Zu «Kratzer an den Gründungsmythen», JZ 05/2008

 

In der im Mai erschienenen Rezension «Kratzer an den Gründungsmythen. Tom Segevs „1949 - Die ersten Israelis" räumt mit Israels Geschichtsschreibung auf» hat sich ein Fehler eingeschlichen. Segev soll mit dem Mythos aufgeräumt haben, «wonach die jüdische Seite einen Frieden gesucht, die arabische Seite ihn jedoch verhindert habe». In dem Buch Segevs steht jedoch, dass Ben- Gurion Frieden wollte, aber nicht um jeden Preis (siehe Seite 70). Der Preis der Araber für den Frieden bestand laut Segev in der Preisgabe des Negevs und im Rückkehrrecht der Araber. Der Vorwurf, den Segev Ben-Gurion in seinem Buch macht, besteht also allein darin, dass er nicht nach einem Kompromiss gesucht hat, da er fälschlicherweise gemeint habe, die Zeit arbeite für Israel. Ein Angebot hat immerhin gemacht: ein Rückkehrrecht für 100.000 Araber. Ägypten und Jordanien ging es vor allem um territoriale Gewinne. Welche Chancen weiterreichende Angebote Israels gehabt hätten, die Araber von ihrem Kriegsziel abzubringen, Israel auszulöschen, wird von Segev nicht erörtert.

Ernst Eichengrün, Königswinter

«Jüdische Zeitung», Oktober 2008