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Das Gebot, in Erez Israel zu wohnen Sidra Mase Samstag, der 2. August 2008 der 01. Aw 5768 Toralesung: Num 33:1-36:13 Haftara: Jirmejahu 2:4-28; 3:4
Und der Ewige redete zu Mosche in den Steppen Moab am Jordan von Jericho und sprach: «So ihr hinüberziehet über den Jordan ins Land Kanaan, so sollt ihr austreiben alle Bewohner des Landes vor euch, und sollt vernichten all ihre Bildsäulen, und all ihre Bilder von Gusswerk sollt ihr vernichten, und all ihre Höhen sollt ihr zerstören. Und ihr sollt austreiben die Bewohner des Landes und sollt darin wohnen, denn euch habe ich das Land gegeben, es zu besitzen.» (Num 33:50-53) Diese Passage, die mit den Worten: «So ihr hinüberziehet über den Jordan ...» beginnt, gehört zu einer Kategorie von biblischen Feststellungen, die ziemlich häufig anderswo auftauchen, vor allem im Buch Deuteronomium. Sie sind alle dadurch gekennzeichnet, dass sie die Vorschrift davon abhängig machen, dass die Kinder Israels das Heilige Land bewohnen. Daher haben wir: «Wenn du kommst in das Land, das der Ewige, dein Gott, dir gibt ...» (Dtn 17:14; 26:1), «Und es wird geschehen, wenn dich der Ewige, dein Gott, bringt in das Land, wohin du gehest, es einzunehmen» (Dtn 11:29). In Lev 19:23 finden wir: «Und so ihr in das Land kommet ...» Die beiden Verse duplizieren einander nicht, indem sie das Gebot wiederholen, das Land zu erben oder zu erobern, indem die Bewohner vertrieben werden. Der zweite Vers setzt die Warnung hinzu: wenn die Israeliten die Bewohner zuerst nicht vertreiben, wird es ihnen niemals gelingen, im Land in Sicherheit zu leben. Nachmanides interpretiert diese Verse auf andere Weise: «Meiner Meinung nach handelt es sich um ein positives Gebot der Tora, in dem Er uns gebietet, im Land zu wohnen und es zu erben. Er gab es ihnen, und sie sollten das Erbe des Ewigen nicht zurückweisen! Wäre es ihnen eingefallen, zum Beispiel das Land Schinar (Babylon) oder Assyrien oder irgendein anderes Land zu erobern, dann hätten sie ein Gebot des Ewigen übertreten.» «We'horaschtem» impliziert daher nicht «Vertreibung, Enteignung» der armen Einwohner, wie es Raschi erklärt, sondern eher das «Erben» väterlichen Erbgutes. Die Betonung liegt nicht auf dem Sicherheitsproblem, sondern auf der Übernahme des göttlichen Erbes: «Er gab es ihnen, und sie sollten das Erbe des Ewigen nicht zurückweisen.» So wie ein Jude nicht die moralische Freiheit besitzt, mit seinem Leben zu tun, was ihm gefällt, sondern die Pflicht hat, es zu bewahren, so kann er nicht wohnen, wo immer er will. Der Ort, an dem er seine Gottesgabe, sein Leben, verbringen soll, ist ihm vorgeschrieben. Sollte ein Jude imperialistische Wünsche hegen und ein anderes Land besiedeln, sagen wir «Schinar» oder «Assyrien», und nicht das Gelobte Land, welches seinem Volk bestimmt ist, dann verletzt er Gottes Willen.
