Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Rose Pizems NachlassDie Zahl der Kindesmisshandlungen in Israel ist drastisch gestiegen
Die bei den israelischen Sozialämtern gemeldeten Fälle von Kindesmissbrauch haben sich in den letzten zehn Jahren beinah verdoppelt. Dies geht aus einer Erhebung hervor, die dem Parlament von Jitzchak Kadman, dem Direktor des Nationalen Kinderkollegiums, übergeben wurde. Die gesammelten Daten sozialer Einrichtungen zeigten, dass es in Israel im Jahr 2007 über 41.000 Missbrauchsfälle gab, die zur Anzeige gelangten. Zehn Jahre zuvor, 1997, waren es noch 21.000 Fälle. Kadman appellierte an die Regierung, sofort ein Maßnahmenpaket auf den Weg zu bringen. Überdies müsse die Gesetzeslage der Situation angepasst werden. Hierzu fanden sich in den vergangenen Wochen bis zu drei Kommissionen zusammen. Das berichtete die israelische Tageszeitung «Haaretz». Auslöser für den plötzlichen Aktionismus war der Fall Rose Pizem, der noch immer die gesamte Nation erschüttert und auch im Ausland für Entsetzen sorgte. Die vierjährige Rose war von ihrem Großvater zu Tode geprügelt worden. Ihre Leiche wurde später in einem Fluss gefunden. Die Tragödie hätte nach Meinung von Beobachtern verhindert werden können. Mehrmals wies das Sozialamt auf die Missstände in der Familie hin und meldete auch, als das Mädchen plötzlich verschwand. In Israel müssen derartige Verdachtsmomente jedoch von Familienangehörigen erhärtet werden. Die Warnungen des Sozialamts verhallten also auf den Korridoren der Bürokratie. Nun soll der gesetzliche Rahmen für das Einschreiten des Staates in solchen Fällen neu ausgearbeitet und erweitert werden. Die hitzig geführte Debatte wurde durch die Leiterin der Abteilung für Kinderangelegenheiten des Sozialministeriums, Hannah Slutzky, weiter angeheizt. Sie warf der Polizei vor, den Rahmen ihrer Möglichkeiten nicht voll ausgeschöpft zu haben. Die Beamten hätten auf die Aussagen der Sozialarbeiter reagieren müssen. Die Behörden wurden bereits kurz nach dem spurlosen Verschwinden des Mädchens im Mai diesen Jahres verständigt. Dennoch kamen die Ermittlungen erst ab dem 12. August in Gang. Laut einer Statistik stammen viele der Kinder, die Opfer häuslicher Gewalt werden, aus Immigrantenfamilien. Sarah Cohen, Sprecherin des Einbürgerungsministeriums, mahnte jedoch, speziell die Mordfälle nicht in Zusammenhang mit dem Thema Immigration zu bringen. Viele der Beschuldigten hielten sich zudem schon lange in Israel auf, so dass man den Integrationsprozess nicht als Grund für die Taten anführen könne. Die Vorsitzende des israelischen Immigrantenverbandes, Schoschana Ron, sagte hingegen, dass es unmöglich sei, diese Vorfälle nicht im Zusammenhang mit der Zuwanderung zu sehen. Die Debatte hält an. |