Vorsichtige Kritik

Zu JZ 07/2008 «Wenn ich das Wort Antisemitismus höre…»

 

Ihr Urteil zu der deutschen Innenpolitik und der Justiz ist bisweilen ungerecht hart. Da kommen die Angegriffenen nicht ausreichend zu Wort. Dem Gedanken der wehrhaften Demokratie räumen Sie zu wenig Raum ein. Hitler ist nicht wegen eines starken, sondern wegen eines schwachen Staates an die Macht gekommen. Auch verkennen Sie bisweilen die immensen personellen Probleme bei Justiz und Polizei. Am guten Willen, rechtsextreme Verfehlungen zu bekämpfen, fehlt es in der Regel nicht.

In unzulässiger Weise vermengen Sie bisweilen Antisemitismus und allgemeine Fremdenfeindlichkeit. Das schadet dem Anliegen, den Antisemitismus zu entlarven, wo immer er auftritt, und konsequent zu bekämpfen. Der Antisemitismus hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Wurzeln. Vor allem die schwere Schuld der Kirche wird hierbei leider fast nie angesprochen.

Dr. Erich Knoll, Richter a.D., Waltenhofen

«Jüdische Zeitung», August 2008