Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Der Zug nach Pakistan»von Khushwant Singh
Die vom britischen Parlament im Jahr 1947 beschlossene Entlassung der indischen Kolonien in die Unabhängigkeit und Teilung derselben in zwei voneinander unabhängige Staaten, die auf der vorherrschenden Religionszugehörigkeit der jeweiligen Bevölkerungsmehrheit basieren sollte, führte in der Folge zu einer Völkerwanderung von gigantischen Ausmaßen. Historiker schätzen, dass in jenen Jahren bis zu 10 Millionen Menschen unterwegs waren, um in den soeben gegründeten Staaten Indien und Pakistan eine neue Heimat zu finden. Diese massive Umschichtung von muslimischen, hinduistischen sowie Sikh-Bevölkerungsanteilen wurde von kaum vorstellbaren Gewaltexzessen, Massakern und Vergewaltigungen begleitet, denen insgesamt fast eine Million Menschen zum Opfer fielen. Der 1915 geborene Romancier, Dichter und politische Journalist Khushwant Singh, eine der geachtetsten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Indien und seit einem halben Jahrhundert einer der erbittertsten und schlagfertigsten Verteidiger des staatlichen Säkularismus, der auch im Alter von 93 Jahren bis heute täglich per Hand die wohl populärste Zeitungskolumne des Subkontinents verfasst, hat seine persönlichen Erlebnisse während dieser Zeit bereits 1956 in seinem bis heute bekanntesten Roman «Der Zug nach Pakistan» thematisiert, der nun erstmals in deutscher Sprache vorliegt. Im grenznahen Dorf Mano Majra ist von den politischen Umwälzungen noch nicht viel zu spüren, Moslems, Sikhs und Hindus leben hier ein friedliches, gleichberechtigtes Miteinander und profitieren gemeinsam von den hier vorbeifahrenden Zügen. Doch eines Tages fährt ein Zug mit einer grauenhaften Fracht in den kleinen Bahnhof ein, der den Hass auch in das weltabgewandte kleine Dorf trägt, denn er ist, aus dem jungen Pakistan kommend, über und über beladen mit den Leichen ermordeter Sikhs. Khushwant Singh gibt uns mit seinem Debütroman einen überaus konzentrierten, gleichzeitig erstaunlich vielstimmigen und engagierten Einblick in das Urtrauma der indischen Teilung, das bis heute auf fatale Art und Weise nachwirkt und sich immer wieder auch in Gewalt und blutigen Konflikten entlädt. Dennoch lernen wir Indien anhand der vor unserem inneren Auge so überaus treffend skizzierten Einzelschicksale in seinem ganzen Reichtum und all seiner Vielschichtigkeit kennen.
«Der Zug nach Pakistan», aus dem Englischen von Axel Monte, erschienen bei Insel, 235 Seiten, 19,80 Euro |