Richtet mit Gerechtigkeit! Sidra Dewarim Samstag, den 9. August 2008 den 08. Aw 5768 (Schabbat Chason) Toralesung: Dtn 1:1-3:22 Haftara: Jeschajahu 1:1-27
In dieser Sidra rekapituliert Mosche, in seiner Rede an die Kinder Israel, die Geschichte der Wanderungen ihrer Väter. Er beginnt mit dem Augenblick, 38 Jahre vorher, als ihre Eltern an der Schwelle des Gelobten Landes standen, das sie wegen ihres Fehlverhaltens verwirkt hatten. Mosche beschreibt, wie er die Kinder Israel damals auf das Betreten des Landes vorbereitet hatte: «Und ich gebot euren Richtern in selbiger Zeit also: Verhöret eure Brüder, und richtet mit Gerechtigkeit zwischen einem Manne und seinem Bruder und seinem Fremdling. Ihr sollt kein Ansehen erkennen im Gericht; wie den Kleinen, so den Großen sollt ihr hören. Fürchtet euch vor niemand, denn das Gericht ist des Ewigen.» (Dtn 1, 16-17) Neben der allgemeinen Vorschrift, gerecht zu handeln, werden viele detaillierte Regeln der rechtlichen Prozedur von jedem Wort und jedem Satz dieses Textes abgeleitet. Im ersten Vers sind das Wort «verhöret» und die ungewöhnliche adverbielle Qualifikation «zwischen» Gegenstand der Exegese. Rabbi Chanina sagte: «Dies beinhaltet die Ermahnung des Gerichtes, nicht die eine Streitpartei zu hören, bevor die andere angekommen ist, und die Ermahnung an die Streitpartei, ihre Sache nicht dem Gericht vorzulegen, bevor der Gegner ankommt. Wende den Text: „Richtet mit Gerechtigkeit zwischen einem Manne und seinem Bruder" an.» (Sanhedrin 7b) Das Hören einer Partei in der Abwesenheit der anderen könnte Parteilichkeit hervorrufen, denn der eine kann den Eindruck, den der andere erweckt, nicht korrigieren. Aber auch wenn beide anwesend sind, gibt es immer noch Gefahren, die im Interesse der Gerechtigkeit vermieden werden müssen. Das Wort «Verhöre» wird im Sinn von «Beachte», «Begreife» verstanden. Die Gleichbehandlung beider Streitparteien wird vom Wort «zwischen» abgeleitet. Hier haben wir die affirmative Formulierung von Gerechtigkeit. Der nächste Vers gibt uns die negative Formulierung durch eine affirmative Forderung: Ihr sollt kein Ansehen erkennen im Gericht; wie den Kleinen, so den Großen sollt ihr hören. Die Forderung, beiden Parteien gleiche Behandlung zukommen zu lassen, erscheint in allen vier Bibelstellen, die sich mit juristischen Angelegenheiten befassen: «Beuge nicht das Recht deines Armen in seiner Rechtssache. Auch den Armen begünstige nicht in seinem Rechtsstreite. » (Ex 23: 6-9); «Ihr sollt keine Ungerechtigkeit tun im Gericht: du sollst nicht Nachsicht haben mit dem Geringen und nicht ehren den Vornehmen; mit Gerechtigkeit sollst du deinen Nächsten richten.» (Lev 19:15); «Du sollst das Recht nicht beugen, du sollst kein Ansehen kennen. » (Dtn 16:19) Unsere Weisen lehrten uns, keinen Text der Tora als bloße Wiederholung aufzufassen. Sie bringen für uns die separate und exklusive Botschaft eines jeden Wortes und Satzes ans Tageslicht. Die Verwaltung der Gerechtigkeit ist eine göttliche Angelegenheit, die der Ewige den Menschen anvertraut hat. Sie ist eine Pflicht und ein Privileg.
Und du sollst tun, was recht und gut ist Sidra Wa‘etchanan Samstag, den 16. August 2008 den 15. Aw 5768 (Schabbat Nachamu) Toralesung: Dtn 3:23-7:11 Haftara: Jeschajahu 40:1-26
Die Grundsätze des Judentums - Verbot des Götzendienstes, die Prinzipien der Einheit Gottes, seiner Liebe und der Ehrfurcht vor ihm, die Zehn Gebote, die Pflicht des Torastudiums - werden alle in unserer Sidra ehrenvoll erwähnt. Sie betont auch konstant die Verpflichtung, alle Vorschriften der Tora treu zu erfüllen. Zuerst: «Und nun, Israel, höre auf die Satzungen und Vorschriften, die ich euch lehre zu tun.» (Dtn 4:1). Dann: «Siehe, ich habe euch gelehrt Satzungen und Vorschriften ... also zu tun inmitten des Landes, wohin ihr kommet, es einzunehmen.» (Dtn 4:5). Danach abermals, als abschließender Refrain der Erzählung der Übergabe der Tora: «Und seid bedacht zu tun, wie der Ewige, euer Gott, euch geboten; nicht weichet rechts, noch links.» (Dtn 5:29) Nach diesen zahlreichen Ermahnungen, die Gebote, Statuten und Urteile im täglichen Leben zu praktizieren, ruft uns die Tora nochmals auf: «Beobachten sollt ihr die Gebote des Ewigen, eures Gottes, und seine Zeugnisse und seine Satzungen, die er dir geboten; Und du sollst tun, was recht und gut in den Augen des Ewigen. » (Dtn 6:17-18) Die Frage, die uns augenblicklich in den Sinn kommt, lautet: Diese Ermahnung, zu tun, was recht und gut, ist bereits Teil aller Vorschriften der Tora. Jemand, der