Vergewaltigungsopfer vergibt Polanski

 

Roman Polanski Foto: dpa

Nach 31 Jahren hat sich jetzt die Frau zu Wort gemeldet, die 1977 von Roman Polanski vergewaltigt wurde. Kurz vor dem 75. Geburtstag des polnischjüdischen Filmregisseurs, «Tanz der Vampire», bittet das Opfer Samantha Geimer nun öffentlich für Polanski um Gnade. Die damals 13-Jährige war mit dem Regisseur in das Haus von Jack Nicholson gefahren, um sich für ein französisches Modemagazin fotografieren zu lassen. Dort gab Polanski der Minderjährigen Champagner zu trinken, machte Oben-ohne-Fotos von ihr im Whirlpool und vergewaltigte sie, trotz lauter Abwehrbekundungen ihrerseits. Vor Gericht im kalifornischen Santa Monica gestand Polanski noch im selben Jahr die Vergewaltigung, floh aber in der Nacht vor Prozessbeginn nach Europa. Wie das Opfer im Lifestyle- Magazin «Vanity Fair» berichtete, hätte er in den USA keinen fairen Prozess bekommen. Wegen des drohenden Strafverfahrens kann Polanski seit 30 Jahren nicht in die USA einreisen. In Paris lebt er bis heute straffrei. Polanski habe die mittlerweile 44-Jährige Geimer wissen lassen, dass ihm seine Tat sehr leid tue. Geimer sprach sich nun für eine US-Einreiseerlaubnis des Filmemachers aus. Ungeachtet des Vergewaltigungsskandals wird anlässlich des Geburtstages des Regisseurs in Berlin dem Gesamtwerk Polanskis gedacht. Unter dem Titel «Polanski-Komplex» wird noch bis zum 24.9. im Kino «Babylon » eine Retrospektive aller Filme - im original 35-mm-Format! - des 1933 in Paris Geborenen zu sehen sein.

 

«Jüdische Zeitung», September 2008