, das humanistische Gymnasium. Ihr Abitur bestand sie 1909 mit Auszeichnung. Es folgte ein Geschichtsstudium an der Universität Heidelberg, wo Stern 1913 auch promovierte - keinesfalls eine Selbstverständlichkeit im damaligen Kaiserreich, das Frauen erst seit der Jahrhundertwende eine akademische Ausbildung zugänglich machte. Ab 1918 arbeitete sie an der Berliner Akademie für die Wissenschaft des Judentums. 1927 heiratete sie den Leiter und Gründer des Instituts, Eugen Täubler. Dieser animierte Selma Stern zur Auseinandersetzung mit dem deutschen Judentum und unterstützte ihre Forschung. An der Akademie begann sie ab 1920 mit der Arbeit zu ihrem Werk «Der preußische Staat und die Juden», das 1925 erstmals erschien. Es folgte 1929 die Monographie «Jud Süß. Ein Beitrag zur deutschen und jüdischen Geschichte». Darüber hinaus veröffentlichte sie eine Biographie Josels von Rosheim (1476-1554), eines Vorkämpfers jüdischer Interessen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Ihre Werke eröffneten eine neue historische Perspektive und leiteten erstmals ein jüdisch-deutsches Geschichtsverständnis ein. Von den Folgen der NS-Herrschaft blieb indes auch Stern nicht verschont. So wurde 1933 die Schließung der Akademie veranlasst, 1941 sah sich das Ehepaar Täubler/Stern gezwungen, Deutschland zu verlassen und in die USA zu emigrieren. Im Gegensatz zu ihrem Mann war es Stern nicht vergönnt, auf Anhieb eine Arbeitsstelle zu finden. Es begann eine Phase der Untätigkeit und Depression. Ab 1947 arbeitete sie dann als Archivarin in den American Jewish Archives in Cincinatti, 1951 war sie Mitbegründerin des renommierten New Yorker Leo-Baeck-Instituts. 1960 entschied sich Stern zur Rückkehr nach Europa. Da Deutschland als Wohnort für sie nicht mehr in Frage kam, verlegte sie ihren Wohnsitz nach Basel. Dennoch gebührte der jüdischdeutschen Geschichte auch weiterhin ihr Hauptaugenmerk. Viele ihrer Werke wurden erst jetzt vollständig veröffentlicht. So zum Beispiel ihr Frühwerk «Der preußische Staat und die Juden», das zwischen 1962 und 1975 erstmals in der kompletten, vierbändigen Ausgabe erschien. Selma Stern starb 1981 in Basel.
25. Juli 1905 Elias CanettiDer Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Elias Canetti wurde im bulgarischen Rutschuk als ältester Sohn einer wohlhabenden sefardisch-jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Er verbrachte bis zum frühen Tod seines Vaters 1912 seine Kindesjahre in Bulgarien und England. Danach führte er ein unstetes Leben mit seiner Mutter und seinen zwei jüngeren Brüdern in Österreich, der Schweiz und Deutschland. Nach dem Abitur an der Wöhlerschule in Frankfurt am Main, studierte Canetti ab 1924 Chemie in Wien. 1928 arbeitete er während der Semesterferien in Berlin bei Wieland Herzfelde als Übersetzer in dessen Malik-Verlag, lernte die dortige Künstlerszene um Bertolt Brecht und Isaak Babel kennen und wurde durch den Vergleich zwischen dem gemütlichen Wien und dem «Irrenhaus» Berlin zu seinem Roman «Die Blendung» angeregt, den er 1930/31 schrieb. Die Arbeit als Übersetzer nahm er nach seiner Promotion ein Jahr später wieder auf. 1934 heiratet er Veza Taubner-Calderon, mit der er 1938 nach dem «Anschluss» Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland über Paris nach London emigrierte. Nach 20-jähriger Recherchezeit erschien 1960 sein theoretisches Hauptwerk «Masse und Macht». Darin liefert er eine Analyse der Beziehung von Mensch und Gesellschaft mit den Mitteln eines ethnographisch-psychologischen Ansatzes. Im Mai 1963 starb seine Frau, mit der er in einer freien Ehe mit Nebenfrauen gelebt hatte. Die Uraufführung seines ersten Dramas «Hochzeit» 1965 am Staatstheater Braunschweig geriet wegen der darin enthaltenen unkonventionellen Gedanken zur Ehe zum Theaterskandal. 1971 heiratete er Hera Buschor, die ihm ein Jahr später sein einziges Kind Johanna gebar. Canetti erhielt 1972 den Büchner-Preis und 1983 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Nachdem er 1981 für sein schriftstellerisches Werk mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, entschloss er sich, keine Interviews mehr zu geben und keine Lesungen mehr zu halten. Lange Zeit bestimmten seine Autobiographien das Bild seiner Persönlichkeit in der Öffentlichkeit. Erst in aktuellen Biographien wird dieses Bild relativiert. Es scheint, dass Canetti nicht nur ein Macht-Forscher, sondern auch ein Macht-Mensch war. Canetti, dessen Werke in 25 Sprachen übersetzt wurden, starb am 14. August 1994 in Zürich. |