Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Ich habe es versucht»Der israelische Friedenspionier Abie Nathan ist tot
Am 28. Februar 1966 macht sich Abie Nathan allein in einer klapprigen Einmotormaschine mit dem prophetischen Namen «Schalom 1» ins feindliche Ägypten auf. Sein Ziel: Dem ägyptischen Staatspräsidenten Gamal Abdel Nasser eine Friedensbotschaft zu überbringen. Nathans Ansinnen scheiterte. Nach seiner Landung in Port Said wird er zurück nach Israel abgeschoben und dort wegen unerlaubten Grenzübertritts festgesetzt. Mehr als ein Jahr später bricht der Sechs-Tage-Krieg aus. Den Frieden im Nahen Osten konnte Nathan nicht herbeiführen. Doch mit seinen gewagten, oft exzentrischen Aktionen gewann er weltweit Anerkennung und Sympathie. Jossi Sarid, ehemaliger Vorsitzender der liberalen «Meretz»-Partei, bezeichnete Nathan als denjenigen, der den Weg für die israelische Friedensbewegung ebnete. «Er war seiner Zeit voraus, und er machte alles allein». Abie Nathan, ein Einzelgänger für den Frieden, Bohème, Verrückter und Prophet, starb am 27. August 2008, 81-jährig, in Tel Aviv. Er war zweimal verheiratet und hinterlässt eine Tochter. Abraham Jakob Nathan wurde am 29. April 1927 im iranischen Abadan geboren. Mit zwölf ging die Familie nach Indien, wo Nathan seine Erziehung erhielt. Mit 17 begann er eine Militärausbildung und diente in der britischen «Royal Air Force» als Kampfpilot, bevor er 1948 ins neugegründete Israel emigrierte. Im Jahr 1951, kurz nachdem er von der israelischen Luftwaffe nach Großbritannien geschickt worden war, um als erster Israeli den «Mosquito»- Bomber zu fliegen, schied er aus dem Militär aus und öffnete ein Café in Tel Aviv, das «California». Nathans Imbiss im amerikanischen Stil verhalf dazu, den «Hamburger» in Israel populär zu machen. Das «California» wurde bis in die frühen 1960er zum Ort von Kunstausstellungen und Zentrum der Tel Aviver Bohème. Von der Idee des Friedens in einer Zeit regelmäßiger Grenzscharmützel zwischen Israel einerseits, Ägypten, Syrien und Jordanien andererseits, beseelt, gründete Nathan die Partei «Wunder», die sich für Gespräche mit den arabischen Staaten einsetzte. Bei den Wahlen im Jahr 1965 fehlten Nathan 2.000 Stimmen zum Einzug ins 6. israelische Parlament. Auch nach seinem gescheiterten Friedensflug von 1966 blieb Nathan davon überzeugt, dass die Kraft der Menschen dort Erfolg haben könne, wo die Diplomaten versagt haben. Er kaufte sich 1973, mitfinanziert vom John Lennon, einen kleinen Frachter, nannte ihn «Friedensschiff », und ankerte damit einige Kilometer vor Tel Aviv, außerhalb der israelischen Hoheitsgewässer. Das «Friedensschiff» wurde die erste Piratenradiostation Israels. «Schalom, Salaam und Frieden für alle Zuhörer», mit diesen Worten begann Nathan sein erstes Programm. «Das Friedensschiff ist ein Projekt der Menschen. Wir hoffen, mit diesem Sender die Schmerzen zu lindern und die Wunden der vielen Jahre zu heilen, unter denen die Menschen im Nahen Osten leiden.» In den kommenden zwanzig Jahren war die «Stimme des Friedens» besonders unter Jugendlichen in der Region sehr beliebt. Es war der einzige Sender im Nahen Osten, der Musik aus den Top-40-Hitlisten der Welt brachte und Nachrichten für Israelis und Araber in englischer Sprache. Im Jahr 1993 musste Nathan das Piratenradio wegen finanzieller und rechtlicher Schwierigkeiten schließen. Neben seinen Bemühungen für den Frieden im Nahen Osten brachte Nathan auch mehrere Hilfslieferungen in andere Krisenregionen - von Biafra (Sudan), bis Kambodscha, nach Nikaragua, in den Libanon und Kongo. In den 1970ern trat Nathan in mehrere Hungerstreiks, um die israelische Regierung zu Eingeständnissen für einen Frieden mit Ägypten, zu Gesprächen mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und zum Stopp des Siedlungsbaus in den Besetzten Gebieten zu bewegen. Noch 1991, in der Frühphase der Oslo-Friedensgespräche, protestierte er auf diese Art 40 Tage gegen das damals verabschiedete «Treffen-Gesetz», das Begegnungen von Israelis mit PLO-Mitgliedern verbot. In einem Interview im Jahr 1996 sagte Nathan, dass er während eines Hungerstreiks in den späten 1970er Jahren überzeugt war, zu sterben. So bestellte er bereits damals ein Grab und einen Grabstein mit Aufschrift. Was darauf stand? «Ich habe es versucht». |