Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Kabbala und LiebeMadonna löst ihre Beziehungsprobleme bei einem zweifelhaften Kabbalisten
Еskapaden profilneurotischer Popstars ist man gewohnt. Deren Kreativität scheint kaum Grenzen zu kennen, wenn es darum geht, sich in der Welt bunter Belanglosigkeiten einen Spitzenplatz auf den Titelseiten der Klatschpresse zu sichern. Wer bei diesem Tänzchen führen darf, bleibt oft unklar, doch meist werden die Prominenten am Ende selbst von den Schlagzeilen überrollt. So machten Anfang des Monats Gerüchte die Runde, wonach die Ehe zwischen Madonna und ihrem Mann, dem englischen Regisseur Guy Ritchie, ins Straucheln geraten sei. Grund ist die angebliche Affäre der Sängerin mit dem bekannten Baseballspieler der New York Yankees, Alex Rodriguez. Dieser soll mehrmals vor Madonnas Domizil in New York gesichtet worden sein. Die Ehe der beiden war bis dahin ohne größere Skandale ausgekommen. Doch plötzlich standen die Telefone nicht mehr still bei «The Sun», «Daily Mirror» und Co. Kenner der Szene glauben dennoch nicht an einen Zufall. Die bevorstehende Sticky&Sweet-Tour der Künstlerin und die neuerlichen Verwerfungen um ihre Person in der Presse würden zu gut ineinander greifen. Alles also nur Rühren der großen Werbetrommel? Nun, es gibt sicherlich Dinge, die den Managern und der Plattenfirma hinter der Marke Madonna übler aufstoßen dürften, als die mediale Präsenz ihres Schützlings. Der Diva war der Trubel um ihr Eheglück bald zu viel, Konzerttour hin oder her, und so glaubte man, die Notbremse ziehen zu müssen. Die energischen Dementi durch Madonnas Pressesprecher wurden zwar zur Kenntnis genommen, bremsen konnten sie indes nichts. Schon taten sich ominöse Quellen auf, die das Paar bei heftigen Wortgefechten beobachtet haben wollten. Wenn es bis dahin keine Probleme in der Ehe gegeben haben sollte, jetzt gab es sie. Doch Hilfe war nicht weit.
Passt noch in den Terminplaner Madonna, seit Jahren begeisterte Kabbalistin, wandte sich an Jehuda Berg, seines Zeichens Leiter des Kabbala-Zentrums in Los Angeles. Der Name dieser Einrichtung kann durchaus in die Irre führen. Mehr als eine leere Worthülle, so Kritiker, habe Berg von der ursprünglichen Kabbala nicht übriggelassen. Die Lehre ist eine mystische Strömung des Judentums und als solche in Kreisen vieler Bibel- und Talmudgelehrter nicht unumstritten. Gerade die Durchsetzung mit magischen Elementen und der Glaube an allerlei Überwesen lassen sich mit dem monotheistischen Weltbild vieler Juden nicht vereinbaren. Trotzdem wird der Kabbala im religiösen Diskurs ein fester Platz eingeräumt, da sie nach einhelliger Meinung interessante Ansätze zum Toraverständnis in sich birgt. Das zentrale Werk dieser Glaubenslehre bildet das Buch «Sohar», Hebräisch für «Glanz», das wahrscheinlich im 13. Jahrhundert entstand. Es handelt sich dabei um ein Ergänzungswerk zur Tora, den Fünf Büchern Mose, mit dessen Hilfe die Heilige Schrift im kabbalistischen Sinne interpretiert werden soll. Dabei gehen Kabbalisten davon aus, dass sich hinter den Schriften der Tora und den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets eine verschlüsselte Botschaft verbirgt, aus der sich das finale Weltverständnis ableiten ließe. Spirituelle Offenbarung oder nutzloser Hokuspokus, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Jedenfalls verbringen aufrechte Kabbalisten Jahrzehnte damit, die Tora auf diese Art zu studieren. Ein Aufwand, das hatte «Rabbiner Dr. Jehuda Berg» schnell erkannt, wie er termingeplagten Stars und Sternchen kaum zuzumuten sei. So behauptete Berg in grenzenloser Bescheidenheit einfach, alle Geheimnisse gelüftet und die Lehre in ihrer Gesamtheit durchdrungen zu haben. Passend dazu wird auf der Internetseite des Kabbala-Zentrums auch gleich das dazugehörige Buch angeboten. Alles zum Vorzugspreis von 315 Euro. Wahrlich ein Almosen angesichts der Weisheit Gottes. Und wem die Zeit nicht zum Lesen reicht, der sei beruhigt. Laut Berg reiche es schon, mit der Hand über den Einband zu fahren oder den Blick über die zentralen hebräischen Textstellen wandern zu lassen, um der Glückseligkeit näher zu kommen, selbst, wenn man dieser Sprache nicht mächtig ist.
