Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Der Monat Elul: Umkehr und Vergebung
Der Jahreswechsel hat für die meisten Menschen eine ganz besondere Bedeutung. Man blickt auf das vergangene Jahr zurück, reflektiert und bereitet sich innerlich auf das kommende vor. Dementsprechend sollte der Monat davor von Stille, Reue und Umkehr geprägt sein. Es ist eine Zeit des Umbruchs, in der man mit Vergangenem abschließt und neue Vorsätze fasst. Dafür steht der jüdische Monat Elul. Er ist der Rüstmonat für das Neujahrsfest Rosch Haschana am 1.Tischri. Der Elul folgt auf die beiden Monate menschlicher Unvollkommenheit: auf den Tammus, in dem die Israeliten von Gott abfielen, um dem goldene Kalb zu huldigen, und auf den Aw, in dem sich die ausgesandten israelitischen Kundschafter einst gegen Mosche wandten. Der Elul ist auch für die geglaubte jüdische Geschichte von großer Bedeutung, denn jüdischer Tradition zufolge wurde die Welt am 25. Elul geschaffen. Jahrhunderte später war es der 1. Elul, an dem Mosche zum dritten Mal auf den Sinai stieg, um von Gott die Gesetzestafeln zu empfangen, nachdem er die ersten aus Wut über die Anbetung des Goldenen Kalbs zerstört hatte. Damit begannen für das jüdische Volk die 40 Tage des Bangens und Hoffens auf Vergebung. Seither ist die Teschuwa, die Reue, für diesen Monat von zentraler Bedeutung. Man lässt in den 40 Tagen zwischen Rosch Chodesch Elul und Jom Kippur das vergangene Jahr Revue passieren, bereut seine Sünden und hofft auf Vergebung. Gerade in diesem Monat geht es darum, so viele Mitzwot wie möglich zu erfüllen. Es ist der Monat, in dem man besonders an Bedürftige denkt, Wohltätigkeit übt, die Gräber der Verstorbenen besucht und pflegt. Jeden Morgen, außer am Schabbat, wird das Schofar geblasen. Das Widder- oder Kuduhorn soll mit seinem durchdringenden tiefen Klang die Menschen aus dem täglichen Trott aufwecken und sie daran erinnern, dass die gewaltigen Tage und damit auch die Zeit des göttlichen Gerichts näher kommen. Danach wird der 27. Psalm gelesen: Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen«. Man bittet damit um den Beistand Gottes und beteuert sein absolutes Vertrauen in ihn. In der sefardischen Tradition rezitiert man ab dem 2. Elul die Slichot, während man damit in der aschkenasischen Tradition erst am Schabbatausgang vor dem Neujahrsfest beginnt. Im Zentrum dieser Bußgebete stehen die 13 Attribute Gottes. In liberalen Gemeinden wird in den Synagogen zudem auch die Tonart der musikalischen Begleitung geändert, um die Besonderheit des Monats hervorzuheben. Im Elul lebt man in Vorbedacht auf die Jamim Nora'im und das göttliche Gericht, da sich an Rosch Haschana entscheidet, ob man in das Buch des Lebens eingeschrieben wird oder nicht. Im wichtigsten Gebet des Neujahresfestes («Unetane tokef») heißt es dazu: «Am Neujahrstag wird es geschrieben und am Versöhnungstag wird es besiegelt, wie viele vergehen, wie viele entstehen, wer leben wird und wer sterben ... wer in Freuden, wer in Leiden, wer arm, wer reich, wer sinkt, wer steigt. Aber Umkehr, Gebet und Liebeswerk wenden das Böse des Verhängnisses ab.» Der Name Elul stammt ursprünglich von dem akkadischen Monatsnamen Ulul aus Babylonien und wurde in der Exilzeit von den Diasporajuden übernommen und nach Eretz Israel gebracht. Zudem heißt im Aramäischen Elul soviel wie Suche. Was wäre treffender als den Monat der Umkehr auch den Monat der Suche zu nennen, nämlich der Suche nach sich selbst und den wichtigen Dingen im Leben, fern von den Sachzwängen des Alltags. Im Hebräischen wird Elul auch als Akronym für einen Vers aus dem Hohelied Salomons gelesen: «Ich bin meines Geliebten und mein Geliebter ist mein»: Die Seele eines Jeden möge zu dem geliebten Gott zurückkehren. Letztendlich geht es darum, in diesem Monat einen Plan für das Leben oder das neue Jahr zu entwerfen, das leere Blatt neu zu beschreiben. Wenn der große Tag der Rechtfertigung gekommen ist und man vor Gott steht, um ihn um ein weiteres Jahr zu bitten, weiß man wenigstens, worum man bittet. |