Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Ich bin vom Artikel der Frau Mueller sehr beeindruckt. So etwas liest man selten! Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und passend zu unserem Teint, auch ruhig die eigene Bezeichnung um das Wort «Schwarze» ergänzen, so dass es dann heißen müsste: «Jawohl, wir türkischen Staatsbürger, sind die „neuen schwarzen Juden von Europa", im Besonderen von Deutschland!». Denn auch bei der Beitrittsfrage der Türkei in die EU, als Vollmitglied versteht sich, hat man immer den Eindruck, dass Deutschland sich als ein «nachgelagertes Amselfeld» outet. Entsprechend ist auch die Politik gegenüber uns Menschen aus der Türkei, die wir hier in Deutschland friedlich leben, ausgerichtet. Wenn niemandem in der Politik etwas einfällt, sind ja immer noch wir da für den Stimmenfang. Ich lebe nun über 43 Jahre in diesem Land, und ich kann mich hier weiß Gott nicht wohl fühlen. Das Leben wird einem als Türke wirklich nicht einfach gemacht. Aber wohin sollen wir denn nun gehen, um die manchmal schmerzliche Diaspora zu überwinden? Man fühlt sich irgendwie wie in einer Gefängniszelle, die man selbst zugesperrt hat und den Schlüssel auch noch selbst weit weggeworfen hat. Vielen Menschen in Deutschland fiel nie auf, dass Mehrheiten in deutschen Parlamenten, die auch demokratisch gewählt sind, im Jahr 1999 wieder ein Gesetz zu Wege brachten, um zehntausenden deutschen Staatsbürgern diese gleich wieder zu entreißen. Wo doch ein Gesetz ihnen und anderen deutschen Staatsbürgern diese 87 Jahre lang erlaubte! Plötzlich aber wurden große Vorwürfe und Verurteilungen ausgesprochen, wie es denn sein kann, dass sich der «anatolische Ziegenhirte » im Nachhinein die eigene türkische Staatsangehörigkeit aneignete, obwohl er doch jetzt eine deutsche Staatsangehörigkeit erhalten habe. Schnell waren auch zehntausende Unterschriften gegen eine doppelte Staatsangehörigkeit beisammen. Man warf uns Betroffenen «Missbrauch» und «Täuschung» vor. Wir hätten doch Identitäts- und Loyalitätsschwierigkeiten und vieles andere mehr. Schließlich brachte man uns im Jahre 2005 dazu, vielmehr zwang man eine bestimmte Gruppe von türkischstämmigen Neubürgern, den eigenen Aufenthaltsstatus den Ausländerbehörden schriftlich mitzuteilen, also eine Selbstdenunziation vorzunehmen! Mit der Feststellung im Sinne des Paragraphen 25 Absatz 1 Staatsangehörigkeitsgesetz verlor man damit gleich seine neuerworbene deutsche Staatsangehörigkeit und fiel rechtlich in ein Nichts - gemäß Paragraph 38 Aufenthaltsgesetz. Jetzt aber dürfen über 500 Millionen Menschen eine doppelte und mehrere Staatsangehörigkeiten haben bzw. erwerben, nur wir türkischen Staatsbürger nicht! Wenn man über die Diskussion um die generelle Einführung der doppelten Staatsangehörigkeit in Deutschland ernsthaft nachdenkt, wird man schon sehr schnell in seiner Meinung bestärkt, dass wir dazu auserwählt sind, den «neuen Juden» in Deutschland abzugeben. Ob man das nun wahrhaben will oder nicht.
Korrektur Im Beitrag «Kein Platz für die Weisen von Aschkenas?» der JZ-Ausgabe vom August 2008 wurde dem FAZ-Redakteur Andreas Rossmann das Zitat eines anderen Autors zugeschrieben. Die JZ-Redaktion bittet Ihre Leser, dies zur Kenntnis zu nehmen, und entschuldigt sich bei dem Autor. Die neuen schwarzen Juden Europas!Zu JZ 08/2008: «Von doppelten Zungen und zweierlei Maß. Der Fall des Faruk Sen»
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