Ende des Zionismus-Unterrichts?

 

Das israelische Bildungsministerium beabsichtigt, das Unterrichtsprogramm der «100 Grundgedanken des Zionismus und des Judentums » an Israels Schulen abzuschaffen. Wie Ende August seitens der Pädagogischen Kommission des israelischen Parlaments bekanntgegeben wurde, soll das Programm durch neue Unterrichtseinheiten ersetzt werden, die auf die «allgemeine Entwicklung des Bewusstseins des Kindes» ausgerichtet seien. Dem Plan zufolge soll die Aufmerksamkeit in der Erziehung zukünftig auf Gewaltbekämpfung, Gleichstellung, soziale Gerechtigkeit und Familienwerte und erst danach auf nationale und traditionelle Werte gelegt werden. «Das Programm ist absolut unpolitisch und wurde von der Bildungsministerin Juli Tamir bestätigt», verkündete Kommissionssprecherin Tzipi Koretzky. Koretzky teilte mit, dass das Versuchsprojekt dieses Schuljahr an 130 israelischen Schulen anlaufen solle. Ihrer Aussage nach hätten weitere 40 Schulen den Wunsch geäußert, sich am Projekt zu beteiligen, konnten jedoch vom Bildungsministerium wegen mangelnder Kapazitäten nicht berücksichtigt werden. Bei einigen Parlamentsabgeordneten stieß das Programm auf scharfe Kritik. Der Fraktionsvorsitzende der rechtskonservativen Likud- Partei, Gideon Sa'ar, sagte, dass «es sich um eine äußerst gefährliche Tendenz handelt, die direkt im Gegensatz zu den Grundprinzipien des israelischen Bildungssystems stehen. Ministerin Tamir verfolgt ein Ziel, das man, nett ausgedrückt, postzionistisch nennen kann. Die Ministerin versucht alles zu vernichten, was irgendwie an den Zionismus erinnern könnte - sie war es auch, die die „Nakba" („Katastrophe", die Vertreibung der Araber im Jahr 1948 - d.Red.) in den Unterrichtslehrplan aufnahm», so Sa'ar. Weiter kritisierte der Likud-Politiker, dass Tamir das Budget zur Finanzierung der militärischen Vorbereitungskurse kürze. Der Vorsitzende der Pädagogischen Kommission, Michael Melchior, kritisierte das Programm ebenso: «Wo sollen die Kinder ihre Geschichte und Traditionen erlernen, wenn nicht in der Schule?» Laut Melchior dürfe nicht zugelassen werden, dass «ein Schulabgänger keine Ahnung vom Grundverständnis des Zionismus hat.»

 

«Jüdische Zeitung», September 2008