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«Bewahrer des Gesetzes»Die Samaritaner pilgern vor Pessach zum Berg Garizim, um Lämmer zu opfernÜber die Herkunft der Samaritaner gibt es verschiedene Anschauungen. Aus der Sicht der Rabbinen sind sie Heiden-Kolonisten, die durch besondere Umstände zur samaritanischen Religion gelangten. Obwohl ihre Entstehung traditionell von 2 Kön 17:24-41 abgeleitet wird, sind sie historisch gesehen keineswegs die Nachkommen der Kuthäer, wie Josephus Flavius in «Antiquitates Iudaicae» 9:2777-291 annimmt. Die Samaritaner betrachten sich selbst als die echten Nachfahren der Nordstämme Israels. Ihren Namen leiten sie nicht von Samaria, sondern von der hebräischen Wurzel «shamar», «wachen, hüten, bewahren» ab. Somit sind sie die «Bewahrer des Gesetzes». Alle Samaritaner stammen entsprechend der samaritanischen Tradition aus dem Hause Joseph und gehören entweder zum Stamm Ephraim oder Manasseh. Ausgenommen sind die Leviten und Priester, die dem Stamm Levi angehören. Der wesentliche Unterschied zum Judentum besteht darin, dass die Samaritaner die Propheten, die Hagiographen sowie Mischna und Talmud ablehnen. Es existiert jedoch in der Praxis eine eigene Halacha. Der samaritanische Pentateuch unterscheidet sich an ca. 6.000 Stellen vom masoretischen Text. Diese sind entweder orthographische Varianten oder Texterweiterungen. Auf dem Garizim, dem Berg der Segnung, wurde bereits im ausgehenden 4. Jahrhundert v.u.Z. ein Tempel erbaut, der das Zentrum des samaritanischen Kultes war. Nach seiner Zerstörung durch den Hasmonäer Johannes Hyrkanos 128 v.u.Z. bestand der Kult weiter, denn die Samaritaner, die den Entwicklungsstand der jüdischen Religion des 2. Jh. v.u.Z. bewahren, betrachten nicht Jerusalem, sondern den Berg Garizim als den legitimen Kultort. Jedes Jahr kurz vor Pessach pilgern alle Samaritaner auf den Gipfel des Berges, wo sie in eigens dafür gebauten Häusern während der Feiertage leben. Noch heute werden Pessachlämmer geschlachtet und man nimmt an, dass diese Zeremonie dem Pessach-Ritual des Opfergottesdienstes im Zweiten Tempel in Jerusalem ähnlich ist. Der Höhepunkt des samaritanischen Gottesdienstes ist die Lesung des Wochenabschnitts. Das samaritanische Aramäisch ist die Sprache der meisten Gebete, die jedoch Textinterpolationen aus dem samaritanisch-hebräischen Pentateuch enthalten. Die samaritanische Schrift hat mehr Ähnlichkeit mit der phönizischen und althebräischen als mit der Quadratschrift. Im Laufe der Zeit hat diese Schrift jedoch große Umwandlungen erfahren, sodass die kursive Minuskelschrift, die die Samaritaner in ihren Briefen verwenden, oft große Divergenzen zur Majuskelschrift aufweist. Zur Zeit gibt es gut 680 Samaritaner, die Zahl ist wieder steigend, da Eheschließungen mit Juden erlaubt sind. Es gibt eine Gemeinde in Nablus (Sichem) auf der Westbank und in Holon südlich von Tel Aviv. Über ihr Leben berichtet seit 1969 in «AB-Samaritan News» Benyamin Tsedaka, der Herausgeber und Direktor des Institute of Samaritan Studies, der 2003 am Seminar für Semitistik und Arabistik der FU Berlin erstmals einen Vortrag über «The Traditional, Social and Political Life of the Israelite Samaritans" hielt und inzwischen alljährlich an der Freien Universität zu Gast ist. Da dieses Seminar neben St. Petersburg die größte Sammlung an Kopien samaritanischer Handschriften besitzt, kommen Forscher aus aller Welt nach Berlin, um hier samaritanische Forschung zu betreiben. Aber auch das Abraham Geiger Kolleg zeigte Interesse an den alten Bräuchen und an der liturgischen Musik der Samaritaner und lud Benyamin Tsedaka bereits zu einem Gastvortrag nach Potsdam ein. |