Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Von Adam Sandler lernenDie Lösung des Nahostfriedensproblems ist gefunden
Ehud Olmert hat wenig Zeit. Manchmal hatte er auch wenig zu lachen, so zum Beispiel in der letzten Zeit. Zwei Stunden sollte er sich nehmen; es würde auch reichen, wenn das nach Feierabend geschähe. Damit könnte er drei Fliegen mit einer Klappe schlagen (sich mal wieder so richtig schlapplachen, Frieden und Sicherheit schaffen, in die Geschichte eingehen); etwas, dass sonst nur dem Zohan gelingt. Wer Zohan ist? Also erstens: Es heißt nicht «Zohan», sondern: Der Zohan (gespielt von Adam Sandler, der auch das Drehbuch und die Produktion des Films «Leg dich nicht mit Zohan an!» übernahm). Und zweitens ist das der, der nicht nur eine Fliege schlägt, auch wenn sie wie «The Fly» unter der Decke einer Kirche entlanglaufen sollte, sondern drei, die ihm zum Beispiel als sonnengebräunte Bodybuilder beim Tauziehen gegenüberstehen. Der Zohan ist stark wie ein Stier - korrigiere: stärker. Aber er hat auch andere Talente: Er beherrscht sowohl die Kampfpraktiken der japanischen Zenmönche als auch die der chinesischen. Eine Kugel kann ihn nicht aufhalten; auch zwei oder drei nicht. Obwohl er kein Kellner ist, serviert er im Urlaub den gegrillten Fisch für seine Freunde, während er gleichzeitig, obendrein mit einer winzigen Kelle, Strandball spielt; schneller als jeder andere. Er kommt allerdings nicht mehr dazu, den gegrillten Fisch zu genießen, geschweige denn dazu, seinen hochverdienten Urlaub zu beenden: Direkt vom Grill am Mittelmeerstrand wird er per Hubschrauber zum Briefing abgeholt, um eine Aufgabe anzugehen, die von höchster Wichtigkeit für die Nation und deren Sicherheit ist. Wer oder was erledigt werden soll? Der gefährlichste palästinensische Terrorist auf Erden, genannt «Das Phantom», herrlich dargestellt von John Turturro («Die Farbe des Geldes»; «The Big Lebowski»). Zohan meint, das kann nicht sein, den hatte er doch vor drei Monaten unschädlich gemacht, der muss doch noch in einem israelischen Gefängnis sitzen. Natürlich kam niemand auf die Idee, dass er ausgebrochen sein könnte. War er auch nicht. «Warum ist er dann frei?» - «Er ist ausgetauscht worden.» Gegen wen, erfahren sie im Film. Aber trotzdem hat Zohan den Schock weg, der ihn dazu ermutigt, die Leute in Zukunft ins Fadenkreuz seines Föns zu nehmen. Jetzt, oder nie. Auch wenn seine Eltern, und einfach alle, die von seinem geheimen Berufswunsch erfahren, ihn deshalb für schwul halten. Und auch sonst den Berufswechsel nicht verstehen; schließlich ist er doch der beste in seinem Job. Auf Arbeit angesprochen, scheint es in der Phantasie der Israelis nur eines zu geben: Elektronikverkäufer. Obwohl auch in dieser Branche in New York die Bäume nicht in den Himmel wachsen: Ein Bekannter bietet ihm genau so einen Job an. Als Zohan niedergeschlagen von dem nicht verwirklichten Frisör- Traum bei der genannten Adresse auftaucht, prangt allerdings ein großes Schild über dem Laden: «Out of Business». Der Freund schlägt vor, auf der anderen Straßenseite sein Glück zu versuchen. Der palästinensischen. Und toll ist der Laden auch nicht. Aber sie werden ihn nehmen, meint sein Freund. Die Chefin des Friseursalons, Dalia, gespielt von der Montrealerin französischer und marokkanischer Herkunft Emmanuelle Chriqui («On the Line», «Wrong Turn»), sieht das anders. Hat er doch bisher nur sich selbst und zwei Hunden die Haare geschnitten. Beharrlich wie er ist, lässt sie ihn dann aber doch - den Boden fegen. Ohne Bezahlung. Aber selbst, als er dann, als Vertretung, Haare schneiden darf, den Laden rettet und ihr näher kommt, verheimlicht sie doch, wer ihre nächste Verwandtschaft ist. Vielleicht ist die Auflösung von der Story her ein zu großer Zufall, aber das mindert nicht den großen Spaß, den man 112 Minuten lang hat. Während Zohan anfänglich noch Sorge hatte, die Straßenseite zu wechseln, wird ihm versichert, dass das kein Problem sei. Schließlich sei man in New York, und nicht im Nahen Osten. Die wirklichen Feinde sind andere... Sie werden spät erkannt, und müssen mit dem Hauptdarsteller und seinem palästinensischen Gegenspieler-Pendant, dessen wahren Namen, Fatoush, wir kurz vor Schluss