Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Mangelnde Sprachkenntnisse als größte HürdeDie Jüdische Gemeinde Cottbus feierte zehnjähriges Bestehen
Vor genau einem Jahrzehnt, am 15. Juli 1998, ist die Jüdische Gemeinde Cottbus, die bis zum Jahr 1938 existiert hatte, neu gegründet worden. Von zehn Zuwanderern aus den ehemaligen Sowjetrepubliken ins Leben gerufen, ist die Gemeinde mittlerweile auf 360 Mitglieder angewachsen. Vollständig in die Gesellschaft integriert sehen sie sich aber auch nach zehn Jahren noch nicht. Vorstandsmitglied Max Solomonik hält die Gemeindemitglieder für zu etwa 80 Prozent integriert. «Für unsere Mitglieder ist es sehr schwierig, in Cottbus oder Umgebung Arbeit zu finden», sagt der 44jährige Zuwanderer aus Russland. Wegen der Arbeitsmarktlage sei es wiederum nicht leicht, die deutsche Sprache zu erlernen. «Weil die Sozialkontakte, die durch eine Arbeitsstelle entstehen könnten, fehlen, mangelt es an Sprachpraxis», sagt er. Die Privatkontakte wiederum seien mitunter recht unterschiedlich. In einigen Fällen gebe es intensive Beziehungen mit Nachbarn, häufig aber beschränkten sich die Kontakte auf das Grüßen im Hausflur. Sprache aber, so Solomonik, sei entscheidend für die Integration. «In Sprachkursen versuchen wir deshalb, die Defizite zu beheben.» Max Solomonik selbst ist vor sechs Jahren aus Russland nach Deutschland gelangt. Er hatte vor seiner Abreise lediglich die Information, dass er ins Bundesland Brandenburg komme. «Welche Stadt genau, das wusste ich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht.» Im Nachhinein sei er aber froh, dass die Wahl auf Cottbus fiel. Auch er suche derzeit einen Job. «Ich würde gern in Cottbus bleiben, weil mir die Stadt wirklich gefällt. Doch wenn ich woanders einen Job finde, muss ich mich entscheiden.» Solomonik zufolge stammen alle Mitglieder der Jüdischen Gemeinde aus der ehemaligen Sowjetunion. «Wir sind eine russischsprachige Gemeinde, die vor fünf Jahren den Status eines eingetragenen Vereins bekam», sagt er. Neben den sozialen und kulturellen Aktivitäten versteht sich die Gemeinde vorrangig als Religionsgemeinschaft. Vier Wohnungen in der Cottbuser Einkaufsstraße Sprem sind das Vereinsdomizil. «Dafür sind wir der Stadtverwaltung und der Cottbuser Gebäudewirtschaft (GWC) sehr dankbar.» In der Spremberger Straße wird auch die Mehrzahl der religiösen Feste gefeiert. «Dazu gehört natürlich der Schabbat, der jeden Freitag und Samstag in den Räumen begangen wird», erzählt Solomonik. Ein Vorbeter, der zum Schabbat anreist, unterstütze dabei die Gemeinde, die seit 2003 als eingetragener Verein besteht. Für das populäre Channuka-Fest allerdings reichten diese Räume nicht aus. Wo die 360 Mitglieder dieses Ereignis in diesem Jahr feiern werden, weiß der Vereinsvorstand noch nicht. «Wir sind noch auf der Suche», sagt Solomonik, der sich auch wieder eine Synagoge in Cottbus wünscht. «In der ,Reichskristallnacht' 1938 wurde die damalige Synagoge in Brand gesetzt.» Mit diesem Datum hörte auch die Gemeinde auf zu existieren. Auch der Vorstandsvorsitzende Ghennadi Cusnir betont, «dass sein sehnlichster Wunsch eine Synagoge in Cottbus ist.» Ein Höhepunkt in der jüngeren Gemeindevergangenheit ist der «Zug der Erinnerung » gewesen, der am 25. April in Cottbus Station gemacht hatte. Viele Cottbuser hatten die rollende Ausstellung besucht, die der NS-Deportationen rund einer Million Kinder und Jugendlicher mit der «Reichsbahn» gedachte. «Leider sind an diesem Sonntag auch Nazis vor Ort gewesen», sagt Solomonik. Das sei ein gesamtdeutsches Problem, das täglich bekämpft werden müsse. Die Jüdische Gemeinde will ihren Teil dazu beitragen. Im September 2004 wurde ein Integrationszentrum eröffnet, dessen Hauptaufgabe die praktische Hilfe bei der Eingliederung in die deutsche Gesellschaft ist. Gegenwärtig arbeiten die Mitglieder an einer Jugendbegegnungsstätte in den Gemeinderäumen. «Diese soll ein Ort der Begegnung sein und zu Integration und einem toleranten Miteinander beitragen.» Außerdem seien die meisten Gemeindemitglieder nicht mehr ganz so jung. Da tue frisches Blut ganz gut...
Michél Halasi ist Volontär bei der Lausitzer Rundschau, die seinen Beitrag bereits am 16.07.08 veröffentlicht hat.
Förderung für Juden in Brandenburg Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka hat Anfang Juli den neuen Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden im Land Brandenburg, Ghennadi Cusnir, sowie den stellvertretenden Vorsitzenden, Vladimir Genkin, begrüßt und ihnen zu ihrer Wahl ins Amt gratuliert. Die beiden waren im Mai gewählt worden. «Das Land hat erneut kompetente Ansprechpartner für die Weiterentwicklung des jüdischen Lebens in Brandenburg und ich freue mich auf die Zusammenarbeit», betonte Wanka. Bei dem rund einstündigen Gedankenaustausch äußerte die jüdische Seite den Wunsch nach einer Aufstockung des im Staatsvertrag vereinbarten Landeszuschusses von 200.000 Euro. Die Ministerin sagte hier Unterstützung zu. Im Staatsvertrag ist eine Überprüfung des Zuschusses nach fünf Jahren, also für 2010, vorgesehen. Sehr erfreut zeigte sich die Ministerin über das Bemühen der Gemeinde, ihren Tilgungsverpflichtungen nachzukommen. Auch für den Bau einer Synagoge in Potsdam sagte Professorin Wanka ihre Unterstützung zu. Zudem äußerte die Gemeinde - Vladimir Genkin ist auch Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Stadt Potsdam - den Wunsch nach einem Landesrabbiner. Bislang werden die Mitglieder des Landesverbandes ausschließlich von Rabbiner Nachum Pressman (Chabad Lubawitsch) betreut. Inwieweit die eigentlich selbstverständliche Einbindung des an der Universität Potsdam beheimateten Abraham- Geiger-Kollegs, das in Zusammenarbeit mit dem Zentralrat der Juden im Land Brandenburg Rabbiner und Kantoren für ganz Europa ausbildet, in die diskutierte Weiterentwicklung des jüdischen Lebens mit vorgesehen ist, teilte das Potsdamer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur nicht mit. Der Landesverband besteht aus sieben Ortgemeinden, nämlich Potsdam, Cottbus, Frankfurt an der Oder, Brandenburg an der Havel, Bernau, Oranienburg und Königs Wusterhausen und hat nach Auskunft des Zentralrats der Juden derzeit 1.180 Mitglieder. JZ
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