Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Sir Pauls DilemmaNachdem den «Beatles» vor 43 Jahren die Einreise nach Israel verwehrt wurde, trat Paul McCartney nun in Tel Aviv auf
Die Luft begann förmlich zu brennen. Zwischen 40.000 und 50.000 Menschen - die Angaben variieren - kreischten, sangen und tanzten gemeinsam. Bilder, wie die Vorboten einer Revolution. Für einige war es das wahrscheinlich auch. Nüchtern betrachtet blieb der erste Auftritt eines «Beatle» in Israel am 25. September im Tel Aviver Jarkon- Park allerdings «nur» das Konzert des Sir Paul McCartney. Im Vorfeld des Auftritts steigerte die Tatsache, dass den Beatles im Jahr 1965 der Auftritt in Israel verwehrt wurde, die Hysterie um das Eintreffen der Popikone ins Unermessliche. Warum sich das Land vor 43 Jahren vehement der «Beatlemania» verschloss und ein geplantes Konzert der «Fab Four» platzte, ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Sittenstrenge und Sorge um die Jugend rangieren als Erklärung an erster Stelle. Andere Quellen behaupten, dass es einen Streit zwischen den Veranstaltern gab. Ein interkultureller Fauxpas, den sich die Nation nie verziehen hat.
«John Lennon hätte sich das nie erlaubt» Die Aussagen der Fans in Israel fielen nach dem Auftritt McCartneys dementsprechend euphorisch aus. Der Aufruhr wurde auch genutzt, um das ewig angekratzte Image des Landes etwas aufzupolieren. So wurde der Mc- Cartney-Auftritt öffentlichkeitswirksam zum «Triumph des Staates» verklärt. Von einem «PR-Erfolg allererster Güte» sprach denn auch der israelische Botschafter in London, Ron Prosor, gegenüber der britischen Tageszeitung «The Guardian». Prosor war es, der sich Anfang des Jahres 2008 um einen Besuch der noch lebenden Beatles-Bandmitglieder in Israel bemühte und eine offizielle Entschuldigung für die verpasste Chance von 1965 aussprach. Doch nicht allerorten waren die Reaktionen wohlwollend. «John Lennon hätte sich einen solchen Schritt nie erlaubt», empörte sich die «Palästinensische Kampagne zum akademischen und kulturellen Boykott Israels » (PACBI) mit Hinweis auf die Verletzung der Menschenrechte seitens Israels. Eine gemäßigte Stimme verglichen mit den Ankündigungen radikaler Islamisten, die McCartney für den Auftritt in Israel offen mit dessen Ermordung drohten. Über 1,5 Millionen Euro veranschlagten Künstler und Gastgeber daraufhin für Sicherheitsmaßnahmen während des Israel-Aufenthaltes des Briten. Im Gelobten Land geraten kulturelle Großereignisse des Öfteren zum Politikum wider Willen, weshalb viele Musikgrößen von Auftritten in Israel absehen. Der immerwährende Konflikt macht es ausländischer Prominenz schwierig, sich nicht vor einen politischen Wagen spannen zu lassen. Egal welche Aussage man trifft und was man tut - aus irgendeiner Ecke hagelt es immer Kritik. Das dürfte auch McCartney bewusst gewesen sein und so gab er sich im Vorfeld betont unpolitisch. Eine heikle Gratwanderung für den 66-Jährigen. Zu Konzertbeginn rief er ein «Schalom», «Frieden», für die israelischen Fans und ein weltmännisches «Ramadan Karim», «Einen frohen Fastenmonat», für all jene Palästinenser, die draußen bleiben mussten.
Gut bezahlte Halbmeinung Mit dem Einstiegssong «Give Peace A Chance» wurde McCartney seinem friedliebenden Ruf gerecht und hatte das gesamte Publikum auf seiner Seite. Geschickt umschiffte er alle Kontroversen, begab sich mit seinen Parolen nie aufs Glatteis und lieferte eine grandiose Show. Ohne Frage, Paul Mc- Cartney hat alles richtig gemacht. Vielleicht zu richtig. Die Ikone wusste, dass sie um der eigenen Glaubwürdigkeit Willen, das politische Drumherum nicht völlig unangetastet lassen konnte. Irgendwie musste zwar die obligatorische Botschaft unter die Menge gebracht werden, doch am Ende sollte sich niemand auf die Füße getreten fühlen. Ein Dilemma - der Spagat zwischen den Lagern wurde Sir Paul zum Verhängnis. Resultat war eine schwammige und konturlose Halbmeinung. Auch die Gage McCartneys wurde zum Gegenstand der Debatte. Genaue Angaben fehlen, doch es scheint sich dabei um einen zweistelligen Millionenbetrag zu handeln - Euro, nicht Schekel. Wozu einer der reichsten Musiker der Welt einer solchen Bezahlung bedarf, fragte sich mit Sicherheit auch der ein oder andere Konzertbesucher, der zwischen 100 und 300 Euro für die Gegenwart des Ex-Beatles berappte. Auf dem Schwarzmarkt wurden bis zu 1.000 Euro für ein Konzertticket gezahlt. Der Multimillionär McCartney hat auf größeren Events auch schon kostenlos gespielt. Aber dann wären ja wieder die Verdächtigungen aufgekeimt, dass McCartney als Vertreter irgendeiner Meinung fungiere. Bleibt unterm Strich: die Musik. «Big Paul» bereitete fast 50.000 Menschen einen unvergesslich schönen Abend. Wer kann das schon von sich behaupten? |