erfahren, rechnen. Um den Preis einiger, naja, ziemlich vieler zerbrochener Scheiben kulminiert das Geschehen. Man fühlt sich an die Trompeten von Jericho erinnert, die auch einen großen Sieg markierten. Falls Sie nun glauben, ich hätte Ihnen schon den ganzen Film erzählt: nicht im entferntesten! Ich habe gerade erst angefangen... Als Kenner von Kinoklassikern hat man ähnlich wie in Mel Brooks‘ Parodien Wiedererkennungschancen und die Möglichkeit zusätzlichen Lachgenusses. Das Sketchfeuerwerk hat für jeden Geschmack und jedes Bildungsniveau noch etwas in petto. Ob beim Hacky- Sack oder bei den Muchentuchen. In weiteren Rollen muss man unbedingt Nick Swardson als Michael erwähnen, Lainie Kazan als Gail, seine Mutter; und Rob Schneider, der als Taxifahrer ohne Ziege überzeugt. Lainie Kazan begann als Zweitbesetzung von Barbra Streisand in der Broadway-Produktion von «Funny Girl». Als Sängerin trat sie in Nachtclubs und beinahe jeder bekannten Varietéshow im Fernsehen auf, u. a. wiederholt in der Dean-Martin-Show. Bei einem konzertanten Auftritt in einem Hotel wurde sie von Francis Ford Coppola entdeckt, der ihr prompt eine Rolle in «One From the Heart - Einer mit Herz» anbot. Ein Jahr später war sie schon für den Golden Globe nominiert und spielte in vielen Filmen, u. a. 2002 in der Komödie «My Big Fat Greek Wedding - Hochzeit auf Griechisch». Der Schauspieler Dennis Dugan («M.A.S.H.»; «Columbo») führte Regie, was er auch im Fernsehen («Ally McBeal») und Film immer wieder mit großem Erfolg tat, er gilt als «einer der besten Comedy-Regisseure der Branche» («Big Daddy», «Happy Gilmore», «National Security»). Robert Smigel (Drehbuch, zusammen mit Judd Apatow; ausführender Produzent), der Sohn des berühmten Zahnarztes Dr. Irwin Smigel, wuchs in Manhattan auf, und konnte seinen Berufswunsch zunächst auch nicht realisieren: Er schlug sich mit einem Studium der Zahnmedizin herum. Nach dem Umzug nach Chicago und einem Studium am Players Workshop of the Second City stand er lange in einer Revue auf der Bühne und wurde 1985 als Autor für «Saturday Night Live» (SNL) engagiert. Für seine Autorenarbeit bei «SNL» wurde er u. a. mit zwei Emmys ausgezeichnet. Er arbeitete auch mit Adam Sandler an etlichen Sketchen und schrieb den allerersten Sketch, den Sandler für «SNL» spielte: «Sabra Shopping Network», der bereits Israel thematisierte. Rupert Gregson-Williams‘ Musik hat bereits eine ganze Bandbreite von TV- und Kinofilmen mit der passenden Musik untermalt, zuletzt die romantische Komödie «Made of Honor» - «Verliebt in die Braut» (2008). Grammy-Preisträger Brooks Arthur, der neben Michael Dilbeck für die musikalische Leitung zuständig war, hat auch mehrfach mit Platin ausgezeichnete Comedyalben von Sandler produziert («The Chanukah Song»). Ein Schlüssel bei der Umsetzung von «Leg dich nicht mit Zohan an» war wohl, die besten Schauspieler aus der israelischen und arabischen Welt für die Nebenrollen zu verpflichten. «Wir haben eine ganze Armee von Menschen», sagt Dugan. «Wir haben in Israel und Palästina, in New York und Anaheim und überall in Los Angeles gesucht, um die Besten aus dem Nahen Osten - und damit meine ich Israelis und Araber - für unseren Film zu finden. Ich glaube, wir haben alle SAG-Gewerkschaftsmitglieder vorsprechen lassen... und auch alle, die nicht in der SAG sind. Bei 175 Rollen in dem Film blieb uns auch nichts anderes übrig.» Vielleicht ist «The making of „You don‘t Mess with Zohan"» ja doch ein kleines Modell, mit dem man an anderer Stelle weiterarbeiten kann: «Gegen Ende der Dreharbeiten hörte ich von einigen Schauspielern, dass sie mit dem Hass und dem Misstrauen gegen Israelis beziehungsweise Araber aufgewachsen sind - das hatte sich nun geändert», bemerkt Smigel. «Sie bezeichneten unsere Dreharbeiten als lebensverändernde Erfahrung. Obwohl wir genau dies mit unserem Film ausdrücken wollen, war es fast ein Schock zu sehen, wie viele Gemeinsamkeiten zwischen allen bestanden. Wir machen uns keine Illusionen: Unser Film wird keine Probleme lösen; wir wollten einfach witzig sein. Aber auch für mich als Juden war es eine schöne Erfahrung, sich am Set sowohl den Arabern als auch den Israelis so nahe zu fühlen.»
Kinostart in Deutschland ist am 14. August 2008 |