Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Ein «Schmock», wer Böses dabei denkt…
Die deutschen Juden Henryk M. Broder und Evelyn Hecht-Galinski streiten sich vor Gericht (siehe Seite 5). Der eine schimpft die andere «Antisemitin». Die andere lobt Vergleiche der Politik Israels mit Nazideutschland. Schmocks eben, unangenehme Zeitgenossen. Der Begriff «Schmock» kommt ursprünglich aus dem Jiddischen und ist wahrscheinlich slawischen Ursprungs. Im anfänglichen Sinne bezeichnet es die abgetrennte Vorhaut des Jungen nach der rituellen Beschneidung, der Brit Mila. Auch die Übersetzung mit «Penis» ist historisch belegt. Im aktuellen Sprachgebrauch ist «Schmock» eine abwertende Bezeichnung für eine ungeliebte Person und lässt sich mit «Taugenichts» oder «Blender» übersetzen. Besonders in den USA ist der Begriff heute durchaus gebräuchlich. Dort hat sich die Bedeutung des Wortes im Laufe der Jahrzehnte allerdings verschärft. Während das englische «Shmok» Anfang des 19. Jahrhunderts, im Zuge der jiddischsprachigen, jüdischen Einwanderungen, noch einen ungeschickten Menschen oder Opportunisten bezeichnete, ist es heute etwa mit «Idiot» zu übersetzen. Im deutschen Sprachraum tauchte das Wort erstmals 1853 als ein Charakter in Gustav Freytags Lustspiel «Die Journalisten » auf. Die Figur des fadenscheinigen Journalisten Schmock ist in dieser Komödie bereit, für Geld jede Meinung zu vertreten. Anfang des 20. Jahrhunderts stand «Schmock» im deutschsprachigen Raum auch für extrovertierte oder arrogante Personen. Heute gilt das Wort in Deutschland grundsätzlich als veraltet und wird kaum noch benutzt. Lediglich zum Zwecke humoristischer Selbstverhöhnung lässt sich hierzulande ein sporadischer Gebrauch nachweisen. Der Münchner Jude Florian Gleibs etwa, Betreiber des Szenerestaurants «Schmock», geriet im Jahr 2006 in die Schlagzeilen, als er im Rahmen einer Werbekampagne mit antisemitischen Naziparolen spielte. Auf Plakatwänden und Litfasssäulen hatte Gleibs in Rot auf weißem Grund geworben: «Deutsche, esst bei Juden» oder «Deutsche, feiert bei Juden ». Zynisch-lustig oder geschmacklos? Gleibs wehrte sich gegen den folgenden Vorwurf der Volksverhetzung und gab an, seine Gäste zum Nachdenken animieren zu wollen. Dabei verwies er nicht zuletzt auf den Namen seines Lokals. Kontroversen um die Bedeutung von «Schmock» sind in den USA dagegen unvorstellbar. Das Wort und seine Bedeutung sind unproblematisch und Manchen bringt schon der Klang zum Schmunzeln. Es gibt fundamentalere Anlässe für Kontroversen als eine Verhöhnung auf Jiddisch, auch wenn einige Schmocks das Gegenteil behaupten. |