Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Dr. Siri und seine Toten»von Colin Cotterill
In den letzten Jahren ist der anspruchsvolle Krimi- Liebhaber mit einigen überaus originellen neuen Ermittlern verwöhnt worden, die ihre Fälle teils an den exotischsten Orten rund um den Globus lösen dürfen und ihre skurrile Art von Humor dabei niemals zu verlieren scheinen: man denke nur an Mma Ramotswe aus Botswana, den weltweit tätigen Fengshui-Berater C.F. Wong, die urbritische Agatha-Christie-Parodie Evadne Mount oder Inspektor Ghote aus Bombay. Nun hat der 1952 in London geborene, seit zwanzig Jahren abwechselnd in den verschiedensten Ländern Südostasiens lebende Weltenbummler Colin Cotterill dieser illustren kriminalistischen Gesellschaft eine weitere unvergessliche Persönlichkeit zur Seite gestellt. «Dr. Siri und seine Toten» ist der erste Band einer neuen, im kommunistischen Laos der 1970er Jahre angesiedelten Krimireihe, die auf dem englischsprachigen Buchmarkt mit nahezu ungeteilter Begeisterung aufgenommen wurde. Der verschrobene, 72-jährige Protagonist Dr. Siri Paiboun, der während seiner Studienzeit in Paris mehr aus Liebe zu seiner künftigen Frau denn aus innerer Überzeugung Kommunist geworden ist und ein entbehrungsreiches Leben als Arzt im antikapitalistischen Widerstand geführt hat, findet sich nach der Machtübernahme nicht, wie erwartet, im wohlverdienten revolutionären Ruhestand wieder: «Ein echter Sozialist gibt, solange er noch etwas geben kann», lautet die Devise, die seine Parteifreunde ausgeben. «Wenn Sie sich die Unterhose mit dem Handtuch ausstopfen müssen, weil Sie das Wasser nicht halten können, dann wird der Staat sich Ihnen gegenüber dankbar zeigen.» Und so tritt Dr. Siri notgedrungen und mit wenig Begeisterung seinen neuen Job als erster und einziger Leichenbeschauer von Laos an. Zunächst landet die monströse Gattin eines allmächtigen Parteibonzen auf seinem Seziertisch, und dann tauchen zu allem Überfluss in einem Stausee die gemarterten Leichen dreier vietnamesischer Soldaten auf. Zum Glück ist Dr. Siri nicht nur im Besitz zweier französischer Pathologie-Lehrbücher aus dem Jahr 1948, sondern hat auch die übersinnliche nächtliche Gabe, die Todesarten seiner Anschauungsobjekte zu träumen. Im ersten Band seiner geistreich-witzigen Krimireihe vermag Colin Cotterill zwar vor allem erzählerisch noch nicht all das einzulösen, was die ungewöhnlichen Zutaten zu versprechen scheinen, dennoch darf man sich auf die Möglichkeit einer Steigerung in den folgenden Bänden freuen.
«Dr. Siri und seine Toten», aus dem Englischen von Thomas Mohr, erschienen bei Manhattan, 318 Seiten, 17,95 Euro |