Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() HeldendämmerungDie Basketballlegende Ralph Klein starb im Alter von 77 Jahren
«Ich habe ihn nie so schlecht erlebt. Er wusste überhaupt nicht mehr, was er machen sollte.» Peter Callies, ehemaliger Assistenztrainer der deutschen Basketballnationalmannschaft, beschreibt die schwersten Stunden in der sportlichen Karriere des Ralph Klein. Beim Vorrundenspiel der Basketball-Europameisterschaft 1985 in Deutschland steht Klein hilflos gestikulierend vor seiner Trainerbank. Er wirkt unsicher und überfordert, gibt falsche Anweisungen und beginnt, scheinbar wahllos Spieler auszuwechseln. Der deutsche Trainerstab erwägt bereits, Klein auf die Tribüne zu setzen und Callies das Spiel zu Ende führen zu lassen. Doch das Regelwerk schreibt vor, dass der Cheftrainer jedes Spiel gemeinsam mit seiner Mannschaft bestreiten muss. Auch wenn die Partie «Israel gegen Deutschland» heißt und der Trainer der deutschen Mannschaft ein deutscher Jude, Holocaustüberlebender und israelischer Nationalheld ist. Ralph Klein war einer der Größten des Basketballsports des 20. Jahrhunderts. Ein Meistermacher, Motivierer, «harter Hund», passionierter Förderer von Jugendarbeit, ein absoluter Profi, der nie viele Worte über sein Privatleben verlor. Seinen größten Triumph feiert Klein 1977, als er die Mannschaft von Makkabi Tel Aviv zum Sieg des Europapokals führt. Der Triumph von Makkabi löst in Israel eine Euphorie bis dahin ungekannten Ausmaßes aus. «Unser Sieg lässt sich mit dem der deutschen Fußball-Nationalmannschaft beim Weltmeisterschaftsfinale 1954 in Bern vergleichen. Das war für die israelische Identität ein unheimlich wichtiges Ereignis», sagt Mickey Berkovic, Spieler des 1977er Teams, im Rückblick. Ralph Klein, schon zuvor ein bewunderter Spieler und Trainer, steigt endgültig zum Helden im Land auf. In dieser Rolle hat sich die Person des Ralph Klein nie richtig wohlgefühlt. Kleins Lebensreise liest sich wie die vieler deutscher Juden des vergangenen Jahrhunderts. Im Jahr 1931 als Sohn eines jüdischen Möbelfabrikanten in Berlin geboren und aufgewachsen, flieht er mit der Familie im Frühjahr 1939 nach Budapest. Als der Arm des deutschen Faschismus auch bis Ungarn reicht, werden Kleins Vater und seine Schwester Ruth im Jahr 1943 verhaftet. Der Vater wird in Auschwitz ermordet, die Schwester überlebt das Lager. Klein und seine Mutter sind unter jenen knapp 20.000 Juden, die Dank des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg gerettet werden. Nach Kriegsende beginnt Klein in Ungarn mit dem Basketballspielen. Dort wird die Atmosphäre im Zuge der «politischen Säuberungen » der stalinistischen Regierung Anfang der 1950er Jahre unerträglich. Klein entschließt sich 1951 zur Auswanderung nach Israel. Er besucht ein Probetraining von Makkabi Tel Aviv. Schon 1952 spielt Klein für die israelische Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Helsinki. Nach einer langen und erfolgreichen Spielerkarriere wird er 1970 Trainer von Makkabi Tel Aviv. Nach dem Erfolg beim Europapokal 1977 führt Klein zwei Jahre später die israelische Nationalmannschaft ins Finale der Europameisterschaft. Er ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Umso überraschender kommt der Wechsel Kleins ins damalige Basketball-Entwicklungsland Deutschland. 1983 gelingt es dem Manager des BSC Saturn Köln, Dietmar Schott, Klein als Trainer zu gewinnen. Eine Entscheidung, die ihm in Israel manche übel nehmen. Bei Makkabi zeigt man sich verständnisvoll. Klein ist der erste israelische Trainer, der im Ausland engagiert wird. Doch als er wenig später das Angebot des Deutschen Basketballbundes annimmt und Trainer der deutschen Nationalmannschaft wird, schlägt die anfängliche Kritik in offene Ablehnung um. Schott erhält Briefe aus Israel und Deutschland, die Klein denunzieren. Die übelsten Passagen verschweigt er seinem Trainer. Klein selbst hatte gerade mit den Reaktionen aus seiner israelischen Heimat nicht gerechnet. Gerüchten zufolge beantragt eine radikale Partei im israelischen Parlament sogar Kleins Ausbürgerung. Klein zieht die Konsequenzen. Während seiner Zeit als Trainer der deutschen Nationalmannschaft lehnt er es ab, bei Spielen zwischen der deutschen und der israelischen Mannschaft zu coachen. Bis zur Europameisterschaft 1985. Bei diesem Turnier führt Klein das deutsche Basketballteam schließlich zum bis dahin größten Erfolg, dem fünften Platz. Bis kurz vor seinen Tod bleibt Klein dem Basketballsport verbunden. In einem seiner letzten Interviews mit dem Sportmagazin «Zahevet» spricht er über junge Talente und die Entwicklung seines Sports. Ralph Klein starb am 7. August an einem langjährigen Krebsleiden. |