Offenbarung per Instant-Religion
Auf seinem Blog versorgt der unermüdliche Aufklärer die Interessierten zudem mit bahnbrechenden Einsichten, wie «Manchmal brauchen es Leute einfach, durch ihren Schmerz hindurchzugehen. Ein wesentlicher Teil des Prozesses, Licht aufzudecken, ist, dem Schmerz ins Gesicht zu sehen und durch ihn hindurchzugehen, so schwierig es auch sein mag.» Wen das alles noch nicht überzeugt hat, der darf sich auf der Internetseite in einem 20-Minuten- Video nochmals von allen Vorzügen der Instant- Religion überzeugen lassen. Dort schwatzen dann Karrieristen aller Metiers von millionenschweren Bankkonten und der großen inneren Leere. Wie jeder Manipulationsversuch, so beginnt auch dieser reichlich plausibel: Negatives Denken vermeiden, den positiven Dingen mehr Beachtung schenken. Ziel soll sein, das eigene Ego im Zaum zu halten und eine Wertschätzung des bereits Erreichten zu entwickeln. Soweit, so gut. Doch spätestens mit Erscheinen einer Weltkugel auf dem Bildschirm und dem Versprechen, Kabbala offenbare jedem den Sinn des Lebens, bilden sich Sorgenfalten auf der Stirn. An dieser Stelle versteht man auch, warum gläubige Juden ein Problem mit Jehuda Berg haben. Dieser ist auch abseits seiner pseudoreligiösen Erleuchtungsversuche nicht ganz koscher. Seine Rabbinerordination will er an der renommierten Talmud-Schule Jeschiwa Kol Jehuda in Israel erhalten haben. Dort ist man davon jedoch nicht halb so überzeugt, wie der einstige Schüler. Ähnlich verhält es sich mit Bergs Doktortitel. Wo und wofür er diesen erhielt, ist höchst unklar, und so sieht der - wahrscheinlich - selbsternannte Rabbiner auch davon ab, seine Dissertation vorzuzeigen. Über mangelnden Zulauf kann sich das Kabbala-Zentrum dennoch nicht beklagen. Neben Madonna finden sich auch Popkultur- Größen wie Mick Jagger, Demi Moore, Paris Hilton, Britney Spears und Gwyneth Paltrow im illustren Kreis der New-Age-Kabbalisten. Ableger des Zentrums finden sich in Amsterdam, London, Sydney, Mexico City, Sao Paulo und Tel Aviv. Gemäß dem Selbstverständnis Bergs leitet er eine sogenannte «not-forprofit »-Organisation. Trotzdem verfügt diese über geschätzte 16 Millionen Euro Vermögen und nimmt großzügige Spenden ihrer wohlhabenden Mitglieder jederzeit gern entgegen. Doch die Kritik setzt an ganz anderer Stelle an. Bekanntermaßen ist das Konvertieren zum Judentum mit vielen Auflagen verbunden und beinhaltet weit mehr als das Streicheln von Bucheinbänden à la Berg. Viele Juden sehen sich von Berg brüskiert, wenn er zahlender Kundschaft ein vermeintliches Hintertürchen öffnet und in Musikvideos, wie im Falle Madonnas, auf einmal achtlos mit jüdischer Symbolik gespielt wird. Als die Sängerin letztes Jahr anlässlich einer Kabbala-Konferenz im David International Hotel Israel besuchte, titelte die Tageszeitung «Haaretz»: «Aufruhr in den Straßen Mea Shearims». Eine Anspielung auf das ultraorthodoxe Viertel in der Altstadt Jerusalems und die Tatsache, dass es dort regelmäßig Aufstände bezüglich religiöser Uneinigkeiten zwischen Staat und Bewohnern gibt. Dass die Bewohner Mea Shearims nicht gerade für ihre liberale Haltung bekannt sind, sei Madonna zugute gehalten, doch in diesem Fall war die Empörung nicht unbegründet. Letztlich konstatierte «Haaretz» jedoch, dass selbst Orthodoxe in den Neujahrsfesttagen weit besseres zutun hätten, als sich über die Anwandlungen der Pop-Diva aufzuregen. Und wenn die Kabbala die Ehe des Paares wieder auf Kurs bringen sollte, wollen wir uns dagegen nicht wehren. |