alle positiven und negativen Vorschriften der Tora beobachtet, erfüllt ipso facto die Ermahnung, zu tun, «was recht und gut in den Augen des Ewigen»! Welche neue Verpflichtung enthält dann diese Ermahnung? Oder ist sie vielleicht nur eine Zusammenfassung dessen, was zuvor gesagt wurde? Wir müssen selbstverständlich annehmen, dass die Tora Vorschriften nicht wiederholt um der rhetorischen Wirksamkeit willen. Daher müssen wir den speziellen Beitrag suchen, den dieser Vers zum Ganzen leistet, einen Beitrag, den wir aus keinem anderen Diktum der Tora ableiten können. Raschi und Ramban erklären beide, dieser Vers enthalte eine weitere göttliche Vorschrift, die nicht in dem vorher aufgezeichneten enthalten ist: «Was recht und gut in den Augen des Ewigen» - dies impliziert, so Raschi, einen Kompromiss jenseits des Buchstabens des Gesetzes. Ramban, der Raschi dieses Mal zustimmt, arbeitet seine Erklärung aus: «Die Idee hinter dieser Vorschrift ist folgende: Am Anfang gebot Er uns „seine Zeugnisse und seine Satzungen, die er dir geboten" zu beobachten. Jetzt fügt Er hinzu, zu tun, was recht und gut in Seinen Augen, auch in jenen Dingen, auf die sich kein spezielles göttliches Gebot bezieht, da Er liebt, was recht und gut. Dies ist ein sehr wichtiges Prinzip, da es unmöglich ist, jedes Detail menschlichen Verhaltens in der Tora aufzuzeichnen, die Beziehungen der Menschen mit den Nachbarn und Freunden, geschäftliche Angelegenheiten, nationale und lokale Wohlfahrt. Aber nachdem Er sich auf viele Aspekte bezogen hat - „kein falsches Zeugnis reden", „nicht Rache üben", „nicht das Blut des Nächsten vergießen", etc. - wird eine allgemeine Vorschrift hinzugefügt, immer zu tun, was recht und gut, wenn es in einem Rechtsstreit notwendig ist, einen Kompromiss zu akzeptieren und über den Buchstaben des Gesetzes hinauszugehen». Die Worte des Ramban werden klarer, wenn wir sie mit einer anderen Vorschrift der Tora vergleichen, die das edelste Prinzip des göttlich gebotenen Verhaltens ausdrückt: «Rede zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israel und sprich zu ihnen: Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott.» (Lev 19:2 )
Die Prüfung des Man Sidra Ekew Samstag, den 23. August 2008 den 22. Aw 5768 Toralesung: Dtn 7:12-11:25 Haftara: Jeschajahu 49:14-51:3
«Und du sollst gedenken des ganzen Weges, den dich geführt der Ewige, dein Gott, schon vierzig Jahre in der Wüste, um dich leiden zu lassen, um dich zu versuchen, um zu erkennen, was in deinem Herzen ist: ob du beobachten wirst seine Gebote oder nicht. Und er ließ dich leiden und dich hungern und speiste dich mit dem Man, das du nicht gekannt und nicht gekannt deine Väter... Der dich gespeist mit Man in der Wüste, den deine Väter nicht gekannt, um dich leiden zu lassen, und um dich zu versuchen, dass er dir wohl tue in deiner Zukunft.» (Dtn 8:2-3, 16) In unserem Abschnitt und in Exodus (16) wird das Man als Versuchung (Nisajon) oder Prüfung Israels beschrieben. Unsere Kommentatoren haben die ungewöhnliche Natur dieser Versuchung bemerkt. Üblicherweise ist eine Prüfung oder Versuchung etwas, das ertragen werden muss, eine unangenehme Erfahrung oder eine Bürde. Abravanel fragt: «Welche Prüfung ist die Versorgung mit ihrem täglichen Brot in der Form des Man, mit einer doppelten Portion am Vorabend des Schabbat? Ist es nicht eher eine große Güte und keine Prüfung? » Raschi erklärt dieses Problem im ersten Zusammenhang in Exodus, wenn der Ewige ankündigt, das Man zu senden: «Damit ich es prüfe, ob es wandeln wird nach meiner Unterweisung, oder nicht" - um zu sehen, ob sie die damit verbundenen Vorschriften beachten, dass sie nichts übriglassen und am Schabbat nichts einsammeln sollen». Die Prüfung bestand nicht in der Gabe des Man, sondern in den begleitenden Vorschriften. Die Art, wie die Israeliten diese Vorschriften ehrten, würde als Hinweis ihrer Loyalität zu den göttlichen Vorschriften dienen, um zu sehen, «ob es wandeln wird nach meiner Unterweisung, oder nicht». Aber unter demselben Zeichen kann jede Vorschrift der Tora als Prüfung oder Versuchung betrachtet werden! Wir könnten in der Formulierung des Textes sogar entdecken, dass die Prüfung nichts mit den Vorschriften des Man zu tun hatte, sondern eigentlich mit dem Genuss einer himmlischen Speise. Das Leben in Luxus und Leichtigkeit, dessen sie sich durch das Man erfreuten, könnte, so Sforno, die größte Versuchung von allen sein: «Um dich zu versuchen » - ob du seinen Willen tun wirst, wenn er dir Versorgung garantiert, ohne zu leiden.
