Feinde in der Fremde

 

 

Ossama Satar und Jasmin Avissar Foto: Avi Levin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

...sind Jasmin und Ossama nicht. Sie sind ein Liebespaar, das seine Heimat verlassen musste, um in der Fremde, in Deutschland, sein Leben leben zu können. Sie ist jüdische Israelin aus Jerusalem, er muslimischer Palästinenser aus Ramallah. Eine unmögliche Konstellation? Die beiden Künstler verwischen mit ihrer Partnerschaft nicht nur die tradierten Feindbilder des jeweils «Anderen», sie zeigen auch die rechtlichen Barrieren, die Wahrnehmungen und versteinerten Konzepte ihrer Heimat auf (siehe Seite 17). Persönliche Kontakte sprengen Stereotype und Vorurteile. Israelis und Palästinenser: Das ist nicht nur eine sechzig Jahre währende Feindschaft, das ist auch der in jeder Generation wiederkehrende Wunsch des gegenseitigen Kennenlernens. Die Fremde macht vieles leichter. Konzepte weichen auf, werden durchlässiger. In Berlin, wo ständig Identitäten zerbröckeln und neu entstehen, treffen junge Israelis und Palästinenser nicht am Checkpoint aufeinander, sondern auf Parties, auf der Arbeit, in der Universität. Die «Jüdische Zeitung» hat eine Momentaufnahme dieser Menschen gemacht und lässt sie über ihre Eindrücke und Begegnungen berichten (siehe Seite 3). Für viele Israelis und Palästinenser ergibt sich in Deutschland überhaupt erst die erste Chance des Dialogs. So geschehen auch dieses Jahr auf einem Bauernhof im Hessischen, wo 36 junge Frauen beider Herkunft zu einem zweiwöchigen «Friedensseminar» zu Gast waren. Was sie dort lernen konnten? Vor allem Menschlichkeit (siehe Seite 3). Die Nachhaltigkeit von derartigen Friedensseminaren ist angesichts der politischen Großwetterlage fraglich. Die designierte israelische Ministerpräsidentin Tzipi Livni steht nun vor der schwierigen Aufgabe, die permanent auf Eskalation geeichte Situation im israelisch- palästinensischen Konflikt zu entschärfen. Der abtretende Ministerpräsident Ehud Olmert zeichnete bereits den Weg vor: Er empfahl die Trennung des jüdischen Staates vom arabischen Teil Jerusalems. Für rechte jüdische Siedlergruppen ein Sakrileg. So wurde der israelische Wissenschaftler und Siedlungskritiker Seew Sternhell bereits zur Zielscheibe eines politisch motivierten Anschlags (siehe Seite 9). Die Angst, dass die Vergangenheit den Staat wieder einholen könnte, ist hoch.

 

 

 


Grußwort

um Neujahrsfest Rosch Haschana 5769

für die Monatsschrift «Jüdische Zeitung»

Angela Merkel Foto: REGIERUNG online/Chaperon

Zum Neujahrsfest Rosch Haschana 5769 sende ich allen Leserinnen und Lesern der Monatsschrift «Jüdische Zeitung» meine herzlichen Grüße. Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Freunden in Deutschland, Israel und der ganzen Welt Frieden, Gesundheit, Glück und Wohlergehen im neuen Jahr.

Wir blicken zurück auf ein Jahr, das von den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Gründung des Staates Israel geprägt war. Zu diesem Jubiläum durfte ich vor der Knesset in Jerusalem in meiner Muttersprache sprechen. Diese hohe Ehre hat in besonderer Weise verdeutlicht: Deutschland und Israel sind einander fest verbunden. Unsere Verbundenheit resultiert aus der historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels und baut auf gemeinsamen Werten auf.

Mit der Aufnahme von jährlichen bilateralen Regierungskonsultationen haben wir unseren Willen bekräftigt, die engen Beziehungen unserer beiden Länder weiter auszubauen und zu festigen. Gemeinsam wenden wir uns einer zukunftsorientierten Zusammenarbeit zu. Gemeinsam setzen wir uns auch konsequent gegen jegliche Form von Antisemitismus und Rassismus ein. Wir teilen die unverrückbare Grundüberzeugung, dass die religiöse oder ethnische Zugehörigkeit eines Menschen nicht zu Diskriminierung führen darf. Nur dann bleibt die Würde jedes Einzelnen gewahrt.

Mit Freude und Dankbarkeit sehen wir in Deutschland jüdisches Leben weiter aufblühen. Neben wichtigen Orten der Erinnerung erfahren auch neue Synagogen, jüdische Kindergärten und Schulen immer mehr Zuspruch. Ich heiße alle Zuwanderer herzlich willkommen, die in den vergangenen Jahren zum Wachstum der jüdischen Gemeinden beigetragen haben. Und ich danke allen, die den neuen Gemeindemitgliedern helfen, hierzulande ein neues Zuhause und eine religiöse Heimat zu finden.

Mögen die anstehenden Feiertage für Sie Ruhe und Freude mit sich bringen. Hoffen wir gemeinsam mit allen, die Rosch Haschana feiern, auf ein friedvolles gutes Jahr - Schana Towa.

 

Bundesrepublik Deutschland,

Berlin,

Die Bundeskanzlerin

 

 

 

 

 

 

«Jüdische Zeitung», Oktober 2008