Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Kosher Kisses» und ein Fleischund ein FleischbällchensongSoulröhre Amy Winehouse versucht den Drogenausstieg über ihre jüdischen Wurzeln
"Ich kann kochen: Hühnersuppe, Fleischbällchen und ein gutes Hähnchen - gegrillt und gebraten!" Bei diesem Satz handelt es sich nicht um Werbung für ein neues polnisch- jüdisches Kochbuch, sondern um den Textausschnitt eines möglichen Liedes der Soulsängerin Amy Winehouse. Die jüdische Britin arbeitet gerade an ihrem dritten Album, indem sie Songs über ihre Kindheit, jüdische Erziehung und Küche einfließen lassen will. Dazu gehören für sie natürlich auch koschere Speisen. Das Album soll Zeichen für einen veränderten Lebenswandel der Skandal umwitterten Soulsängerin werden. Die durch ihre außergewöhnliche Stimme, den extravaganten Kleidungsstil und die ausladende Bienenkorbfrisur bekannt gewordene Londonerin steht seit Jahren mit einem Bein auf den großen Bühnen dieser Welt und dem anderen in einer neuen Entzugsklinik. Am 14. September wird Winehouse 25 Jahre alt und will einen neuen Weg einschlagen, weg von den Drogeneskapaden und Klatschpressespalten. Wie? Durch die Besinnung auf ihre familiären Wurzeln. Bis jetzt hatte Winehouse nicht viel Wert auf jüdische Lebensart gelegt, wie sie noch im März 2007 gegenüber dem Lifestyle-Magazin «Vanity Fair» erklärte: «Ich bin zwar stolz, Jüdin zu sein, aber praktiziere die Religion nicht».
Zurück in die Anstalt Für die Pflege jüdischer Traditionen und die Ausübung der Religion hatte das Gesangstalent aus dem Londoner Stadtteil Southgate während ihres kometenhaften Aufstiegs schlichtweg keine Zeit. Mit 18 Jahren unterschrieb Winehouse ihren ersten Plattenvertrag. Im Jahr 2003, mit 20 also, veröffentlichte sie ihr Debütalbum «Frank» beim britischen «Island Records» und wurde damit über Nacht auf der Insel berühmt. Ihr zweites Album «Back to Black» schlug alle Verkaufsrekorde. Allein in Großbritannien gingen 2,7 Millionen CDs über den Ladentisch, es wurde dort zum meistverkauften Album des Jahres 2007. Neun Mal gewann Winehouse mit «Back to Black» Platin. Mit dem Erfolg kam das Abgleiten in die Drogenabhängigkeit. Besonders nach dem Tod ihrer Großmutter, die nach eigener Aussage ein großer Rückhalt für das Scheidungskind Winehouse gewesen war, ging es stetig bergab. Ihre Karriere litt zunehmend unter den ständigen Negativschlagzeilen über Zusammenbrüche, Ausraster, Prügeleien und andere öffentliche Eskapaden. Aufgrund ihres labilen Gesundheitszustandes wurden diverse Festivalauftritte, im Oktober 2007 sogar ihre Großbritannien-Tour, abgesagt. Die berühmte Britin wurde mehrmals wegen Amphetamin- und Alkoholüberdosen ins Krankenhaus eingeliefert. Winehouse gestand bereits Ende 2006, mit starken Depressionen und einem gestörten Essverhalten zu kämpfen. Auch privat fand sie keine Schulter zum Anlehnen. Nach ständig wechselnden Beziehungen hieß es «Back to Blake». Die fünffache «Grammy»-Gewinnerin heiratete im Mai 2007 ihren On-Off-Freund Blake Fielder-Civil. Der steht ihr in Drogenexzessen in nichts nach. Fielder-Civil sitzt gerade eine 27-monatige Haftstrafe wegen schwerer Körperverletzung und Justizbehinderung in London ab. Auch Winehouse kam schon einige Male wegen Drogenbesitzes in Konflikt mit dem Gesetz, zuletzt Anfang dieses Jahres, als ein privates Drogenvideo der Skandalnudel auftauchte, in dem sie vor laufender Kamera einen Cocktail aus Ecstasy, Kokain und Valium einwirft. Völlig am Boden, beschloss sie daraufhin erstmals, eine Entziehungskur zu machen. Diese war nicht von langem Erfolg gekrönt. Die Soulsängerin wurde wenig später rückfällig. Nach dem Entzug ist vor dem Entzug.
Lungenemphysem im Anfangsstadium Jetzt drängt Winehouse' Familie vermehrt in die Regenbogenpresse. Allen voran Mutter Janis Winehouse. In einem offenen Brief in der britischen Sonntagszeitung «News of the World» im Dezember 2007 flehte sie ihre Tochter an, sich helfen zu lassen. Wenig später meldete sich auch Vater Mitchell zu Wort. Im Juni 2008 ließ er die englische Zeitung «Sunday Mirror» berichten, wie sehr dieser um das Leben seiner Tochter fürchte. Seinen Angaben zufolge steht es schlecht um Amys Gesundheitszustand. Sie leidet an einem Lungenemphysem im Anfangsstadium. Eine Änderung von Winehouse' Lebenswandel zeichnet sich nun möglicherweise mit der Hinwendung zu einem jüdischeren Lebensstil ab. Schon im Juni 2007 kündigte sie in einem Interview mit der australischen «Sunday Times» an, sich in zehn Jahren niederlassen zu wollen und eine gute jüdische Mutter für ihre Familie abgeben zu wollen. Die guten Vorsätze wurden mit der nächsten Dosis wieder über Bord geworfen. Winehouse' Enthusiasmus, jüdischer leben zu wollen, flackert dennoch regelmäßig wieder auf. So ließ ihr Produzent Mark Ronson, selbst auch Jude, Anfang 2008 verlauten, dass die Sängerin dieses Jahr ein Channukahund Weihnachtsalbum plane. «Es gibt so viele tolle Weihnachtsmusikalben. Wir Juden haben unglücklicherweise nichts so Cooles. Das sollten wir ändern», begründete Winehouse die Idee. Das Album soll Titel wie «Kosher Kisses», «Koschere Küsse», und «Alone under the mistletoe », «Allein unter dem Mistelzweig», enthalten. Auch Lieder auf Hebräisch sollen eingespielt werden. Vielleicht werden pünktlich zum jüdischen Lichterfest, Chanukkah, auch die Krapfen, die Sufganijot, in einem Song thematisiert? Die gehören aber aktuell nicht zum Speiseplan der Jüdin, da sie zu fettig sind. Seit Winehouse vor einigen Wochen wieder mal aus dem Krankenhaus entlassen wurde, versucht sie, eine Diät mit ausgewählt gesundem Essen zu halten. Gerade Koscheres scheint es ihr angetan zu haben. In letzter Zeit wird Winehouse häufiger im jüdischen Einkaufsviertel Londons, dem «Golders Green», beim Shoppen gesehen. Führt Winehouse' Weg aus dem Drogensumpf nach dem Fehlschlagen mehrerer Entziehungskuren nun über Chanukkah- Lieder und koschere Fleischbällchen? Sollte sie auch damit scheitern, dann wenigstens mit ein paar Pfund mehr auf den Rippen. |