Ich lege euch einen Segen vor Sidra Re‘eh Samstag, den 30. August 2008 den 29. Aw 5768 Toralesung: Dtn 11:26-16:17 Haftara: Jeschajahu 54:11-55:5
Diese Sidra ist die erste im Buch Deuteronomium, die zu einem Großteil aus Gesetzen und religiösen Vorschriften zusammengesetzt ist. Sie beginnt mit einer Passage über Belohnung und Strafe: «Siehe, ich lege euch heute Segen und Fluch vor: Den Segen, so ihr gehorchet den Geboten des Ewigen, eures Gottes, die ich euch heute gebiete; Und den Fluch, wenn ihr nicht gehorchet den Geboten des Ewigen, eures Gottes, und weichet von dem Wege, den ich euch heute gebiete, so dass ihr fremden Göttern nachgehet, die ihr nicht kennet.» (Dtn 11:26-28) Diese Passage, die den Gehorsamen Segen verspricht und die Ungehorsamen mit Fluch bedroht, postuliert auch das fundamentale jüdische Prinzip des freien Willens. Der Midrasch versteht die Eröffnungsworte unseres Textes so: «„Siehe, ich lege euch heute Segen und Fluch vor": Rabbi Eliezer sagte: Sobald der Ewige diese Worte am Sinai geäußert hatte, „ergeht nicht aus des Höchsten Munde das Üble wie das Gute" (Klagelieder 3:38); aber das Böse übermannt jene, die Böses tun und Gutes, die Gutes tun». (Devarim Rabba 4:3) Viele Kommentatoren waren durch die Tatsache erstaunt, dass das hebräische Wort für «böse» im Text aus den Klageliedern im Plural erscheint («ra‘ot»), während das Wort für «gut» («towa») in der Einzahl steht. Hier die Erklärung von Ha‘amek Davar: «In seiner unermesslichen Güte stattete der Allmächtige seine Geschöpfe mit einem Anreiz zum Guten aus. In Anbetracht dessen kommt nur das Gute vom Höchsten, während Vergeltung und Leiden nicht von Ihm ausgehen, sondern den Menschen in direkter Beziehung zu seinen Taten, seinen sündhaften Handlungen, übermannen.» Eine weitere scheinbare Anomalie besteht im Hebräischen im Eröffnungstext. Die Passage lautet: «... den Segen, so („ascher") ihr gehorchet ...»; «Und den Fluch, wenn („im") ihr nicht gehorchet». Die gewöhnliche Lesart wäre das konditionale «im» in beiden Fällen. Worum geht es bei dieser Variation? Malbim, der große Kommentator des 19. Jahrhunderts, gibt folgende Erklärung: « „Segen, so ihr gehorchet" dies beinhaltet, dass die Gehorsamkeit gegenüber den göttlichen Geboten den Segen ausmacht. Stellt euch nicht vor, es gebe eine diesseitige Belohnung außer der guten Tat selbst. Es ist nicht wie im Falle eines Herrn, der seinen Diener für Loyalität belohnt und für Ungehorsam bestraft, wo der Diener von der Laune des Herrn abhängig ist. Eine Parallele ist ein Arzt, der seinem Patienten versichert, er werde gesund sein, so lange er sich an die vorgeschriebenen Rezepte hält. Sonst werde er sterben. Hier liegen die Konsequenzen in der Tat selbst.» In der von Malbim vorgelegten Idee hallt das rabbinische Diktum wider, dass die Belohnung einer Mizwa eine Mizwa ist - Tugend ist ihre eigene Belohnung. Aber dies erklärt nicht, warum die Tora hinsichtlich der sündhaften Handlungen ihre Haltung ändert und das konditionale «im» benutzt. Bachja geht weiter als Malbim: «„Im" ist ein Ausdruck des Zweifels, der daher in Zusammenhang mit der Tora unpassend ist, aber passend im Kontext von Strafe. Daher benutzt der Text „ascher", einen Ausdruck der Sicherheit mit Verweis auf Gehorsam. » Mit anderen Worten: der Mensch ist nicht bloß mit zwei Möglichkeiten konfrontiert. Er wird ermahnt, den ersten Weg vorzuziehen, so wie in Dtn 30:19: «Das Leben und den Tod hab‘ ich dir vorgelegt, den Segen und den Fluch; aber du sollst das Leben erwählen.» |